Hamburg plant einen neuen Opernbau auf dem Baakenhöft. Trotz des Todes von Klaus-Michael Kühne laufen die Planungen in der HafenCity weiter.

Visualisierung des großen Saals im geplanten Opernbau in Hamburg mit geschwungenen Zuschauerrängen, Bühne und Innenraum in warmen Holztönen.

So könnte der große Saal der neuen Hamburger Oper aussehen. Geschwungene Ränge umgeben Bühne und Zuschauerraum, während warme Holztöne das geplante Erscheinungsbild prägen. / © Visualisierung: BIG & Yanis Amasri Sierra, Madrid, Spain

© Titelbild: BIG & Yanis Amasri Sierra, Madrid, Spain.

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Direkt an der Elbe soll eines der auffälligsten Kulturgebäude Hamburgs entstehen. Auf dem Baakenhöft in der HafenCity plant die Stadt gemeinsam mit der Kühne-Stiftung einen Neubau für Staatsoper, Ballett und Orchester. Nach dem Tod des Mäzens Klaus-Michael Kühne stellt sich jedoch eine zentrale Frage neu: Wie sicher ist das Projekt tatsächlich?

  • Bezirk: Hamburg-Mitte
  • Standort: Baakenhöft, Kirchenpauerkai, 20457 Hamburg
  • Projektstatus: Detailplanung des Siegerentwurfs
  • Nutzung: Staatsoper, Hamburg Ballett und Philharmonisches Staatsorchester
  • Finanzierungsentscheidung: erstes Quartal 2028
  • Baubeginn: frühestens Anfang 2030

Der Tod von Klaus-Michael Kühne im August 2026 ändert zunächst nichts an der vereinbarten Zusammenarbeit. Nach Angaben der Hamburger Kulturbehörde gilt der Vertrag zwischen der Stadt und der Kühne-Stiftung weiter. Entscheidend ist dabei, dass die Finanzierung nicht allein an die Person Kühnes gebunden wurde. Die Finanzierung durch die Stiftung ist laut Vertrag zusätzlich durch die Kühne Holding AG abgesichert.

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Damit können die Planer den Entwurf weiter ausarbeiten. Ein endgültiger Baubeschluss ist damit allerdings noch nicht gefallen. Genau dieser Punkt geht in der Debatte um den Opernbau in der HafenCity leicht unter: Erst wenn die Planung weit genug fortgeschritten ist und eine belastbare Kostenschätzung vorliegt, entscheidet die Kühne-Stiftung endgültig über die Finanzierung und damit über die Umsetzung. Hamburg nennt dafür derzeit das erste Quartal 2028.

Visualisierung der begrünten Terrassen und Außenanlagen am geplanten Opernbau auf dem Baakenhöft in der Hamburger HafenCity.

Der geplante Opernbau soll sich mit begrünten Terrassen und Wegen in die Landschaft des Baakenhöfts einfügen. Der Entwurf verbindet das Opernhaus mit öffentlich zugänglichen Freiflächen am Wasser. / © Visualisierung: BIG & Yanis Amasri Sierra, Madrid, Spain

Opernbau Hamburg: BIG-Entwurf soll das Baakenhöft grundlegend verändern

Wie das Gebäude aussehen könnte, steht dagegen bereits fest. Im November 2025 entschied sich eine Jury einstimmig für den Vorschlag der Bjarke Ingels Group aus Kopenhagen. BIG setzte sich gegen vier weitere Planungsteams durch. Eingeladen waren außerdem gmp mit Diller Scofidio + Renfro, Studio PFP, Snøhetta und Sou Fujimoto.

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Der Entwurf unterscheidet sich deutlich vom heutigen Opernhaus an der Dammtorstraße. Das Gebäude soll sich mit gestaffelten Ebenen zum Wasser und zur Stadt öffnen. Eine begrünte Dachlandschaft zieht sich spiralförmig um den Bau und soll öffentlich begehbar sein. Damit wäre nicht nur das Foyer zugänglich. Auch Teile des Gebäudedachs würden zu einem öffentlichen Raum mit Blick auf Elbe, Hafen und HafenCity. Rund um den Neubau plant Hamburg weitere Freiflächen.

Visualisierung des geplanten Opernbaus auf dem Baakenhöft in Hamburg-HafenCity bei Dunkelheit mit beleuchteten Terrassen direkt an der Elbe.

Auf der Spitze des Baakenhöfts soll die neue Hamburger Oper direkt an der Elbe entstehen. Der Entwurf von BIG setzt auf mehrere übereinanderliegende Ebenen und eine begrünte Dachlandschaft. / © Visualisierung: BIG & Yanis Amasri Sierra, Madrid, Spain

Neue Staatsoper: Mehr Platz für Bühne, Proben und Orchester

Hinter der auffälligen Architektur stehen vor allem betriebliche Gründe. Das bestehende Opernhaus verfügt nach Angaben der Stadt nicht mehr über die räumlichen Voraussetzungen eines modernen Opernbetriebs. Bühne und Orchestergraben gehen in ihren Dimensionen auf ältere bauliche Strukturen zurück. Hinzu kommt ein erheblicher Sanierungs- und Modernisierungsbedarf.

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Der Neubau soll deshalb deutlich bessere Arbeitsbedingungen schaffen. Geplant sind eine Hauptbühne mit ausreichend großen Nebenbühnen sowie eine zusätzliche Studiobühne. Hinzu kommen drei Probenbühnen, ein großer Chorsaal, ein Ballett-Probesaal und ein Orchesterproberaum. Für das Publikum sieht die Planung bessere Sichtbedingungen, eine hochwertige Akustik sowie größere Foyer- und Gastronomieflächen vor. Das Gebäude soll außerdem vollständig barrierefrei werden.

Auch der Platz hinter der Bühne spielt eine wichtige Rolle. Im bestehenden Haus sind die Möglichkeiten begrenzt. Moderne Opernproduktionen benötigen jedoch große Flächen, damit Bühnenbilder und Requisiten vorbereitet, gelagert und schnell gewechselt werden können. Der Neubau soll diese betrieblichen Abläufe erleichtern.

Visualisierung des Foyers der geplanten Hamburger Oper mit großen Glasfassaden, geschwungenen Treppen und Blick auf die Außenanlagen am Baakenhöft.

Große Glasflächen und geschwungene Treppen prägen das geplante Foyer der neuen Hamburger Oper. Der Entwurf soll Innenräume und die öffentlichen Flächen am Baakenhöft eng miteinander verbinden. / © Visualisierung: BIG & Yanis Amasri Sierra, Madrid, Spain

Rund 500 Millionen Euro: So ist der Opernbau in Hamburg finanziert

Die bisher genannte Größenordnung für den Neubau liegt bei rund 500 Millionen Euro. Die Kühne-Stiftung hatte angekündigt, bis zu 340 Millionen Euro für den Bau bereitzustellen. Hamburg übernimmt einen gedeckelten Beitrag von 147,5 Millionen Euro für besondere Kosten des Standorts. Dazu gehören vor allem die schwierigen Gründungsverhältnisse sowie der Hochwasserschutz durch ein Warftgeschoss. Weitergehende Risiken und Mehrkosten des Opernbaus trägt nach dem Vertrag die Stiftung.

Damit endet der finanzielle Anteil Hamburgs allerdings nicht. Zusätzlich sind rund 104 Millionen Euro für die Herrichtung des Grundstücks, die Erschließung, öffentliche Freiräume, die Promenade und die Ufereinfassung vorgesehen. Diese Ausgaben gehören nicht unmittelbar zum eigentlichen Operngebäude. Die entsprechenden Mittel werden ebenso wie der städtische Baukostenanteil erst fällig, wenn sich die Stiftung endgültig für die Umsetzung entscheidet.

Für Planung und Bau haben die Beteiligten eine eigene Projektgesellschaft vorgesehen. Die Kühne-Stiftung hält daran 75 Prozent, die Stadt Hamburg 14,9 Prozent und die Hamburgische Staatsoper GmbH 10,1 Prozent. Nach der Fertigstellung sollen die Anteile der Stiftung als Schenkung an Hamburg übergehen. Die Stadt würde anschließend alleinige Eigentümerin des neuen Opernhauses.

Nachtansicht des geplanten Opernbaus in Hamburg-HafenCity mit beleuchteten, geschwungenen Terrassen und großen Glasfassaden am Baakenhöft.

Bei Dunkelheit sollen die geschwungenen Ebenen des geplanten Opernbaus weithin sichtbar sein. Der Entwurf von BIG öffnet das Gebäude mit großen Glasflächen zur Elbe und zur HafenCity. / © Visualisierung: BIG & Yanis Amasri Sierra, Madrid, Spain

Vertrag sichert Hamburg Einfluss auf Planung und Opernbetrieb

Trotz des hohen privaten Finanzierungsanteils erhält Hamburg vertraglich festgelegte Einflussmöglichkeiten. Die Geschäftsführung der Projektgesellschaft besteht aus mindestens zwei Personen. Eine davon bestimmen Stadt und Oper, eine weitere die Stiftung. Zusätzlich ist ein fachlicher Beirat mit Opern- und Theaterfachleuten vorgesehen. Bei wesentlichen Entscheidungen benötigt die Gesellschaft zudem die Zustimmung der Stadt.

Stadt und Staatsoper können außerdem Mindestanforderungen an Funktion, Architektur, Akustik und Wirtschaftlichkeit festlegen. Diese Vorgaben müssen unabhängig von den Kosten erfüllt werden. Erst danach und auf Grundlage der Kostenschätzung kann die Stiftung einmalig entscheiden, das Projekt nicht weiterzuführen. In diesem Fall müsste sie die bis dahin entstandenen Planungskosten tragen.

Auch die spätere Nutzung ist geregelt. Nach der Übergabe soll das Gebäude dauerhaft der Hamburgischen Staatsoper dienen. Eine wesentliche Änderung dieses Nutzungsrechts benötigt in den ersten 20 Jahren die Zustimmung der Stiftung. Eigene Namensrechte am Opernhaus hat die Kühne-Stiftung dagegen nicht. Über die Benennung des Hauses, seiner Räume und direkt zugehöriger Plätze müssen sich Stadt und Stiftung in diesem Zeitraum abstimmen.

Hamburgs Opernbau bleibt vorerst ein Planungsprojekt

Die Bürgerschaft hat dem Vertrag bereits am 26. November 2025 mit großer Mehrheit zugestimmt. Trotzdem steht vor dem eigentlichen Baustart noch eine lange Planungsphase. Der Siegerentwurf wird derzeit architektonisch, technisch und opernfachlich vertieft. Erst danach folgt die entscheidende Finanzierungsentscheidung der Kühne-Stiftung.

Nach dem derzeitigen Zeitplan könnte die Stiftung bis Ende des ersten Quartals 2028 entscheiden. Anschließend sollen der Bauantrag gestellt und das Baakenhöft vorbereitet werden. Ein Baustart wäre frühestens Anfang 2030 möglich. Wenn Planung, Genehmigung und Bau ohne größere Verzögerungen verlaufen, nennt Hamburg Mitte 2034 als möglichen Fertigstellungstermin. Es handelt sich ausdrücklich um einen möglichen Zeitplan und nicht um einen bereits gesicherten Eröffnungstermin.

Der Tod Klaus-Michael Kühnes hat diese Planung nach aktuellem Stand nicht verändert. Ob die neue Staatsoper tatsächlich gebaut wird, entscheidet sich jedoch erst nach Abschluss der laufenden Detailplanung. Bis dahin bleibt der Opernbau auf dem Baakenhöft eines der größten geplanten Kultur- und Stadtentwicklungsprojekte der Hamburger HafenCity.

Neue Hamburgische Staatsoper am Baakenhöft
Auf dem Baakenhöft in der Hamburger HafenCity ist ein Neubau für die Hamburgische Staatsoper, das Hamburg Ballett und das Philharmonische Staatsorchester geplant.

 

Quellen: Hamburger Behörde für Kultur und Medien, Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, Kühne-Stiftung, NDR Kultur, Nordsee-Zeitung

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One Comment

  1. Jochen 28. August 2026 at 00:02 - Reply

    Nach Elb-Philharmonie und Elb-Tower kommt glaube ich hier der dritte Akt einer Farce.

    Die Elb-Oper wird eben nicht ~350 Millionen kosten. Die Baukosten steigen jeden Tag und für so ein Spezialgebäude mit Starchitekten sowieso. Die Baukosten werden, auch mit Steigerung während des Baus, eher Richtung 1 Milliarde gehen. Und dann wird die Kühne-Stiftung durchaus nachvollziehbar sagen, dass ihr Engagement endet. „Seht ihr mal zu wie ihr weiterbaut. Wir haben genug getan. Bezahlt den Rest selber.“ Und dann ist die Stadt Hamburg wieder erpressbar. „Es wäre ja sonst so peinlich.“ Die Stadtoberen dürften dann umknicken und die Hälfte oder gar mehr der Kosten zahlen. Kann sein dass es sich immer noch lohnen würde. Aber wäre es nicht besser solche Entscheidungen mit offenen Augen zu treffen?

    Die Hoffnung stirbt zuletzt. Der Senat kann beim Thema Elb-Tower Rückgrat beweisen. An sich ist es skandalös dass man im teuersten Hochhaus Deutschlands ein Lager für Naturalia mit angeschlossenem Museum bauen möchte (nur um die Ruine zu verhindern). Mit jedem tag wird es schwieriger einen Weiterbau zu finanzieren. Die letzten Verlautbarungen von Fraktion und Senat zeigen in die richtung. könnte auch nur taktik sein aber hoffen wir auf das beste.

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