Der Jungfernstieg präsentiert sich seit 2025 in neuer Gestalt. Doch während die Stadt von einer gelungenen Neuordnung spricht, melden Radfahrende weiterhin Bedenken.

Mit 13 Millionen Euro wurde der Jungfernstieg in Hamburg neu gestaltet. Erste Rückmeldungen zeigen, dass nicht alle Verkehrsteilnehmer zufrieden sind. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Der Jungfernstieg in Hamburg wurde im vergangenen Jahr umfassend saniert und ist nun offiziell fertiggestellt. Ziel der Neugestaltung war es, den öffentlichen Raum an der Binnenalster stärker auf Fußgänger und Radfahrende auszurichten. Dafür wurden Gehflächen erweitert, zusätzliche Sitzmöglichkeiten geschaffen und die Verkehrsführung neu strukturiert.
Rund 13 Millionen Euro flossen in das Projekt. Die Umgestaltung wurde zudem mit dem Deutschen Ingenieurspreis ausgezeichnet, was die Stadt als Anerkennung für die städtebauliche und verkehrsplanerische Leistung wertet.
Hamburg-Mitte: Neuer Jungfernstieg als Teil der Veloroute
Der benachbarte Neue Jungfernstieg liegt im Stadtteil Neustadt im Bezirk Hamburg-Mitte. Er verbindet den Jungfernstieg im Süden mit der Lombardsbrücke und der Esplanade im Norden. Die Straße wird in beide Fahrtrichtungen stark vom motorisierten Verkehr genutzt und ist Teil der Veloroute 4, die die Innenstadt mit Harvestehude, Winterhude, Alsterdorf und Fuhlsbüttel verbindet.
Bisher stießen die vorhandenen Radwege an ihre Kapazitätsgrenzen. Insbesondere auf den Nebenflächen kam es immer wieder zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrenden. Vor diesem Hintergrund wurde der Neue Jungfernstieg in die Gesamtplanung einbezogen und als verkehrsberuhigter Geschäftsbereich mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h ausgewiesen.
Jungfernstieg nach Umbau: Kritik von Radfahrenden
Trotz dieser Anpassungen melden sich Radfahrende mit kritischen Stimmen zu Wort. Sie berichten, dass die neue Verkehrsführung auf der Fahrbahn vor allem in den Stoßzeiten zu Problemen führe. Da Busse und Fahrräder sich Spuren teilen, komme es häufig zu Situationen, in denen Sicherheitsabstände nicht eingehalten würden.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) bezeichnet die Lösung als „suboptimal“. Nach seiner Einschätzung entstehe gerade in Spitzenzeiten ein hohes Konfliktpotenzial. Beobachter stellten zudem fest, dass manche Radfahrende auf Gehwege ausweichen, um Konflikten zu entgehen. Dies wiederum gefährde den Fußverkehr, insbesondere an Haltepunkten und Ausstiegen.
Einwände der Verkehrsbehörde: Beruhigter Verkehr am Jungfernstieg
Die Verkehrsbehörde weist die Kritik zurück und verweist darauf, dass alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt seien. Man habe unterschiedliche Varianten geprüft und sich für eine Lösung entschieden, die sowohl den Anforderungen des ÖPNV als auch den Bedürfnissen von Fußgängern, Radfahrenden und Anliegern Rechnung tragen solle. Kontrollen und Anpassungen seien möglich, sollten sich Probleme im Alltag verstärken.
Nach Angaben des Senats habe der Umbau insgesamt zu einer Beruhigung der Verkehrssituation beigetragen. Verkehrssenator Anjes Tjarks erklärte, dass die neue Gestaltung für Radfahrende im Vergleich zu früher eine Verbesserung darstelle, auch wenn Anpassungen im Detail nicht ausgeschlossen seien.
Wie sich die neue Verkehrsordnung langfristig bewährt, bleibt offen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die gewählte Lösung den unterschiedlichen Ansprüchen gerecht wird oder ob Nachjustierungen erforderlich sind. Sicher ist, dass der Umbau des Jungfernstiegs und des Neuen Jungfernstiegs ein zentrales Experiment für die Neuordnung des öffentlichen Raums in Hamburg darstellt.
Quellen: Hamburg.de, Hamburger Abendblatt, NDR
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