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Die Arbeiten am Hamburger Elbtower ruhen seit Oktober 2023. Nun zeigen Messdaten, die dem SPIEGEL vorliegen: Das Bauwerk senkt sich stärker als bislang bekannt – mit direkten Auswirkungen auf die Bahninfrastruktur. Behörden und Projektverantwortliche geraten zunehmend unter Druck.
Elbtower im Rohbau in Hamburg

Bis heute ragt der Rohbau des Elbtowers 100 Meter in die Höhe – von den geplanten 245 Metern weit entfernt. Wie es mit dem Bauprojekt weitergeht, bleibt ungewiss. Klar ist nur: Die Probleme rund um das Vorhaben sind tiefgreifender, als viele bisher angenommen haben. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

 

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Seit Oktober 2023 ruht der Bau am Elbtower in Hamburg. Das ambitionierte Hochhausprojekt an der östlichen Spitze der HafenCity war einst als neues Wahrzeichen geplant. Nun ist es vor allem Symbol eines Scheiterns, und einer wachsenden Liste technischer, finanzieller und politischer Probleme.

Aktuelle Messdaten, die dem SPIEGEL vorliegen, zeigen, dass sich das 100 Meter hohe Bauwerk stärker setzt als ursprünglich angenommen. Besonders kritisch sind die Auswirkungen auf angrenzende Infrastrukturen der Deutschen Bahn. Frühwarnsysteme zur Überwachung der Stabilität haben bereits im Frühjahr 2024 Alarmwerte deutlich überschritten. Die Bauaufsicht erfuhr davon allerdings offenbar nichts, trotz klarer Meldeauflagen.

Elbtower in Hamburg: Grenzwerte überschritten, Behörde uninformiert

Im Februar 2024 dokumentierten Prüfprotokolle eine Verwindung von 1,1 Promille und eine Verkantung von 1,5 Promille an der Eisenbahnüberführung Ladestraße. Beide Werte liegen weit über dem Alarmgrenzwert von 0,7 Promille. Doch statt einer direkten Meldung an die zuständige Behörde (wie seit 2023 verpflichtend) wurde erst im Dezember 2024 ein deutlich niedrigerer Wert übermittelt.

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Die Zuständigkeit liegt nach Angaben eines Behördensprechers im privatrechtlich vereinbarten Monitoring zwischen Bauherrin und Bahn, wie der SPIEGEL berichtet. Maßnahmen würden demnach von einer gemeinsamen Expertengruppe definiert. Warum die Bauaufsicht dennoch keine weiteren Schritte einleitete, bleibt unklar.

Erste Hinweise zu Grenzwertüberschreitungen von 2024 offenbar ignoriert, Verantwortung bleibt unklar

Der Insolvenzverwalter Torsten Martini, der seit dem Rückzug der Signa-Gruppe das Projekt leitet, hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert. Dabei steht im Raum, dass er seiner Informationspflicht gegenüber der Bauaufsicht nicht nachkam, so der SPIEGEL.

Kritik kommt unter anderem von Heike Sudmann, baupolitische Sprecherin der Linken in der Hamburger Bürgerschaft. Sie spricht von einem „Versuch, sich herauszuhalten“ seitens der Behörde. Der Senat habe bereits im Januar 2024 erste Hinweise auf Grenzwertüberschreitungen erhalten, aber nicht weiter nachgefragt. Sudmann hält dieses Vorgehen für nicht hinnehmbar. Bei einem Projekt dieser Größenordnung sei „Augen zu und durch“ keine Option.

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HafenCity: Zukunft für das Bauprojekt „Elbtower“ bleibt weiterhin schwierig

Die technischen Schwierigkeiten wirken sich auch auf laufende Verhandlungen mit potenziellen Investoren aus. Der Hamburger Unternehmer Dieter Becken gilt als Interessent für eine mögliche Fortführung des Projekts. Doch je größer die Unsicherheit über die bauliche Stabilität und mögliche Folgekosten, desto schwieriger wird eine Einigung.

Die Deutsche Bahn beobachtet die Lage weiterhin engmaschig. Bereits 2022 und erneut im Frühjahr 2024 wurden Anpassungen an den Brückenlagern der betroffenen Überführung vorgenommen. Weitere Maßnahmen sind geplant. Dennoch zeigen aktuelle Messdaten, dass die Grenzwerte trotz dieser Eingriffe wieder erreicht werden, und das, obwohl derzeit kein weiterer Baufortschritt erfolgt.

Quellen: Spiegel, Frankfurter Rundschau, t-online

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