In Hamburg-Marienthal entsteht mit dem „MorellenQuartier“ ein Wohnprojekt, das den sogenannten „Hamburg-Standard“ erstmals konsequent umsetzt. Ziel ist es, durch bewusste Reduktion Baukosten zu senken und gleichzeitig bezahlbaren und nachhaltigen Wohnraum zu schaffen. Ein Blick auf ein Quartier, das bewusst einfach denkt, um Komplexität zu vermeiden.
© Visualisierung Titelbild: LRW Architektur & Stadtplanung
Das „MorellenQuartier“ in Hamburg-Marienthal dient als Best-Practice-Beispiel zur Erprobung und Weiterentwicklung der neuen Maßnahmen des „Hamburg-Standards“. Das Projekt ist eines der ersten, das konsequent nach dem Gebäudetyp E realisiert wird. Der „Hamburg-Standard“ steht für eine klare Haltung: weniger technische Überregulierung, weniger graue Energie und dafür mehr Verantwortung für Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. Geplant sind 90 geförderte Mietwohnungen in der Schimmelmannstraße, die auf sechs Neubauten verteilt werden.
Die Wohnungen sollen in ihrer Qualität überzeugen, ohne dass unnötige Ausstattung die Kosten in die Höhe treibt. Hinter dem Projekt stehen die HANSA Baugenossenschaft und die Otto Wulff Bauunternehmung. Gemeinsam wollen sie zeigen, dass eine reduzierte Bauweise nicht Verzicht bedeutet, sondern eine bewusste Entscheidung für ein einfaches, funktionales Wohnen.
Weniger ist mehr: HANSA-Neubauquartier in Wandsbek soll nach „Hamburg-Standard“ errichtet werden
Das Besondere an diesem Quartier ist die konsequente Anwendung des „Hamburg-Standards“. Er will Komfortansprüche hinterfragen, die oft selbstverständlich scheinen. Durch den Verzicht auf Keller, Tiefgaragen oder aufwendige Haustechnik werden Baukosten gesenkt und Ressourcen geschont. Statt aufwändiger Technik setzt man auf einfache „Low-Tech“-Lösungen, die den Energieverbrauch niedrig halten. So könne der Zielwert von maximal 9,9 Kilogramm CO₂ pro Quadratmeter und Jahr erreicht werden.
Ein weiterer Baustein des Projekts ist die serielle Bauweise. Wiederkehrende Planungsschritte, Typenhäuser und eine hohe Vorfertigungstiefe sorgen dafür, dass der Bauprozess nicht nur schneller, sondern auch planbarer wird. Das reduziert nicht nur die Bauzeit, sondern auch die Kosten und damit später die Mieten. Die Baukosten liegen bei unter 3.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Möglich wird das durch den frühen Einbezug der Baufirmen: Statt einer fertigen Ausführungsplanung wurde zunächst nur ein Entwurf ausgeschrieben. So konnten die Unternehmen selbst Einsparmöglichkeiten vorschlagen.
Nachhaltig und sozial verträglich: Neuer Wohnraum in Hamburg-Marienfelde soll bezahlbar bleiben
Neben den ökonomischen Aspekten wird großer Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Eine CO₂-Bilanzierung deckt den gesamten Lebenszyklus der Gebäude ab. Materialien wie eine rezyklierbare Holzfassade und die bewusste Auswahl von Baustoffen sollen den ökologischen Fußabdruck gering halten.
Die 90 Wohnungen werden gefördert und sollen dauerhaft zu sozialverträglichen Mieten angeboten werden. Damit richtet sich das Quartier an Menschen, die bezahlbaren Wohnraum in Hamburg dringend benötigen. Die Bestandswohnungen, die hier ersetzt werden, waren nicht mehr zukunftsfähig.
Kollaboration statt Konfrontation: „MorellenQuartier“ will sozialen Wohnungsbau und Klimaschutz zusammendenken
Ein innovatives Vergabeverfahren begleitete die Entstehung des Quartiers. Im Rahmen eines zweistufigen Verfahrens wurden nicht nur Preis und Bauzeit bewertet, sondern auch der CO₂-Wert der vorgeschlagenen Konstruktionen. Eine gemeinsame Strategiephase ermöglichte es, Fachwissen zu bündeln und bessere Lösungen zu entwickeln.
Die HANSA Baugenossenschaft sieht sich damit als Vorreiter. Dirk Hinzpeter, Vorstand der Genossenschaft, macht deutlich, dass man zeigen wolle, wie nachhaltiges und zugleich wirtschaftlich tragfähiges Bauen funktionieren kann. Das „MorellenQuartier“ soll so ein Beispiel dafür sein, wie sozialer Wohnungsbau und Klimaschutz zusammengedacht werden können. Der Baustart soll planmäßig im Dezember 2025 erfolgen und im März 2027 abgeschlossen sein.
Quellen: LRW Architektur, HANSA Baugenossenschaft, Initiative kostenreduziertes Bauen
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