Hamburg kämpft weiter mit zu geringen Neubauzahlen. Zwar wurden im ersten Halbjahr 2025 mehr Wohnungen genehmigt als im Vorjahr, doch das Ziel von jährlich 10.000 neuen Einheiten bleibt in weiter Ferne. Gleichzeitig entstehen in verschiedenen Stadtteilen neue Projekte, die beispielhaft zeigen, wie Wohnraum geschaffen werden kann.

Ein aktuelles Beispiel für Wohnungsbau ist das SAGA-Projekt in der Wagnerkoppel in Hamburg-Farmsen, wo zwölf neue Reihenhäuser entstehen – dennoch bleibt der Wohnungsbau insgesamt deutlich hinter den städtischen Zielen zurück. / © Visualisierung: Gerriet Behrens / elbsand architekten
© Foto Titelbild: depositphotos.com
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Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Hamburg 2.624 neue Wohnungen genehmigt. Das ist zwar ein Plus gegenüber dem Vorjahr, bleibt jedoch weit hinter den Zielen des „Bündnisses für das Wohnen“ zurück. Angestrebt waren jährlich 10.000 Einheiten, um dem Druck auf dem Wohnungsmarkt entgegenzuwirken. Kay Brahmst, Vorstand des BFW Nord, erklärte, die neuen Zahlen seien kein Grund zum Jubeln, da die Stadt damit ihre eigenen Zielmarken deutlich verfehle.
Laut Statistikamt Nord entfallen über die Hälfte der Genehmigungen auf private Unternehmen. Öffentliche Bauträger wie die SAGA und „Fördern & Wohnen“ sichern sich etwa ein Viertel, während private Haushalte rund 18 Prozent stellen. Nach Einschätzung des BFW sei die private Wohnungswirtschaft nach wie vor der wichtigste Motor, doch auch die Entwicklung öffentlicher Bauherren habe zugenommen. Kritisch sieht der Verband dagegen den Rückgang beim Bau von Eigentumswohnungen.
Wohneigentum als stabilisierender Faktor und Neubauprojekte als praktische Beispiele in Hamburg
Die Diskussion über die Zahlen macht deutlich, dass Hamburg weiterhin auf ein ausgewogenes Verhältnis von Mietwohnungen und Eigentum angewiesen ist. Brahmst warnte davor, dass Eigentum nicht aus dem Blick geraten dürfe. Wohneigentum schütze vor Altersarmut, entlaste den Mietwohnungsmarkt und stabilisiere Quartiere durch soziale Durchmischung. Deshalb sei eine stärkere Förderung notwendig, um mehr Balance zwischen den verschiedenen Segmenten zu schaffen.
Während die Debatte um Ziele und Zahlen anhält, entstehen in Hamburg einzelne Projekte, die dennoch Impulse setzen. Sie zeigen, wie Wohnungsbau trotz hoher Kosten und komplexer Planungen realisiert werden kann.
Reihenhäuser in Farmsen und neue Wohnheimplätze: Wie Hamburg Familien und Auszubildende unterstützen will
In Hamburg-Farmsen hat die SAGA im August das Richtfest für zwölf Reihenhäuser gefeiert. Die Gebäude entstehen in der Wagnerkoppel und sollen bis Frühjahr 2026 fertiggestellt werden. Mit familienfreundlichen Grundrissen, zwei Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss bieten die Häuser etwa 105 Quadratmeter Wohnfläche. Die SAGA sieht das Projekt als Beitrag zur Nachverdichtung und verweist auf moderate Mietpreise von 12,80 Euro pro Quadratmeter.
Parallel dazu wollen SPD und Grüne das Angebot an Azubi-Wohnungen ausbauen. Ein gemeinsamer Antrag sieht vor, bis 2030 rund 3.000 zusätzliche Wohnheimplätze zu schaffen. Dafür sollen städtische Flächen genutzt, private Partner eingebunden und neue Kooperationsmodelle entwickelt werden. Hintergrund ist der hohe Bedarf junger Menschen, die während ihrer Ausbildung bezahlbaren Wohnraum benötigen.
Zwischen Fortschritt und Rückstand: Warum Hamburg trotz einzelner Projekte seine Wohnungsziele noch nicht erreicht
Hamburgs Baupolitik steht damit weiter vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits steigen die Genehmigungen leicht an, andererseits bleiben sie weit unter den tatsächlichen Bedarfen. Beispiele wie die Reihenhäuser in Farmsen oder die Offensive für Azubi-Wohnen verdeutlichen, wie wichtig Vielfalt und Innovation im Neubau sind.
Ob Hamburg seine Ziele erreicht, hängt jedoch davon ab, ob langfristig ausreichend Flächen, Ressourcen und politische Entschlossenheit zusammenkommen.
Quellen: Landesverband Nord, SAGA Unternehmensgruppe, Peter Ahrens Bauunternehmen, SPD Hamburg, Fördern & Wohnen Pressemitteilung, Hamburger Abendblatt, Finanzbehörde Hamburg, hamburg.de, clar&müller architektur GmbH, Pressemitteilung der Hamburger Finanzbehörde vom 18.12.2024, Deutsche Presse-Agentur, Hamburger Abendblatt, Schwäbische Zeitung
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