Wohnungen, Kita, Pilgerherberge und soziale Einrichtungen an einem Ort: Das Trinitatis Quartier in Hamburg-Altona verfolgt einen Ansatz, der über klassische Quartiersentwicklung hinausgeht. Inzwischen ist das Projekt weitgehend fertiggestellt und belebt. Ein Blick ins Quartier.

Gemeinschaftlich nutzbare Freiflächen bilden einen wichtigen Bestandteil des Trinitatis Quartiers. Das Projekt setzt auf Begegnung und den Austausch unterschiedlicher Nutzergruppen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
Wer das Trinitatis Quartier in Hamburg-Altona heute besucht, trifft nicht mehr auf Bauzäune und Baustellenbetrieb. Die Neubauten sind fertiggestellt, Menschen sind bereits eingezogen und auch die Kita hat ihren Betrieb aufgenommen. Wo über Jahre gebaut wurde, ist inzwischen ein belebtes Quartier entstanden, das sich sichtbar in das Stadtbild der Altonaer Altstadt einfügt.
Das neue Quartier befindet sich rund um die denkmalgeschützte Hauptkirche St. Trinitatis an der Kirchenstraße. Die Kirche bleibt dabei weiterhin prägender Mittelpunkt des Ensembles und wird von mehreren Neubauten eingerahmt, die in den vergangenen Jahren schrittweise realisiert wurden.
Trinitatis Quartier verbindet Wohnen und soziale Angebote
Entstanden ist dabei kein klassisches Wohnprojekt. Neben Wohnungen unterschiedlicher Größe umfasst das Quartier unter anderem eine Kita, eine Pilgerherberge, Gemeinderäume, soziale Einrichtungen sowie öffentlich zugängliche Aufenthalts- und Begegnungsflächen. Ergänzt wird das Angebot durch gemeinschaftlich nutzbare Bereiche, die sowohl Bewohnern als auch der Nachbarschaft offenstehen.
Die Idee dahinter geht über die reine Schaffung von Wohnraum hinaus. Das Quartier versteht sich als Ort des sozialen Miteinanders, an dem unterschiedliche Generationen und Lebenssituationen zusammenkommen. Familien, Senioren, Gemeindemitglieder und weitere Nutzergruppen teilen sich denselben Standort und sollen von den kurzen Wegen und gemeinschaftlichen Angeboten profitieren.

Die Kita St. Trinitatis hat ihren Betrieb bereits aufgenommen und zählt zu den ersten Nutzungen im neuen Quartier. Rund um die denkmalgeschützte Kirche sind Wohnungen, soziale Einrichtungen und Gemeinschaftsangebote entstanden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Warum sind solche Quartiere noch die Ausnahme?
Das Trinitatis Quartier gilt als ungewöhnliches Beispiel für eine Quartiersentwicklung, die Wohnen, soziale Angebote und gemeinschaftliche Nutzungen bewusst miteinander verbindet. Viele der hier umgesetzten Ideen werden in der Stadtentwicklung seit Jahren diskutiert. In der Praxis entstehen jedoch weniger Projekte dieser Art, als vielfach angestrebt wird.
Ein Grund dafür ist die hohe Planungskomplexität. Unterschiedliche Träger, soziale Einrichtungen und langfristige Betreiberstrukturen müssen von Beginn an zusammenarbeiten. Hinzu kommt, dass Gemeinschaftsangebote und soziale Einrichtungen nicht nur gebaut, sondern auch dauerhaft organisiert und finanziert werden müssen. Wirtschaftlich sind solche Projekte häufig anspruchsvoller als klassische Wohnungsbauvorhaben.
Kirchenland als Ressource für Stadtentwicklung?
Die evangelischen Kirchengemeinden in Deutschland verfügen über rund 325.000 Hektar Grundbesitz. Dabei handelt es sich allerdings überwiegend um unbebaute Flächen wie landwirtschaftliche Grundstücke und Wald.
Gerade deshalb bleibt die Übertragbarkeit von Projekten wie dem Trinitatis Quartier begrenzt. Zwar besitzen viele Gemeinden auch Grundstücke oder Gebäude in zentralen Lagen, doch nicht jede Fläche eignet sich für Wohnungsbau oder soziale Infrastruktur. Zudem binden Sanierung, Unterhalt und kirchliche Kernaufgaben erhebliche Ressourcen.

Das neue Gemeindehaus ergänzt die Wohngebäude des Trinitatis Quartiers. Hier befinden sich Räume für Gemeindearbeit, Begegnung und soziale Angebote. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Modellprojekt für gemeinschaftliches Wohnen in Altona
Das Quartier richtet sich nicht nur an klassische Wohnungssuchende, sondern integriert auch soziale Angebote für Menschen mit besonderen Unterstützungsbedarfen. Dazu gehört unter anderem das Housing-First-Prinzip, bei dem Menschen zunächst eine eigene Wohnung erhalten und erst anschließend weitere Unterstützung in Anspruch nehmen können.
Gleichzeitig setzt das Trinitatis Quartier auf Begegnung und Nachbarschaft. Gemeinschaftsflächen, soziale Einrichtungen und öffentliche Angebote sollen dazu beitragen, verschiedene Generationen und Bevölkerungsgruppen zusammenzubringen. Mit der Fertigstellung des Quartiers endet die Entwicklung des Projekts daher nicht, vielmehr beginnt nun die eigentliche Bewährungsprobe.
St. Trinitatis Kirche
Quellen: kirchenfinanzen.de, Kirchenkreis Hamburg, Bauwerk Kirchliche Immobilien, hauptkirche-altona.de, Trinitatis Quartier
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