In Hamburg Bahrenfeld hat der Bau eines außergewöhnlichen Forschungsgebäudes begonnen: das „Hamburg Fundamental Interactions Laboratory“ („HAFUN“). Rund 200 Forschende sollen hier künftig die Grenzen der Teilchenphysik und Kosmologie erkunden – in einem Gebäude, das selbst Teil der Experimente wird.

Mit dem „HAFUN“ erhält die Science City Bahrenfeld ein weiteres Spitzenforschungsgebäude. Der Neubau will funktionale Klarheit mit nachhaltigen Materialien, offenen Innenräumen und begrünten Höfen verbinden. / © Visualisierung: Sprinkenhof GmbH, C.F. Møller Architects
© Visualisierungen: Sprinkenhof GmbH, C.F. Møller Architects
Am Montag fiel in der Science City Hamburg-Bahrenfeld der Startschuss für das „Hamburg Fundamental Interactions Laboratory“ („HAFUN“). Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal, Finanzsenator Dr. Andreas Dressel, Universitätspräsident Prof. Dr. Hauke Heekeren sowie Vertreter der Sprinkenhof GmbH und der Universität Hamburg nahmen den ersten Spatenstich vor.
Das Gebäude soll künftig rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Exzellenzclusters Quantum Universe sowie weiterer Fachbereiche der Universität Hamburg beherbergen. Besonderheit des Baus: Durch integrierte Sensoren und spezialisierte Labore wird „HAFUN“ selbst zum Messinstrument. So sollen unter anderem Gravitationswellen und kosmische Strahlung erfasst werden, während hochpräzise Experimente zur Teilchenphysik durchgeführt werden können.
Für knapp 250 Mio. Euro: Gravity-Labore, Büro- und Arbeitsbereiche geplant
Im Inneren des siebenstöckigen Neubaus entstehen neben modernen Büro- und Arbeitsbereichen spezielle Gravity-Labore, die Präzisionsexperimente zur Gravitationswellenforschung und zur kosmischen Strahlung ermöglichen. Eines der Labore soll mit einem neun Meter hohen Pendel auf einem luftgefederten Tisch ausgestattet werden, das Forschenden eine bisher unerreichte Experimentiergenauigkeit erlauben soll.
Finanzsenator Dressel wies darauf hin, dass das Projekt mit rund 247 Millionen Euro veranschlagt sei, wovon etwa 27 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln stammen. Gleichzeitig betonte er die Notwendigkeit, zukünftige Hochschulbauten effizienter und kostensicherer zu planen, unter anderem durch System- und Modulbau.
„HAFUN“: Observatorium entsteht auf begrünter Dachterrasse
Architektonisch setzt „HAFUN“ auf Transparenz: Ein offenes Erdgeschoss und großzügige Fensterflächen sollen den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft fördern. Auf der begrünten Dachterrasse entsteht ein Observatorium, das auch Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit ermöglicht. Innenhöfe, vernetzte Arbeitsplätze und viel Tageslicht sollen die Zusammenarbeit der Forscherinnen und Forscher erleichtern.
Prof. Heekeren unterstrich, dass das Gebäude nicht nur Infrastruktur bereitstelle, sondern selbst ein Werkzeug für physikalische Präzisionsexperimente sei. „HAFUN“ ermögliche Forschungen, die weltweit nur an wenigen Standorten realisierbar seien, und sei langfristig eine Investition in die Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern.
Vernetzte Spitzenforschung in Bahrenfeld: Die Lage des Neubaus ist strategisch gewählt
„HAFUN“ entsteht in unmittelbarer Nähe zu bestehenden Physikgebäuden der Universität Hamburg und des Deutschen Elektronen-Synchrotrons DESY. Diese räumliche Nähe soll die Zusammenarbeit erleichtern und den wissenschaftlichen Austausch innerhalb des Exzellenzclusters Quantum Universe stärken.
Forschende werden sich unter anderem mit dem Higgs-Boson, Dunkler Materie und Gravitationswellen befassen. KI-Methoden sollen die Experimente unterstützen, und acht Arbeitsgruppen aus der Experimentalphysik werden in „HAFUN“ ihre neue Heimat finden.
Science City Hamburg-Bahrenfeld als Innovationsstandort
Die Science City Bahrenfeld gilt als eines der größten Zukunftsprojekte Hamburgs. Auf 125 Hektar bündeln sich universitäre Ausbildung, internationale Spitzenforschung und innovative Unternehmen. Bis in die 2040er Jahre sollen hier neue Wohnquartiere, Bildungsangebote und Forschungsflächen entstehen, begleitet von einer engen Kooperation zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Stadtplanung.
Mit „HAFUN“ entsteht nun ein weiterer Baustein dieses Innovationsstandorts, der langfristig internationale Zusammenarbeit und bahnbrechende Forschung fördern soll. Die Bauarbeiten sollen bis Ende 2029 abgeschlossen sein und werden über eine Baustellenkamera öffentlich dokumentiert.
Quellen: C.F. Møller Architects, Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung Hamburg, Science City Bahrenfeld, Universität Hamburg, Institut für Experimentalphysik, Sprinkenhof GmbH, NDR
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