Nach jahrzehntelanger Nutzung ist der Heinrich-von-Kleist-Park in Schöneberg behutsam saniert worden, im Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz und moderner Grünflächennutzung. Barrierefreiheit, Bewässerungssysteme und ein neuer Hundeauslauf ergänzen nun das historische Ensemble am Berliner Kammergericht.

Inmitten des Berliner Südwestens wurde ein traditionsreicher Park zeitgemäß erneuert: Der Heinrich-von-Kleist-Park verbindet historische Gestaltung mit modernen Bedürfnissen. Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann und Bezirksstadträtin Dr. Saskia Ellenbeck eröffneten die Grünfläche im Rahmen eines feierlichen Festakts. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Das Wetter hatte es gut gemeint mit den Projektverantwortlichen der Kleistpark-Sanierung, denn zur feierlichen Eröffnung des runderneuerten Stadtparks in Berlin-Schöneberg zeigte sich die Sonne, so dass die rund einhundert Anwesenden erst entspannt dem Flötenkonzert der Leo Kestenberg Musikschule lauschen konnten, und anschließend den Festreden von Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann und Bezirksstadträtin Dr. Saskia Ellenbeck.

Nach rund fünfjähriger Planungs- und insgesamt eineinhalbjähriger Bauzeit konnte am gestrigen Dienstag die Sanierung und Modernisierung der historischen Parkanlage, die in Abstimmung mit dem Berliner Landesdenkmalamt erfolgt ist, abgeschlossen werden. Saskia Ellenbeck zeigte sich entsprechend erleichtert, denn die Umsetzung der Modernisierungsmaßnahme war kein Spaziergang.

Heinrich-von-Kleist-Park am Kammergericht: Aufwendige Modernisierung abgeschlossen

Das zeigte sich allein durch die Anzahl der Projektbeteiligten, die dem Festakt im Schatten des Kammergerichts persönlich beiwohnten. Neben Vertretern des Bezirks sowie des Landesdenkmalamtes waren auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Straßen- und Grünflächenamtes sowie das beauftragte Planungsbüro Henningsen vor Ort. Nach den Reden und dem Durchtrennen eines roten Bandes konnten die Gäste der Zeremonie einen gemeinsamen Spaziergang durch den frisch sanierten Park absolvieren.

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Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, das in die Sanierung des Parks knapp drei Millionen Euro investiert hat, umschreibt das Projekt wie folgt: „Ziel war es, die historische Gestaltung des Parks wieder erlebbar zu machen und dabei den aktuellen Anforderungen an die Grünanlage gerecht zu werden. Im Rahmen der Sanierung wurden deshalb auch zeitgemäße Parknutzungen wie eine Hundeauslauffläche, funktionale Aspekte wie Barrierefreiheit sowie naturschutzfachliche Belange berücksichtigt.

Denkmalschutzbelange und Anforderungen an eine moderne Nutzung musste miteinander kombiniert werden

Saskia Ellenbeck betonte, wie schwierig es zeitweise war, allen Anforderungen der Nutzerinnen und Nutzer gerecht zu werden, die ihre Vorstellungen in mehreren Beteiligungsformaten eingebracht haben. Vor allem der passende Ort für die Hundeauslauffläche war lang diskutiert worden. Schließlich aber wurde ein sinnvoller Kompromiss gefunden, der von den Parkbesuchern längst dankbar angenommen wird.

Das Projekt war grundsätzlich nicht einfach. Die Planerinnen und Planer mussten beim Umbau den Spagat hinbekommen, die heutige Nutzung und funktionale Aspekte wie Barrierefreiheit und automatisierte Bewässerung umzusetzen, ohne die denkmalgerechte Sanierung der historischen Strukturen zu vernachlässigen.

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Die neue Bewässerungsanlage soll das renovierte Rasenoval, die Schmuckpflanzen, die Sträucher und Stauden sowie die alten Bäume grün halten und ausgetrocknete Grünflächen, wie sie bislang vor allem in den heißen Sommermonaten häufig vorkommen, vermeiden. Dabei soll kein Trinkwasser, sondern Wasser aus einem Tiefbrunnen zum Einsatz kommen.

Kleistpark: Neue Bewässerungsanlage soll Austrocknen der Grünflächen verhindern

Rund um die beiden Kämmergärten mit großer und kleiner Liegewiese wurde ein neuer Rundweg angelegt. Im Kammergarten Nord sind Sitzbänke und eine großes Schachspiel entstanden, im Kammergarten Süd entstand der bereits erwähnte umzäunte Hundeauslauf.

Erhalten geblieben ist der historische Staudenbestand und die Erdwälle Nord und Süd. Letztere bekamen eine Treppe mit Rampe und Sitzbänken, zusätzlich sollen sie abwechselnd mit Nadelsträuchern, Stauden, Wintergräsern und Frühjahrsblühern bepflanzt werden. Auf dem ringförmigen Wall rund um das zentrale Rasenoval sind neue Sitzbänke aufgestellt worden.

Neue Wege Wege und Bänke für historische Königskolonnaden

Am Haupteingang mit den Königskolonnaden (die im Zuge des Projekts allerdings nicht saniert oder gereinigt wurden) wurden die Wege und Beete erneuert, neue Bänke mit Blick aufs Rasenoval wurden aufgestellt. Die historischen “Rossebändiger” werden auch zukünftig an den Flügeln des Kammergerichts verbleiben und nicht zum rekonstruierten Berliner Stadtschloss, dem Humboldt Forum, zurückkehren.

Die wechselhafte Geschichte der Grünanlage reicht zurück bis ins Ende des 18. Jahrhunderts, als der Botaniker Johann Sigismund Elsholtz im Auftrag des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm  einen größeren Hof- und Küchengarten sowie einen landwirtschaftlichen Mustergarten anlegen ließ.

Kleistpark: Die Wechselhafte Geschichte der historischen Grünanlage

Das Dorf Schöneberg, damals noch nicht zu Berlin gehörend, erhielt damit eine Grünfläche, die in den folgenden Jahrhunderten verschiedenartige Nutzungen erleben sollte. Bis zur Eröffnung des heutigen Botanischen Gartens in Berlin-Dahlem wurde das Gelände ab 1801 als Botanischer Garten genutzt.

Heute ist die Parkfläche, die vor allem durch die historischen Königskolonnaden an der Potsdamer Straße und das bis 1913 im Neobarockstil errichtete Gerichtsgebäude dominiert werden, öffentlich zugänglich. In seiner heutigen Form angelegt wurde sie im Jahre 1945 nach den Plänen des Gartenarchitekten Georg Pniower für den Alliierten Kontrollrat.

Königskolonnaden: 1911 ging es Vom Alexanderplatz nach Schöneberg

Die Kolonnaden am Eingang zum Park an der Potsdamer Straße waren die ursprünglichen Eingangstore der Stadt Berlin, welche von der östlichen Königsvorstadt stadteinwärts zum Stadtschloss führten. Als ergänzendes architektonisches Element zur Königsbrücke am Bahnhof Alexanderplatz, sollten sie unter anderem die dahinter gelegenen Kramläden verstecken.

Die Kolonnaden wurden in den Jahren 1777 bis 1780 von Carl von Gontard geplant und schließlich von Georg Friedrich Boumann umgesetzt. Denn durch die Errichtung des Warenhauses Wertheim 1911 mussten die Königskolonnaden weichen und wurden abgetragen. Sie wurden an ihrem heutigen Standort an der Ostseite des Heinrich-von-Kleist-Parks in Achsenbeziehung zum Kammergericht wiederaufgebaut.

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Quellen: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Berliner Morgenpost, Landesdenkmalamt Berlin, Planungsbüro Henningsen

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