Die Planungen zur Verlängerung der U8 ins Märkische Viertel nehmen weiter Gestalt an. Eine Vorzugsvariante wurde festgelegt und erste Wirtschaftlichkeitsberechnungen liegen vor. Dennoch bleibt das Projekt politisch umstritten.

Märkisches Viertel, Luftaufnahme

Die geplante Verlängerung der U8 soll die das Märkische Viertel künftig besser an das U Bahn Netz anbinden, steht jedoch wegen Fragen zur Wirtschaftlichkeit und zur Einhaltung der Landeshaushaltsordnung in der Kritik. / © Foto: Wikimedia Commons, Olaf Tausch

© Titelbild: Wikimedia Commons, Srittau, CC BY-SA 4.0 

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Aktuell nehmen die Planungen für eine Verlängerung der U8 ins Märkische Viertel in Reinickendorf erneut Fahrt auf. Die rund 50.000 Bewohner der Großsiedlung warten bereits seit den 1960er Jahren auf eine direkte U-Bahn-Anbindung.

Bis heute erfolgt die Erschließung dort vor allem über Busse. Inzwischen wurde eine Grundlagenuntersuchung abgeschlossen, derzeit prüft der Senat die Ergebnisse gemeinsam mit der BVG.

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Planungen im Märkischen Viertel: Variante mit vier Stationen wird favorisiert

Im Rahmen der Grundlagenuntersuchung prüften die Planer insgesamt neun Trassenvarianten. Dabei setzte sich die Variante 5b als Vorzugsvariante durch, weil sie die höchste Erschließungswirkung aller untersuchten Optionen erreicht. Nur für diese Variante führten die Gutachter eine vollständige Nutzen-Kosten-Untersuchung durch, alle anderen Varianten schieden nach einer qualitativen Bewertung aus.

Die geplante Strecke ist demnach rund 2,8 Kilometer lang und umfasst vier neue Stationen. Zudem sieht die Planung eine Aufstellanlage vor.

Wirtschaftlichkeit der U8-Verlängerung ab Wittenau: Nutzen nur knapp über dem Grenzwert

Die Nutzen-Kosten-Untersuchung ergibt einen Indikator zwischen 1,06 und 1,07, je nach Betriebskonzept. Das Projekt gilt damit formal als förderwürdig, bewegt sich jedoch nur knapp oberhalb der entscheidenden Schwelle von 1,0. Gleichzeitig sind die Kosten zuletzt erheblich gestiegen: Laut Tagesspiegel werden inzwischen rund 560 Millionen Euro veranschlagt, nachdem 2024 noch 329 Millionen Euro genannt wurden.

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Als Ursache nennt die Senatsverwaltung eine durchschnittliche jährliche Baukostensteigerung. Da dieser Trend anhält, könnten die Kosten weiter steigen und damit die ohnehin knappe Wirtschaftlichkeit zusätzlich unter Druck geraten.

Fahrgastzahlen der U8-Verlängerung: Mehr Fahrgäste, aber unter den Zielwerten

Für den Abschnitt zwischen Wittenau und dem Märkischen Zentrum prognostiziert die BVG rund 34.000 Fahrgäste pro Werktag. Am Endpunkt Senftenberger Ring sinkt die erwartete Nachfrage auf lediglich 9.700 Fahrgäste täglich.

Zusätzlich soll die Verlängerung rund 18.000 weitere Fahrgäste auf dem Bestandsnetz zwischen Rathaus Reinickendorf und Wittenau gewinnen. Dennoch liegen alle Prognosewerte weit unter dem Richtwert des Nahverkehrsplans, der für eine U-Bahn rund 60.000 Fahrgäste pro Werktag vorsieht.

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Struktur des Märkischen Viertels: Zweifel an Nutzen der U8-Verlängerung

Kritik kommt vor allem aus der Opposition. Vertreterinnen der Grünen kritisieren das Vorhaben deutlich. Sie argumentieren, die Wirtschaftlichkeit sei zu knapp und das Projekt politisch motiviert sowie schöngerechnet.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Das Märkische Viertel ist sehr weitläufig angelegt, sodass die U-Bahn nicht alle Wohnbereiche direkt erschließen kann. Man benötigt weiterhin Busse im Quartier.

Zeitplan für die Verlängerung ins Märkisches Viertel: Fertigstellung frühestens um das Jahr 2040

Die Planungsphasen allein dauern nach HOAI rund zwölf Jahre, hinzu kommt eine mindestens vierjährige Gewährleistungsphase. Das Planfeststellungsverfahren soll im Dezember 2027 eingereicht werden, ein Beschluss wird für Ende 2029 erwartet. Ein konkreter Spatenstich steht noch nicht fest, eine Fertigstellung ist realistisch betrachtet frühestens um 2040 möglich.

Das Projekt hat unbestreitbar einen verkehrlichen Nutzen und könnte eine seit Jahrzehnten bestehende Lücke im Berliner U-Bahn-Netz schließen. Ob die hohen Investitionskosten angesichts begrenzter Fahrgastzahlen und einer weitläufigen Siedlungsstruktur gerechtfertigt sind, bleibt jedoch offen.

U8 Wittenau
Märkisches Zentrum
Treuenbrietzener Str. / Dannenwalder Weg
Wesendorfer Str.
Senftenberger Ring

Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, BVG, Der Tagesspiegel

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6 Kommentare

  1. Franz 1. April 2026 at 09:43 - Reply

    Klar ist: das,wird niemals billiger. Die Frage ist: wie lange will die Berliner Politik 50.000 Menschen noch hinhalten? Die Entscheidungshilfe für den Senat lautet: Es sind Wahlen dieses Jahr. Und der Senat wollte ein „Macher“ sein.

  2. Chris Da 1. April 2026 at 13:56 - Reply

    Berlin wächst. Der ÖPNV muss auch wachsen.

    U-Bahnen sind teuer, aber sehr effizient und effektiv bei sehr geringen Flächenverbrauch. Dazu besteht hohes Automatisierungspotenzial. Daher ist gezielte Verlängerung oder Neubau von U-Bahnen sinnvoll.

    Wenn nicht nur eine reinen Kosten-Nutzen-Analyse gemacht wird, sondern eine Nutzwertanalyse mit gewichtetem Einbezug nicht-monetärer Faktoren fällt das Ergebniss deutlich positiv aus.
    Allein die Anbindung von 50.000 Menschen an die U-Bahn, die damit eher auf ÖPNV umsteigen und damit den privaten Autoverkehr inkl. Abgase und Lärm sowie Flächenverbrauch reduzieren, lässt das Ergebnis positiv ausfallen.

  3. Jan 2. April 2026 at 09:30 - Reply

    Wirtschaftlichkeitsprognosen sind die größte Farce. Will die Stadt zukunftsfähig werden, muss der ÖPNV ausgebaut werden, auch über die Stadtgrenzen hinaus. Die Metropolregion Berlin wird weiter wachsen, so dass jetzt erhobene Fahrgastzahlen eben nur eine Momentaufnahme sind. Leider sind die Positionen in den verantwortlichen Senatsverwaltungen/Ministerien Berlins und Brandenburg fehlbesetzt.

  4. Suppe 2. April 2026 at 14:10 - Reply

    „Kritik kommt vor allem aus der Opposition. Vertreterinnen der Grünen kritisieren das Vorhaben deutlich.“

    Bin ja den Grünen wohl gesonnen, aber es ist peinlich, wie oft sie beim Wohnungsbau oder ÖPNV-Ausbau querschießen.

    Es ist aber bedenklich, dass man hier von 2040 spricht. Warum bekommen wir es in Deutschland nicht auch mal innerhalb von 6 Jahren hin.

  5. Martina 3. April 2026 at 11:25 - Reply

    Dieser ÖPNV Ausbau ist dringend notwendig. Sobald die U-Bahn da ist, werden die Zahlen der Nutzer steigen. Vielen werden mit Bus oder Fahrrad zur U-Bahn fahren und dann mit dieser weiter. Definitiv effizienter als die jetzigen langen Wege. Das gesamte Viertel wird zum wohnen und leben attraktiver. Gerade für mobilitätseingeschränkte Menschen als auch auf ÖPNV angewiesen Menschen (z.B. Aufgrund finanzieller Lage) ist die U-Bahn eine wesentliche Verbesserung.
    PKW-Individualverkehr und -parken wird reduziert. Weniger Staus. Freiwerdende Flächen können für Spielplätzen, Grünflächen und ähnliches genutzt werden.
    Diese indirekten Faktoren sollten ebenfalls bedacht werden.

  6. ouyawei 15. April 2026 at 18:01 - Reply

    > Das Märkische Viertel ist sehr weitläufig angelegt, sodass die U-Bahn nicht alle Wohnbereiche direkt erschließen kann.

    Hier wäre es doch sinnvoll, zusammen mit der U-Bahn Erweiterung auch eine Nachverdichtung um die geplanten Stationen herum zu planen. So würde zusätzlich neuer Wohnraum geschaffen.

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