Schönefeld könnte zum Zentrum einer möglichen Weltausstellung in der Hauptstadtregion werden. Berlins Bürgermeister Kai Wegner wirbt für den Flughafenstandort als Motor für Infrastruktur, Innovation und die Zusammenarbeit mit Brandenburg. Dort werden schon heute mehrere Großprojekte geplant, die durch eine EXPO wohl stark beschleunigt werden könnten.

Mögliche Entwicklung rund um das Terminal 5: Eine EXPO in Schönefeld könnte Infrastruktur, Mobilität und die Zusammenarbeit mit Brandenburg neu ordnen, die Gespräche dazu laufen. / © Visualisierung: FABRICations
© Visualisierung Titelbild: COBE Berlin
Nachdem Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner am vergangenen Mittwoch in seiner gut halbstündigen Rede auf dem IHK-Kongress „Weltmetropole Berlin – Internationale Perspektiven für Stadtentwicklung und Mobilität“ zum Ende hin sein Prioritätsthema Olympische und Paralympische Spiele in Berlin behandelte, kam er unmittelbar danach auf die EXPO 2035 in Berlin zu sprechen.
Da dieses Thema von der Wirtschaft favorisiert wird, geht es nun darum, ein dafür geeignetes Areal auszuwählen. Bisher wurde über die Berliner Standorte des früheren Flughafens Tegel, den Cleantech-Park in Marzahn und das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof diskutiert. Wegner aber brachte den Standort Schönefeld sicher ganz bewusst ins Spiel, um eine mögliche gemeinsame Bewerbung mit dem Land Brandenburg zu forcieren.
Schönefeld: EXPO 2035 als Katalysator für geplante Standortentwicklungen?
ENTWICKLUNGSSTADT berichtete bereits im Dezember 2023 über erste Ideen hinsichtlich der Neugestaltung des alten Schönefelder Flughafengebäudes, auch bekannt als Terminal 5, das mittlerweile als Ersatz- oder Ausweichstandort für eventuelle Kapazitätsüberschreitungen vom Netz abgekoppelt wurde.
Damals hatten drei Architekturbüros ihre Entwürfe für die Neuentwicklung des alten Flughafengebäudes eingereicht. Am Standort soll ein Forschungs- und Veranstaltungsareal oder ein Raum für kulturellen Austausch entstehen.
Forschung, Kultur und Veranstaltungen rund um das ehemalige Terminal 5 in Schönefeld?
Die Ergebnisse dieses Ideenwettbewerbs sollten eine Grundlage für die weitere städtebauliche Entwicklung des 37 Hektar großen Areals bilden, auf dem in den kommenden Jahren step by step ein innovatives und zukunftsfähiges Quartier entwickelt werden soll.
Ein weiteres, von der Flughafengesellschaft des BER entwickeltes Projekt sollte fußläufig nordöstlich der Terminals 1 und 2 entstehen. Hier soll ein Quartier mit einer dichten Mischbebauung aus Gewerbe, Wohnen und Kultur entstehen, also keine reine Bürostadt. Der Name des Vorhabens: „HORIZN„. Bislang ist auf diesem weitläufigen Gelände mit Parkplätzen und Rasenflächen aber nichts weiter passiert, genauso wenig am Terminal 5.

Eines von mehreren Projekten rund um den BER: Das Gewerbeprojekt „HORIZN“ soll unmittelbar am Flughafen entstehen, doch bislang gibt es auf der Fläche nur eine große Wiese. / © Visualisierung: Flughafen Berlin Brandenburg GmbH
Metropolregion Berlin-Brandenburg: Wegner bringt Standort Schönefeld für EXPO 2035 ins Spiel
Nachdem Wegner in seiner IHK-Rede über die Strahlkraft des Standortes Adlershof als „Silicon Valley“ Deutschlands parlierte, das alte Flughafengelände Tegel als „Urban Tech Republic“ mit genügend Potenzial für eine EXPO-Ausstellung anpries, wo zeitnah aber endlich die Hochschule für Wirtschaft und Technik einziehen soll, kam er dann auf Schönefeld als möglichen und exponiertesten EXPO-Standort zu sprechen.
Hintergrund dieser Überlegungen ist sicher die Absicht, die Region Berlin-Brandenburg als „Metropolregion“ zu entwickeln. Wegner sieht in der Metropolregion großes Potenzial, um Berlin als Weltmetropole zu stabilisieren und weiterzuentwickeln – und Berlin müsste ein solches Mammutprojekt nicht allein stemmen. Rund um den BER liegen große Flächen brach, und außerdem sei er mit dem Ministerpräsidenten Brandenburgs, Dietmar Woidke, im Gespräch, um eine gemeinsame Bewerbung zu prüfen, so Wegner.
Gemeinsame EXPO-Bewerbung von Berlin und Brandenburg? Gespräch in Potsdamer Staatskanzlei
Der wusste zwar davon noch nichts, aber sein Wirtschaftsministerium bestätigte, dass ein Gespräch mit Berlins Regierendem Bürgermeister in der Potsdamer Staatskanzlei anberaumt sei, um die gemeinsame Bewerbung für die EXPO 2035 zu erörtern, immerhin.
Die geplanten Gespräche um eine EXPO in Schönefeld befeuern natürlich auch die Flughafengemeinde Schönefeld. Eine Weltausstellung in Schönefeld würde dringend erforderliche und die oben beschriebenen Infrastrukturprojekte voranbringen und mutmaßlich deutlich beschleunigen.
Neuer Anschub für Schönefeld, finanzstärkste Gemeinde Brandenburgs
Wegners Vorschlag, eine mögliche EXPO 2035 in unmittelbarer Nähe des Hauptstadtflughafens anzusiedeln, geschieht sicher mit der Gewissheit, dass die Flughafenregion über enormes Wachstumspotenzial für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Entwicklung verfügt.
Dazu nannte er bereits beim IHK-Kongress am vergangenen Mittwoch Zukunftsprojekte für den Ausbau einer dringend erforderlichen Mobilitätsinfrastruktur. Die Verlängerung der U7 von Rudow bis zum BER und der Ausbau des Schienenverkehrs der Ostbahn gehören dazu.
Weiterer Ausbau der Verkehrsinfrastruktur im „Boom-Korridor Südost“?
Aber auch die Schönefelder haben großes Interesse am Bau weiterer Regionalbahn-Haltepunkte, an neuen Autobahnanschlussstellen, an der Entlastung der B96a über die Jürgen-Schumann-Allee und an der Anbindung des Projekts „Neocity Dahmestadt“ mit der Straßenbahn.
Abschließend betonte Kai Wegner in der vergangenen Woche nachdrücklich, dass Berlin seine Chance mit solchen Großereignissen nutzen müsse. Auch die umliegenden Bundesländer Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen hätten ihm ihre Unterstützung zugesagt, denn schließlich profitierten auch sie von der Strahlkraft der deutschen Hauptstadt.
Gemeinsame Bewerbung zur Erhöhung der Wirtschaftskraft? EXPO-Debatte geht in entscheidende Phase
Laut einer Studie könnte die Wirtschaftskraft der Hauptstadtregion drastisch erhöht werden, wenn beide Bundesländer stärker gemeinsam auf Innovation setzen. Derzeit demonstrieren die Regierungschefs Einigkeit.
Die Klarheit, mit der Kai Wegner seinen eingeschlagenen Weg in Richtung Brandenburg formuliert hat, deutet auf einen Bewusstseinswandel im Roten Rathaus hin. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Wandel ernsthaft und nachhaltig ist und künftig weiter ausgebaut wird. Das Momentum jedenfalls scheint derzeit für die Initiatoren des EXPO-Projekts zu sprechen.

Neue Ideen für einen alten Flughafen: Kann eine gemeinsame Bewerbung von Berlin und Brandenburg für eine EXPO 2035 diese Pläne voranbringen? / © Visualisierung: MLA+
Quellen: IHK Berlin, Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Deutsches Architektur Forum, MLA+, FABRICations, COBE Berlin
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Ich kann nur hoffen, dass es Tempelhof wird. Was soll dieser unsägliche Schönefeld-Unfug! Jetzt hat man endlich einen Grund und ein Werkzeug, die ewige Problemkuh Tempelhof vom Eis zu bekommen und tritt aber mit so einer Nummer plötzlich auf die Platte… Ha, das alles wahrscheinlich nur, um jemanden mit ins Boot zu holen, der die Party zur Hälfte bezahlt… So etwas ähnliches kennen wir ja schon im ganz ganz Kleinen mit dem Neptunbrunnen in Alex-Nähe. Anstatt ihn an seinen Originalplatz umzusetzen, wo er nun mal hingehört, soll am selbigen Platz ein modernes Teil gebaut werden, um aber dafür im Gegenzug das Original in seiner jetzigen modernen Gegend stehen zu lassen… Obwohl schon längst die Bereitschaft da ist, besagten Vorgang auch mit Spenden zu finanzieren, um den Steuerzahler in Ruhe zu lassen, beharrt man trotzdem auf diesen ausgemachten Schmarrn. Was Wunder, dass Menschen die Politik nicht mehr für voll nehmen und nur noch das Gefühl haben, von entrückten Individuen regiert bzw. bevormundet zu werden. Ob das nochmal ein Ende nimmt?