Auf dem ehemaligen AEG-Areal am Humboldthain sollen künftig bis zu 8.000 Arbeitsplätze entstehen. Die Grünen-Fraktion in Berlin-Mitte bringt nun eine neue Debatte ins Rollen und fordert, das Projekt um bezahlbaren Wohnraum zu ergänzen. Könnte so aus dem Gewerbestandort ein lebendiges Stadtquartier werden? Die Debatte könnte weit über Gesundbrunnen hinaus Bedeutung haben.

Ein aktueller Blick auf das Areal des ehemaligen AEG-Werks in Berlin-Gesundbrunnen im Juni 2026.

Das Areal am Humboldthain wird derzeit schrittweise zurückgebaut, um ein Gewerbequartier mit rund 234.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche zu ermöglichen. Die Grünen-Fraktion im Bezirk Mitte schlägt nun vor, das Projekt durch Wohnraum zu ergänzen, statt auf eine rein gewerbliche Nutzung zu setzen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Visualisierung Titelbild: Coros

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Auf dem ehemaligen AEG-Areal am Humboldthain in Berlin-Gesundbrunnen soll in den kommenden Jahren eines der größten neuen Gewerbequartiere der Hauptstadt entstehen. Die rund acht Jahre alten Planungen sehen derzeit vor, das rund 80.000 Quadratmeter große Areal zu einem modernen Innovations- und Gewerbestandort mit mehreren Gebäuden, öffentlichen Freiräumen und Platz für bis zu 8.000 Arbeitsplätze zu entwickeln.

Doch aus der Bezirkspolitik kommt nun ein Vorstoß, das Projekt noch einmal grundlegend weiterzudenken. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in Berlin-Mitte regt an, die bislang vorgesehene rein gewerbliche Nutzung um Wohnungsbau zu ergänzen und das Quartier als gemischt genutzten Stadtbaustein weiterzuentwickeln. Erster Fürsprecher dieses Vorschlags ist Grünen-Bezirksverordneter Tarek Massalme.

Großprojekt am Humboldthain soll Standort für Innovation und Arbeit werden

Mit dem geplanten Quartier am Humboldthain soll ein bislang weitgehend abgeschottetes Industrieareal neu geordnet und für die Stadt geöffnet werden. Geplant sind moderne Büro- und Gewerbeflächen, Forschungs- und Entwicklungsstandorte sowie öffentliche Wege- und Freiraumverbindungen.

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Der Standort profitiert von seiner zentralen Lage zwischen Humboldthain, Brunnenviertel und dem Bahnhof Gesundbrunnen. Durch die Entwicklung soll ein neuer Schwerpunkt für technologieorientierte Unternehmen und innovative Arbeitsplätze entstehen.

Die Planungen knüpfen dabei an die industrielle Geschichte des Standorts an. Das ehemalige AEG-Areal zählt zu den traditionsreichsten Industriestandorten Berlins und wurde über Jahrzehnte von produzierendem Gewerbe geprägt.

Quartier am Humboldthain

So stellen sich die Projektinitiatoren die Umsetzung des neuen Gewerbequartiers am Humboldthain vor. / © Visualisierung Titelbild: Coros

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Humboldthain: Tarek Massalme bringt Wohnungsbau als Ergänzung ins Gespräch

Nach Ansicht des Grünen-Bezirksverordneten (und Architekten) Tarek Massalme sollte die Entwicklung jedoch nicht ausschließlich auf Arbeitsplätze ausgerichtet werden. Er schlägt vor, die bestehenden Planungen um Wohnnutzungen zu ergänzen und damit ein lebendigeres Quartier zu schaffen.

Massalme argumentiert, dass reine Büro- und Gewerbestandorte außerhalb der Arbeitszeiten häufig deutlich an Urbanität verlieren. Eine Mischung aus Arbeiten, Wohnen, Gastronomie, Einzelhandel und weiteren quartiersbezogenen Nutzungen könne dagegen dazu beitragen, dass das Gebiet auch in den Abendstunden belebt bleibt.

„Wer nur Gewerbeflächen fordert, verbaut Chancen am Wirtschaftsstandort Humboldthain. Ein Teil der bald 8.000 dort arbeitenden Menschen werden genauso wie andere auch vor Ort leben und Zeit verbringen wollen. Gerade unsere Mittelständler wünschen sich einen lebendigen Kiez, der über reine Büroräume hinausgeht. Davon würden auch die Bewohner des Brunnenviertels profitieren, wenn neben Gewerbeflächen auch Wohnen, Einzelhandel und Kultur entstehen. Ich erwarte von den Entwicklern und der Wirtschaftsverwaltung, dass sie auf diese Erfordernisse im Rahmen der weiteren Entwicklung eingehen.“

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Tarek Massalme, Bündnis 90/Die Grünen

Brunnenviertel: Sorge vor zusätzlichem Druck auf den Wohnungsmarkt

Dabei verweist er auch auf die angespannte Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt. Zusätzliche Wohnungen könnten seiner Einschätzung nach insbesondere das benachbarte Brunnenviertel entlasten. Denkbar seien sowohl bezahlbare Mietwohnungen als auch Werkswohnungen für Beschäftigte der künftig ansässigen Unternehmen.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Auswirkungen der geplanten Arbeitsplätze auf die Umgebung. Sollten tatsächlich mehrere Tausend Menschen künftig am Standort beschäftigt sein, könnte dies den Druck auf den ohnehin angespannten Wohnungsmarkt im Umfeld zusätzlich erhöhen.

Entwicklungsort Humboldthain: Mehr bezahlbarer Wohnraum in innerstädtischer Lage?

Massalme sieht deshalb die Gefahr, dass Arbeitsplätze und Wohnraum räumlich immer stärker auseinanderfallen. Gerade in innerstädtischen Lagen werde es zunehmend wichtiger, Wohnen und Arbeiten gemeinsam zu denken, um Pendelverkehre zu reduzieren und lebenswerte Stadtquartiere zu schaffen.

Zugleich verweist er auf die Entwicklung des Berliner Büroimmobilienmarktes. In verschiedenen Teilen der Stadt stehen inzwischen größere Gewerbeflächen leer oder werden nur eingeschränkt nachgefragt. Vor diesem Hintergrund erscheine es sinnvoll, frühzeitig über flexiblere Nutzungsmodelle nachzudenken.

„Gleich neben dem Quartier am Humboldthain auf der anderen Straßenseite schiebt das Stadtplanungsamt über öffentliche Gelder Maßnahmen im Brunnenviertel an, um Straßen und Plätze zukünftig attraktiver zu gestalten. Das begrüße ich. Mir ist aber schleierhaft, weshalb das Amt für Stadtentwicklung trotz der Hinweise durch den Ausschuss für Stadtentwicklung in Mitte, den Einfluss des zukünftigen Wirtschaftsquartiers für das Brunnenviertel in die Untersuchung überhaupt nicht einbezogen hat. Da soll das größte Wirtschaftsquartier von Berlin mitten im Kiez entstehen und niemand hat sich im Amt Gedanken dazu gemacht, was auf der anderen Straßenseite passieren soll.“

Tarek Massalme

Entscheidung liegt bei Investor und Berliner Senat

Ob die Idee einer Mischnutzung tatsächlich umgesetzt werden kann, ist derzeit offen. Die bestehenden Planungen sind auf einen Gewerbestandort ausgerichtet, entsprechende Änderungen würden umfangreiche Abstimmungen zwischen Investor, Bezirk und Berliner Senat erfordern.

Für Massalme bietet das Projekt jedoch die Chance, ein zukunftsfähiges Stadtquartier zu entwickeln, das nicht nur Arbeitsplätze schafft, sondern auch zusätzlichen Wohnraum, neue Angebote für Gastronomie und Einzelhandel sowie eine stärkere Einbindung in die umliegenden Kieze ermöglicht.

Die Diskussion berührt damit eine grundsätzliche Frage der Berliner Stadtentwicklung: Wie können große Entwicklungsareale künftig so gestaltet werden, dass sie sowohl wirtschaftliche Dynamik ermöglichen als auch einen Beitrag zur Entlastung des Wohnungsmarktes und zu lebendigen, gemischt genutzten Stadtquartieren leisten?

Unser Podcast-Gespräch mit Tarek Massalme aus dem Dezember 2025 könnt Ihr hier nachhören

 

Quartier am Humboldthain

Wird das Gewerbeprojekt unweit des Bahnhofs Gesundbrunnen um zusätzliche Wohnflächen ergänzt? Grünen-Politiker Tarek Massalme wirbt aktuell für seinen Vorschlag. / © Visualisierung: Coros

Ein Blick auf das ehemalige AEG-Areal in Berlin-Gesundbrunnen im Juni 2026.

Auf dem ehemaligen AEG-Areal in Gesundbrunnen hat der Rückbau begonnen, um Platz für das künftige „Quartier am Humboldthain“ mit Büro-, Labor- und Produktionsflächen zu schaffen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: Der Tagesspiegel, COROS, visit Berlin, Technologiepark-Humboldthain, Architekturbüro Cobe, Austausch mit Tarek Massalme (Bündnis 90/Die Grünen)

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