Ob Union, Hertha, BFC Dynamo, der SV Lichtenberg 47 oder Alba Berlin: Groß und klein träumen von neuen oder zumindest modernisierten Spielstätten. Doch die Realität zwischen Verkehrsgutachten, Standortsuche und Geldnot sieht oft ernüchternd aus. ENTWICKLUNGSSTADT zeigt fünf Stadionprojekte und ihren schwierigen Weg zur Realisierung.

Künftig Berlins drittgrößte Arena? So soll der Neubau des Stadions im Friedrich-Ludwig-Jahnsportpark von innen aussehen. Die neue Arena entsteht nach einem Entwurf des Büros O+M Architekten GmbH, doch gegen das Projekt gibt es noch immer Widerstand. / © Visualisierung: O+M Architekten GmbH

© Foto Titelbild: IMAGO

ANZEIGE

 

An unterschiedlichen Stellen der Hauptstadt arbeiten Bezirke und Vereine an neuen Stadionprojekten, in ganz unterschiedlichem Ausmaß. Während die zwei „Großen“, der 1. FC Union Berlin und Hertha BSC, vom Aus- oder Neubau ihrer Fußballstadien träumen, gibt es darüber hinaus noch weitere, kleinere Projekte, die ganz unterschiedlich ausgestaltet sind. Gemeinsam haben alle Projekte jedoch eines: es ist schwierig.

Das seit Sonntagabend sehr präsente Projekt des geplanten Ausbaus der Alten Försterei in Köpenick, vorangetrieben vom 1. FC Union, kann wohl sinnbildlich für die schwierige Rolle der Bezirke sowie des Berliner Senats stehen, wenn es darum geht, neue Infrastrukturen für den zum Teil sehr erfolgreichen Berliner Spitzen- und Breitensport zu schaffen.

ANZEIGE

Sechs solcher vergleichbaren Vorhaben gibt es derzeit in Berlin, wirklich schnell voran kommt keines davon – die Gegebenheiten gleichen sich. ENTWICKLUNGSSTADT gibt einen Überblick.

40.000 Fans, aber kein Verkehrskonzept? Union muss beim Stadionausbau umdenken

© Visualisierung: 1. FC Union Berlin

Der Traum vom Stadionausbau an der Alten Försterei erhält einen herben Dämpfer: Der Berliner Senat lehnt das Verkehrskonzept offenbar ab und zwingt Union Berlin zum Umdenken, nach fast einem Jahrzehnt Planungsphase. Nun liegt ein Kompromissvorschlag mit reduzierter Kapazität auf dem Tisch, doch die Zukunft des Projekts ist ungewiss.

ANZEIGE

Für den 1. FC Union, der in der kommenden Saison eigentlich mit dem Stadion-Umbau beginnen wollte (einhergehend mit einem vorübergehenden Umzug des Herrenteams in das Berliner Olympiastadion), kommt diese Zurückweisung durch den Berliner Senat zur Unzeit. Zumal die Köpenicker das ambitionierte Projekt durch den Verkauf von Stadion-Aktien an seine Anhänger mitfinanzieren möchte.

Im Raum steht nun ein Kompromissvorschlag, um das Projekt nicht vollständig scheitern zu lassen. Demnach soll der Verein proaktiv vorgeschlagen haben, die Kapazität auf 34.000 zu senken. Die geplanten Tribünen würden dabei genauso gebaut werden wie geplant, nur würden mehr Sitz- statt Stehplätze realisiert werden.

Dieser Vorschlag könnte auch eine Interimslösung sein, wie derzeit kolportiert wird. Die Einnahmen und damit auch die zugrunde liegende Wirtschaftlichkeitsberechnung blieben auf diese Weise unverändert. Sobald sich die Verkehrsinfrastruktur in Köpenick verbessert hat, will der Verein entscheiden, ob wieder zusätzliche Stehplätze zugelassen werden oder ob es – angesichts einer möglichen höheren Nachfrage nach Sitzplätzen – dauerhaft bei der Kapazität von 34.500 Besuchern bleiben soll.

Mehr zu diesem Thema könnt Ihr hier lesen

Hertha will mehr Plätze: Entscheidung über neues Stadion (mal wieder) vertagt

© Visualisierung: ENTWICKLUNGSSTADT / Image Generator von ChatGPT (basierend auf DALL·E)

 

Die endgültige Entscheidung über den passenden Standort für den geplanten Stadion-Neubau von Hertha BSC ist von der Expertenkommission bereits mehrfach verschoben worden. Grund dafür ist auch, dass Zweitligist Hertha BSC eine höhere Kapazität für das neue Stadion fordert. Nun soll geprüft werden, ob der mittlerweile favorisierte Standort an der Jesse-Owens-Allee für den Bau eines Stadions mit 50.000 Plätzen ausreicht.

Für diesen neuerlichen Standort sind aber offenbar weitere Prüfungen nötig. Ähnlich wie zuvor am Lindeneck wird das Gelände an der Jesse-Owens-Allee von einem Reitverein genutzt. Der Reitclub am Olympiapark hatte sich zunächst öffentlich gegen die Stadionpläne gestellt, insbesondere weil die Vereinsleitung erst auf Umwegen davon erfuhr. Mittlerweile befinden sich allerdings der Reitverein, der Senat und Hertha BSC in intensiven und offenen Gesprächen, wie es heißt.

Der finanziell klamme Fußball-Zweitligist Hertha BSC verfolgt seine Stadionpläne bereits seit 2017, wollte 2025 im eigenen Stadion spielen, doch der Berliner Senat hat die Pläne lange Zeit nicht unterstützt, aus Angst, seinen größten Ankermieter im Olympiastadion zu verlieren. Mit Innensenatorin Spranger hat der Verein nun aber eine Förderin des Projekts, doch es geht nur in kleinen Schritten voran.

Mehr dazu gibt es hier

Pankows komplexes Langzeit-Stadionprojekt: Modernisierung des Jahnsportparks in Prenzlauer Berg

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Ein weiteres Stadion-Langzeitprojekt ist in Prenzlauer Berg zu finden. Der Berliner Senat hat hier immerhin schon den Bebauungsplan für den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark an der Schönhauser Allee beschlossen, nach einem Jahrzehnt Vorlaufzeit. Damit rückt der umstrittene Stadionneubau näher, aber steigende Kosten, Umweltkonflikte, unzufriedene Anwohner und laufende Abrissarbeiten mit Asbestrisiken erschweren das Projekt zunehmend.

Die Kosten für das Gesamtprojekt sind inzwischen auf 263,4 Millionen Euro gestiegen – ein Vielfaches der ursprünglich veranschlagten Summe. Um unter der 300-Millionen-Euro-Grenze zu bleiben, wurde das Vorhaben in einzelnen Punkten reduziert. Der Baubeginn ist nach jetzigem Stand für 2026 vorgesehen. Das Stadion soll bis 2028, der gesamte Sportpark bis 2030 fertiggestellt werden.

Zwei der vier Flutlichtmasten des alten Stadions sollen im Herbst 2025 gesprengt werden, obwohl sich das Stadion mitten in einem dicht besiedelten Gebiet befindet. Die übrigen beiden Masten sollen versetzt und in das neue Areal integriert werden. Der Zeitpunkt der Sprengung liegt voraussichtlich zwischen dem dritten und vierten Quartal 2025. Kritiker fordern, die Masten als bauliche Zeugnisse der DDR-Zeit zu erhalten.

Mit „RESTART JSP“ präsentiert die Berliner „Bürgerinitiative Jahnsportpark“ derweil eine grünere, bedarfsgerechte Alternative zur umstrittenen Neugestaltung des Jahnsportparks in Prenzlauer Berg. Ziel ist, den kürzlich beschlossenen Bebauungsplan noch einmal signifikant anzupassen, doch dafür braucht es die Gesprächsbereitschaft des Berliner Senats.

Mehr dazu könnt Ihr hier lesen

Mühsames Ringen in Hohenschönhausen: Der BFC Dynamo und der Wunsch nach einem neuen Fußballstadion

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Noch deutlich schwieriger als in Prenzlauer Berg geht es etwas weiter östlich, in Alt-Hohenschönhausen voran. Das Stadion im Sportforum Berlin sollte mit geplanten Modernisierungen fit für die 3. Liga gemacht werden, so steht es im Berliner Koalitionsvertrag. Für den BFC Dynamo wäre es ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Professionalisierung des Vereins. Eine Machbarkeitsstudie schlug im Januar 2025 aber einen vollständigen Neubau vor. Kostenpunkt: 94 Millionen Euro. Beim BFC Dynamo lösten diese neuen Planungen allerdings keine Begeisterung aus.

Insbesondere das kurzfristige Ziel des Vereins, bereits zur Saison 2025/26 auf ein drittligataugliches Stadion zurückgreifen zu können, stehe im Widerspruch zur langfristigen Entwicklung des Sportforums. Der nun vom Senat geplante Neubau scheint aus Sicht des Vereins – vor dem Hintergrund klammer Landeskassen und eines noch fehlenden Zeitplans – wenig Aussicht auf eine zeitnahe Realisierung zu haben.

Für Drittligaspiele müssen Stadien diverse Anforderungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erfüllen, darunter Flutlichtanlage, Rasenheizung, Sicherheitskonzepte und eine Kapazität von mindestens 5.000 Plätzen, davon 2.000 Sitzplätze. Der Senat legte jedoch für die Machbarkeitsstudie die nicht verpflichtende DFB-Empfehlung zugrunde, ein Stadion mit über 10.000 Plätzen zu planen. So berichtete Barbara Düring vom Planungsbüro Proprojekt, das gemeinsam mit AS+P das Gutachten erstellt hat, im Sportausschuss.

Dass das Projekt Teil des aktuellen Koalitionsvertrags ist, darf für den aktuellen Viertligisten aus Lichtenberg schon als Erfolg gezählt worden, viel mehr jedoch hat sich beim Projekt in Alt-Hohenschönhausen bislang nicht getan.

Mehr dazu könnt Ihr hier lesen

Zwischen Vorwürfen und Fristen in Lichtenberg: Wer rettet das Tribünendach im Zoschke-Stadion?

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Die Diskussion um das neue Tribünendach im Hans-Zoschke-Stadion spitzt sich zu. Während Fördermittel in Höhe von 500.000 Euro zu verfallen drohen, geraten Verein und Bezirk zunehmend aneinander. Der SV Lichtenberg 47 sieht die Politik in der Pflicht, die Zeit drängt.

Der SV Lichtenberg 47, mit immerhin 700 Mitgliedern nur in der Fußballabteilung, war 2023 aus der Regionalliga abgestiegen und spielt seitdem in der NOFV-Oberliga Nord. Die auf der Westtribüne des Stadions installierte Dach-Hilfskonstruktion bietet nur einer geringen Anzahl von Zuschauern tatsächlichen Schutz vor Wind, Regen und Sonne. Seit dem Jahr 2021 bemüht sich der Verein um ein neues Tribünendach, das sicher auch eine der Voraussetzungen bei einem eventuellen Aufstieg in die Regionalliga erfüllen dürfte.

Die Finanzen für dieses Projekt standen bereits 2021 zur Verfügung; Fördergelder in Höhe von einer halbe Million Euro aus dem ehemaligen DDR-Vermögen des POM (Parteien- und Massenorganisationen), die zweck- und fristgebunden vergeben werden.

Dem Tagesspiegel gegenüber äußerte sich die Bezirksstadträtin, dass die Studie bereits Anfang 2025 beauftragt wurde und in diesem Sommer mit einem Ergebnis zu rechnen sei. Das Fatale an dieser Situation ist aber weiterhin, dass die PMO-Mittel nur bis Ende 2025 verfügbar sind und bis Jahresende verbraucht sein müssen. Dem Zeitplan der Bezirksstadträtin Schuler zufolge, kann der Baubeginn im Jahr 2025 nicht mehr erfolgen, was den vollständigen Verfall der Fördersumme von 500.000 Euro zur Folge hätte. Während Verein, Bezirk und Berliner Senat weiter nach einer Lösung suchen, läuft die Zeit für die Realisierung des Projekts ab.

Hier gibt es noch mehr Infos dazu

Neubau oder Umbau? Alba Berlin sucht eine neue Basketball-Arena

© Visualisierung Basketball-Arena: depositphotos.com

Gemeinsamen mit dem Eishockey-Team Eisbären Berlin gehört Basketball-Bundesligist Alba Berlin zu den großen sportlichen Attraktionen in der Uber-Arena am Berliner Ostbahnhof. Beide Mannschaften gehören zu den absoluten Spitzenteams in ihren Ligen und gewinnen regelmäßig große Titel.

Dem Hallenbetreiber der Halle, dies ist die US-amerikanische Anschutz Group, scheint dies jedoch nicht auszureichen. Schon seit 2022 gibt es konkrete Pläne, den laufenden Mietvertrag mit Alba Berlin nicht zu verlängern. Derzeit wird der Mietvertrag mit Alba Berlin nach einer Intervention von Innensenatorin Iris Spranger nur noch jährlich verlängert, immerhin. Allerdings ist offen, wie lange dies so weitergehen wird.

Daher wurde schon im vergangenen Jahr der Neubau einer zusätzlichen Spielstätte für Alba Berlin diskutiert. Geprüft wurde, ob ein Umbau der Max-Schmeling-Halle oder des Velodroms eine mögliche Alternative wären, auch ein Hallen-Neubau auf dem Gelände des Jahnsportparks (Prenzlauer Berg) oder dem Grundstück der Sömmering-Sporthalle (derzeit Heimat von Albas Frauenteam) stehen im Raum, aber wirklich konkret ist bislang keiner dieser Vorstöße geworden. Alba sucht weiter, und ist vorerst in der Arena in Friedrichshain nur noch geduldet.

Mehr dazu könnt Ihr hier lesen

 

Olympiapark
Alte Försterei
Sportforum Hohenschönhausen
Jahnsportpark
Mommsenstadion
HOWOGE-Arena Hans Zoschke

Quellen: SV Lichtenberg 47, Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, 1. FC Union Berlin, BFC Dynamo, Bezirksamt Lichtenberg, Hertha BSC, Tennis Borussia Berlin, Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.