Ein neuer Kulturort auf der Spree, zwei Museen, historische Schiffe und Gastronomie: Der Grenzhafen könnte zu einer außergewöhnlichen Berliner Attraktion werden. Doch nach jahrelanger Planung gerät das Projekt wegen 30 Fahrradstellplätzen und eines barrierefreien Pkw-Stellplatzes ins Stocken.

Direkt am historischen Grenzsteg soll der Grenzhafen in Alt-Treptow neue öffentlich nutzbare Bereiche am Wasser schaffen. Die Planung verbindet den denkmalgeschützten Bestand mit neuen Gebäuden und Steganlagen. / © Visualisierung: Wilk Salinas Architekten, XOIO
© Titelbild: Grenzhafen Berlin / Wilk Salinas Architekten / XOIO
Am früheren Grenzsteg in der Spree soll einer der ungewöhnlichsten neuen Kulturorte Berlins entstehen. Nach einem langen Planungsprozess nahm der Grenzhafen zuletzt konkrete Formen an. Doch ausgerechnet auf dem Weg zur Genehmigung gibt es nun neue Probleme. Dabei geht es nicht um Denkmalschutz oder Schiffsverkehr, sondern um Stellplätze an Land.
- Bezirk: Treptow-Köpenick
- Adresse: Grenzsteg an der Spree, Höhe Eichenstraße/Stralauer Allee
- Projekt: Grenz- und Museumshafen Berlin
- Projektstatus: Planung und Abstimmung mit den zuständigen Behörden

Aus der Vogelperspektive wird die Dimension des geplanten Grenzhafens in Alt-Treptow deutlich. Das Konzept nutzt den historischen Grenzsteg auf der Spree und ergänzt ihn um neue Gebäude, Stege und Liegeplätze. / © Visualisierung: Wilk Salinas Architekten, XOIO
Die Ausgangslage schien zuletzt vielversprechend. Im Sommer 2025 endete das Werkstattverfahren für den Grenzhafen Berlin mit einer Architekturentscheidung. Wilk Salinas Architekten sollten ihren Entwurf weiterentwickeln. Seitdem laufen detaillierte Abstimmungen mit mehreren Fachstellen. Dazu gehören unter anderem das Bezirksamt Treptow-Köpenick, Denkmalschutzstellen sowie weitere für Wasser, Verkehr und Genehmigung zuständige Behörden.
Dass die Abstimmung kompliziert ist, liegt auch an der ungewöhnlichen Lage. Der Grenzhafen soll überwiegend auf beziehungsweise an der Spree entstehen. Der historische Zoll- und Grenzsteg selbst steht unter Denkmalschutz.
Das Berliner Landesdenkmalamt beschreibt ihn als letzten materiellen Rest der früher zahlreichen Wassersperren der Berliner Mauer. Der erhaltene Stahlbetonsteg ist rund 480 Meter lang; hinzu kommt ein etwa 55 Meter langer Zugangssteg am Südufer.

Auch Gastronomie gehört zum Konzept für den Grenzhafen in Alt-Treptow. Die Visualisierung zeigt den geplanten Innenbereich mit großen Glasflächen und direktem Blick auf die Spree. / © Visualisierung: Wilk Salinas Architekten, XOIO
Grenzhafen-Projekt in Alt-Treptow: 30 Fahrradstellplätze werden zum Problem
Nach Informationen von ENTWICKLUNGSSTADT verlangt das Bezirksamt im laufenden Abstimmungsprozess nun den Nachweis von 30 Fahrradstellplätzen. Genau das stellt die Planer vor ein räumliches Problem.
Auf dem Wasser lassen sich die verlangten Plätze nicht sinnvoll herstellen. Auf der Straße wäre eine Unterbringung nach Angaben aus dem Projektumfeld grundsätzlich möglich, diese Lösung findet beim Bezirk derzeit jedoch keine Zustimmung.
Berliner Bauordnung als Stolperstein für ein mögliches Kultur- und Freizeitprojekt auf der Spree
Die Forderung selbst kommt nicht aus dem Nichts. Paragraf 49 der Berliner Bauordnung schreibt bei Anlagen, die Fahrradverkehr erwarten lassen, Fahrradabstellplätze in ausreichender Zahl vor. Die Berliner Ausführungsvorschriften nennen dafür je nach Nutzung unterschiedliche Richtwerte.
Bei Museen und Ausstellungsgebäuden richtet sich die Zahl beispielsweise nach der Ausstellungsfläche, bei Gastronomie nach den Sitzplätzen. Die konkrete Forderung von 30 Plätzen ergibt sich somit aus der vorgesehenen Nutzung und der behördlichen Bewertung des Projekts.
Barrierefreier Stellplatz: Bezirk lehnt Kompromissvorschlag der Projektverantwortlichen ab
Noch komplizierter ist die Frage der Barrierefreiheit. Zusätzlich muss nach aktuellem Stand ein Stellplatz für Menschen mit schwerer Gehbehinderung oder Rollstuhlnutzende nachgewiesen werden.
Die Bauordnung erlaubt einen solchen Stellplatz auch auf einem geeigneten Grundstück in zumutbarer Entfernung. Allerdings muss dessen Nutzung öffentlich-rechtlich gesichert sein. Genau an dieser Stelle liegt das nächste Problem.

Im Grenzhafen in Alt-Treptow sind auch Ausstellungsflächen vorgesehen. Große Glasfronten öffnen den geplanten Museumsbereich zur Spree und zum historischen Grenzsteg. / © Visualisierung: Wilk Salinas Architekten, XOIO
Behindertenstellplatz für Grenzhafen muss dauerhaft gesichert sein
Nach Informationen von ENTWICKLUNGSSTADT könnte ein solcher Stellplatz auf einem benachbarten Grundstück eingerichtet werden. Die Behörde verlangt dafür jedoch eine Baulast beziehungsweise eine entsprechende öffentlich-rechtliche Sicherung.
Damit müsste ein fremder Grundstückseigentümer die Nutzung seines Grundstücks dauerhaft rechtlich absichern. Eine entsprechende Bereitschaft besteht nach aktuellem Stand nicht, was wenig verwunderlich ist.
Droht das gesamte Grenzhafen-Projekt an fehlenden Stellplätzen zu scheitern?
Damit geht es inzwischen um weit mehr als die Frage, wo einige Stellplätze eingezeichnet werden können. Ohne eine genehmigungsfähige Lösung für diese Anforderungen kann das gesamte Vorhaben nicht wie vorgesehen weitergeführt werden.
Eine endgültige Ablehnung durch den Bezirk gibt es, bislang jedenfalls, noch nicht. Die Abstimmungen laufen weiter, und damit bleibt auch offen, ob Planer und Verwaltung noch einen rechtlich tragfähigen Kompromiss finden.

So könnte der Grenzhafen in Alt-Treptow am Abend wirken: Die Visualisierung zeigt das gesamte Areal mit Museumshafen, Liegeplätzen, neuen Gebäuden und dem langen historischen Grenzsteg auf der Spree. / © Visualisierung: Wilk Salinas Architekten, XOIO
Grenzhafen soll Museum, Marina und Gastronomie verbinden
Dabei reicht die Geschichte des Vorhabens weit zurück. Nach Angaben des Bezirksamts gab es bereits lange vor dem heutigen Grenzhafen Pläne für einen Museumshafen. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt startete 2012 ein Interessenbekundungsverfahren. Schon damals gehörten die denkmalgerechte Einbindung des Grenzstegs und die Genehmigungsfähigkeit zu den entscheidenden Kriterien.
Das heutige Konzept geht deutlich darüber hinaus. Vorgesehen sind zwei museale Angebote, der historische Grenzsteg, ein Museumshafen mit historischen Schiffen, ein Anleger für Fahrgastschiffe, eine Marina, ein Bootshaus, Gastronomie und ein Rooftop-Bereich.
Trotz stagnierendem Tourismus: Senat und Bezirk zeigen nur wenig Interesse am Grenzhafen-Projekt
Damit soll zwischen Arena Berlin und Osthafen ein neuer Kultur- und Freizeitort entstehen, der die Geschichte der Berliner Teilung mit der Geschichte der Binnenschifffahrt verbindet. Das Interesse von Berliner Senat und Bezirk Treptow-Köpenick an einem so ambitionierten Projekt scheint erstaunlicherweise sehr gering zu sein, vor allem vor dem Hintergrund stagnierender Tourismus-Zahlen.
Ob der Grenzhafen in Alt-Treptow tatsächlich an den Stellplatzfragen scheitert, ist derzeit offen. Fest steht jedoch: Nach jahrelanger Vorbereitung und der bereits erfolgten Architekturentscheidung hängt der weitere Weg nun auch davon ab, ob für 30 Fahrräder und einen barrierefreien Stellplatz eine Lösung gefunden wird.
Grenzhafen Berlin
Quellen: Grenzhafen Berlin GmbH, Bezirksamt Treptow-Köpenick, Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick, Landesdenkmalamt Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag
2 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.



Da man jetzt nicht wirklich Infos hat, kann man fast nichts dazu sagen, außer dass man sich schwerlich vorstellen kann, dass auf dieser großen Wasserfläche ein zusätzlicher Ponton für 30 Fahrräder nicht möglich sein soll…???…
Wann Fahrradsteuer?