In den Goerz-Höfen in Berlin-Friedenau werden der historische Stahlturmaufsatz und ein markanter Lastenkran denkmalgerecht instandgesetzt. Die Maßnahme wird durch Fördermittel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützt und soll das technische Erbe eines bedeutenden Industrieareals dauerhaft sichern.

Der 1914 errichtete Stahlturmaufsatz auf dem Gebäude 3 der Goerz-Höfe wird derzeit denkmalgerecht saniert. / © Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
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Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert die Instandsetzung eines wichtigen Industriedenkmals im Berliner Stadtteil Friedenau. Mit 50.000 Euro sollen in den Goerz-Höfen sowohl der historische Stahlturmaufsatz als auch der dazugehörige Lastenkran gesichert werden.
Die Mittel stammen aus Spenden und den Erträgen der Lotterie GlücksSpirale. Durch die Maßnahme wird ein prägnantes technisches Bauwerk erhalten, das Teil des unter Denkmalschutz stehenden Ensembles der Goerz-Höfe ist.
Technisches Denkmal in Friedenau: Turm und Kran spiegeln industrielle Nutzung des Standorts
Der Stahlturm wurde 1914 als Erweiterung auf das bestehende Gebäude gesetzt und diente ursprünglich der präzisen Justierung militärischer Fernoptiken. Der dafür notwendige Bau war nur durch eine Sondergenehmigung möglich, da die Aufstockung damalige Baugrenzen überschritt.
Die Bedeutung für den Kriegseinsatz rechtfertigte jedoch die bauliche Ausnahme. Der Lastenkran, der über die Dachkante hinausragt, blieb über Jahrzehnte erhalten und erinnert an die produktionsorientierte Geschichte des Areals.
Stahlkonstruktion mit Charakter: Grüne Schutzfarbe betont die technische Struktur
Die Konstruktion besteht aus viergeschossigen Stahlrahmen auf einer Fläche von rund 300 Quadratmetern. Eine Plattform auf dem Dach ergänzt die Aufstockung. Der verbaute Stahl ist nicht verkleidet, sondern bleibt bewusst sichtbar.
Ein grüner Korrosionsschutz hebt die Struktur farblich hervor und trägt dazu bei, den industriellen Ursprung des Turms gestalterisch zu betonen. Durch die Sanierung wird das Tragwerk langfristig gesichert, ohne die historische Anmutung zu verlieren.
Historischer Hintergrund des Industriebaus: Die Goerz-Höfe als Symbol Berliner Industriegeschichte
Die Goerz-Höfe entstanden zwischen 1899 und 1915 und wurden ursprünglich von der Firma C. P. Goerz errichtet, die sich auf feinmechanische und optische Geräte spezialisierte. Während des Ersten Weltkriegs stellte das Unternehmen unter anderem Zielfernrohre, Ferngläser und U-Boot-Periskope her.
Der Betrieb zählte zeitweise rund 12.000 Beschäftigte. Nach dem Ende des Krieges verlor Goerz infolge des Versailler Vertrags viele Aufträge und geriet in wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1926 ging das Unternehmen in die Zeiss Ikon AG über.
Architektur mit Bedeutung: Märkische Backsteingotik und funktionale Bauformen prägen das Ensemble
Der architektonische Stil der Goerz-Höfe ist durch die märkische Backsteingotik gekennzeichnet. Besonders auffällig sind die reich gegliederten Fassaden, die großzügigen Fensterflächen und die dekorativen Elemente aus Sichtmauerwerk. Ergänzt wurde die Anlage durch Verwaltungsgebäude, Werkstätten und ein verglastes Observatorium. Der 31 Meter hohe Stahlturm mit seiner auffälligen Silhouette ist bis heute ein identitätsstiftendes Element der Anlage.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte man die Gebäude zeitweise als Rathaus und später als Lager während der Berliner Luftbrücke. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Höfe durch das Familienunternehmen Becker und Kries denkmalgerecht restauriert und modernisiert. Die aktuelle Sanierung reiht sich in diese Entwicklung ein und soll dazu beitragen, den denkmalgeschützten Bestand zu erhalten und weiter nutzbar zu machen.
Kreativität im ehemaligen Fabrikkomplex: Heute arbeiten hier Agenturen, Architekten und Designer
Der Wandel von der industriellen Produktion zur gewerblichen und kulturellen Nutzung begann in den 1970er Jahren. Seitdem haben sich die Goerz-Höfe zu einem vielseitig genutzten Gewerbeareal entwickelt.
Heute arbeiten hier Kreativschaffende aus Architektur, Medien, Theater und Design. Auf rund 21.000 Quadratmetern befinden sich 71 Gewerbeeinheiten und eine Wohneinheit. Auch Kulturveranstaltungen und Studioarbeiten finden in den historischen Räumen statt.

Der denkmalgeschützte Stahlturm wird mit Hilfe von Fördermitteln saniert, um seine tragende Struktur und historische Funktion dauerhaft zu sichern. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

In den historischen Gebäuden arbeiten heute Architekturbüros, Medienunternehmen und Kreative: Die Goerz-Höfe verbinden Industriegeschichte mit Gegenwart. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Goerz-Höfe, Gazette Berlin
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