Der Görlitzer Park ist nach einer Gerichtsentscheidung vorerst wieder nachts geöffnet. Neue Zahlen zeigen nun, wie sich die Kriminalität während der umstrittenen Schließung entwickelt hat.

Zwischenzeitlich war der Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg nachts durch einen Zaun mit 16 Eingängen geschlossen. Nun liegen neue Zahlen dazu vor, wie sich die Kriminalität während des Pilotprojekts entwickelt hat. / © Foto ENTWICKLUNGSSTADT
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Der Zaun steht noch, geschlossen wird der Görlitzer Park nachts derzeit trotzdem nicht. Nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Berlin muss der Park vorerst rund um die Uhr geöffnet bleiben. Der Senat will das nicht hinnehmen und hat Beschwerde eingelegt. Während juristisch also weiter um die Schließung gestritten wird, liegen inzwischen neue Zahlen zur Kriminalitätsentwicklung während des Pilotprojekts vor.
Die nächtliche Schließung war von Beginn an umstritten. Der Senat begründete sie vor allem mit der Sicherheitslage und dem Ziel, Kriminalität und Drogenhandel im Park einzudämmen. Kritiker bezweifelten dagegen, dass sich die Probleme mit einem Zaun lösen lassen. Befürchtet wurde insbesondere, dass sich der Drogenhandel und damit verbundene Straftaten in die umliegenden Kieze verlagern könnten.
Zaun um den „Görli“: Weniger Straftaten direkt im Park
Die nun vorgelegte Polizeistatistik zeigt für den Görlitzer Park selbst zunächst einen Rückgang. Zwischen März und Mai 2026 wurden dort 260 Straftaten registriert. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 281 Fälle. Das entspricht einem Rückgang von rund 7,5 Prozent. Auch die Zahl der im Park registrierten Straftaten im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln ging zurück.
Ein eindeutiger Erfolg der nächtlichen Schließung lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Betrachtet man den gesamten kriminalitätsbelasteten Ort Görlitzer Park/Wrangelkiez, fällt der Unterschied deutlich kleiner aus: 2026 wurden zwischen März und Mai insgesamt 1.237 Straftaten erfasst, 2025 waren es 1.245. Die Gesamtzahl blieb damit nahezu konstant.
Nächtliche Parkschließung: Mehr Straftaten in umliegenden Gebieten
Interessant ist deshalb auch der Blick über den Park hinaus. Im übrigen Teil des kriminalitätsbelasteten Ortes stieg die Zahl der registrierten Straftaten leicht von 964 auf 977. In den weiter gefassten Vergleichsgebieten rund um den Görlitzer Park fiel der Anstieg deutlicher aus: Dort wurden 2026 insgesamt 2.581 Straftaten registriert, nach 2.125 im Vorjahr.
Ob darin tatsächlich eine Verlagerung von Kriminalität infolge der nächtlichen Schließung zu erkennen ist, beantwortet die Statistik jedoch nicht. Der Senat verweist auf die noch ausstehende wissenschaftliche Evaluation. Diese sollte unter anderem die objektive und subjektive Sicherheitslage im Park und im angrenzenden Wrangel- und Reichenberger Kiez untersuchen.
Die geplante Untersuchung ist nach der Gerichtsentscheidung vorerst unterbrochen. Damit bleibt auch nach der ersten statistischen Bilanz offen, wie stark die nächtliche Schließung tatsächlich zur Entwicklung der Kriminalität beigetragen hat. Der Park ist vorerst wieder offen – der Streit um den Zaun und seine Wirkung geht jedoch weiter.
Görlitzer Park
Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19 / 26 825, Schriftliche Anfrage, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, SPD Fraktion Berlin, Görli zaunfrei!
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