Die marode U-Bahn-Brücke am Gleisdreieck muss ersetzt werden. Doch Änderungen beim Baumschutz kosten die BVG weitere Monate im Verfahren.

Die marode U-Bahn-Brücke der BVG führt am Gleisdreieck über den Westpark. Der geplante Ersatzneubau verzögert sich durch Änderungen im laufenden Planverfahren. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: depositphotos.com
Die BVG muss zwei marode U-Bahn-Brücken am Gleisdreieck ersetzen. Doch bevor der erste Stahlträger abgebaut werden kann, beschäftigt sich die Planung inzwischen auch mit einzelnen Bäumen, Vogelarten und einem schmalen Weg durch die Baustelle. Der jüngste Änderungsantrag zeigt, warum sich das Vorhaben erneut verzögert.
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Ort: U-Bahnhof Gleisdreieck
- Projektstatus: Planfeststellungsverfahren läuft
- Baubeginn: ursprünglich für 2028 vorgesehen, aktueller Termin offen
Die Lage ist seit Jahren bekannt. Bei einer Prüfung im Juli 2016 stellten Fachleute gravierende Schäden an der Stahlkonstruktion von Bauwerk XII fest. Der Zustand wurde mit 3,9 bewertet – ein Zehntel schlechter und die Brücke müsste sofort gesperrt werden.
Seitdem fahren die Züge langsamer über die Konstruktion. Die BVG plant deshalb einen vollständigen Ersatz des Viadukts sowie der angrenzenden Dennewitzbrücke. Beide Bauwerke gehören zur Hochbahnstrecke der heutigen U1 und U3.
Das Problem liegt vor allem in der alten Bauweise. Beim Viadukt wurden Stahlbleche vernietet. Zwischen den Blechen konnte Feuchtigkeit eindringen, wodurch sich Korrosion in schwer zugänglichen Bereichen bildete. Auch die Standsicherheit spielt inzwischen eine zentrale Rolle.
BVG ändert die Planung am Gleisdreieck nach Einwendungen
2021 sollte ursprünglich der Bau beginnen. Es gab Verzögerungen, mehrfach. Im Herbst 2025 begann dann endlich das öffentliche Verfahren. Die Unterlagen lagen aus, anschließend konnten Einwendungen eingereicht werden. Die offizielle UVP-Dokumentation nannte für das Gesamtvorhaben 15 Baumfällungen sowie 10.720 Quadratmeter offene Fläche, die zeitweise für die Baustelle genutzt werden sollten. Doch die großen Eingriffe in den Park führten erwartbar zu weiteren Abstimmungen.
Dabei rückten besonders die Bäume in den Mittelpunkt. Bereits im April 2026 hielt der Nutzerbeirat des Parks fest, dass Grün Berlin gemeinsam mit einem Fachunternehmen mögliche Großbaumverpflanzungen prüfte. Ziel sei es gewesen, Schäden an den Flächen gering zu halten und Bäume innerhalb der geplanten Baustelleneinrichtung möglichst zu erhalten. Die verpflanzten Bäume sollen anschließend dauerhaft an ihren neuen Standorten bleiben.
Nach Angaben des Tagesspiegels reichte die BVG schließlich am 1. Juli 2026 einen geänderten Antrag ein. In dem überarbeiteten Teil der Planung sollen nun sechs statt acht Bäume gefällt werden. Gleichzeitig steigt die Zahl der vorgesehenen Großbaumverpflanzungen von vier auf sechs.

Blick von der U-Bahn-Brücke auf den Park am Gleisdreieck./ © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Neue U-Bahn-Brücke soll auch den Lärm im Park verringern
Doch der Änderungsantrag umfasst auch weitere Details. So soll ein Schutzweg für Besucherinnen und Besucher unterhalb der Brücke künftig 1,80 Meter breit sein. Außerdem sieht die Planung Unterschottermatten vor, die den Schall des U-Bahn-Verkehrs mindern sollen. Selbst die artenschutzrechtlichen Angaben wurden korrigiert: In einem betroffenen Bereich wurde Ringeltaube statt Stieglitz eingetragen.
Diese Punkte mögen im Einzelnen geringfügig erscheinen, erschweren jedoch die Einhaltung des Zeitplans. Frühere Unterlagen sahen Arbeiten ab 2028 und eine Inbetriebnahme im Juni 2030 vor. Nach der erneuten Änderung des Antrags gilt dieser Ablauf jedoch nicht mehr als gesichert. Bevor gebaut werden kann, muss die zuständige Senatsverwaltung das Verfahren abschließen. Ein neuer verbindlicher Baubeginn wurde bislang nicht bekanntgegeben. Die erneuten Verzögerungen werfen das Vorhaben also wieder um Monate zurück.
BVG: Marode U-Bahn-Brücke am Gleisdreieck
Quellen: Tagesspiegel, Berliner Morgenpost, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Berliner Verkehrsbetriebe
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag
One Comment
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.



6 Spatzen im Jahnpark, 2 Bäume am Gleisdreieck… ich geh am Stock. Ich will ja nun wirklich nicht chinesische Verhältnisse. Es soll halten, vor allem statisch, nicht sämtliche Grundrechte der Menschen missachten à la „wir reißen jetzt mal eben einen ganzen Stadtteil ohne Vorwarnung ab“ und natürlich sollen nicht ganze Wälder gerodet und Naturgebiete beliebig vernichtet werden. Das Ganze muss ja nun nicht in 4 Tagen stehen, das erwartet keiner und eine gewisse vernünftige Planung, die solchen Sachen grundsätzliche Beachtung schenkt, muss natürlich sein. Wir sind schließlich ein Rechtsstaat und der Klimawandel ist real.
Aber es kann doch einfach nicht sein, dass Infrastrukturprojekte für eine MILLIONEN-Stadt, die teilweise hunderte Millionen Euro (!) kosten oder was weiß ich wie viele Passagiere im Verkehr mitten in der Innenstadt transportieren wegen 2 Bäumen (!!!) oder sechs Spatzenpaaren oder ein paar mutwillig von Linksextremen angesiedelten Kröten Monate oder Jahre lang brach liegen oder verzögert werden und durch Inflation dadurch Millionen und Abermillionen verschlingen!
Wir können ja grundsätzlich über alles reden und uns alles einmal anhören, aber ab einem gewissen Punkt muss eine gewisse Verhältnismäßigkeit und eine Prise Pragmatismus Einzug halten und Sachen auch mal – vorbehaltlich unvorhersehbarer Maßnahmen wie Bombenfunden oder so – einfach gegen gewisse Widerstände durchgesetzt werden.
Es kann doch nicht sein, dass in unserer Politik in vielen Bereichen – aber vor allem im sozialen sowie im Bau- und Infrastruktur-Bereich – permanent ein paar einzelne Schneeflöckchen Projekte nach Belieben sabotieren dürfen, die einer Vielzahl von Bürgern zu gute kommen würden.
Demokratie soll eigentlich die Herrschaft der Mehrheit heißen, nicht die der Minderheiten. Das heißt ja nicht, dass wir die nicht auch berücksichtigen sollen, aber von ihnen umherschubsen lassen?