Das Projekt „Urbane Mitte“ am Gleisdreieck wird künftig vom Berliner Senat gesteuert. Nachdem die Planungen über Jahre ins Stocken geraten waren, entzieht das Land Berlin dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die Zuständigkeit und erklärt das Vorhaben zur stadtpolitischen Angelegenheit.

Visualisierung des geplanten Stadtquartiers „Urbane Mitte“ in Berlin Friedrichshain Kreuzberg: Sieben neue Gebäude sollen an der Schnittstelle zwischen Park und Verkehrsknotenpunkt entstehen und eine Mischung aus Büros, Kultur und Gewerbe bieten. / © Visualisierung: O&O Baukunst / Realace GmbH
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Am 15. Juli 2025 hat der Berliner Senat offiziell beschlossen, die Entwicklung der Urbanen Mitte selbst in die Hand zu nehmen. Die Fläche rund um den U-Bahnhof Gleisdreieck soll künftig als Gebiet von außergewöhnlicher stadtpolitischer Bedeutung gelten. Damit liegt die Verantwortung für Bebauungspläne nicht länger beim Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, sondern bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen.
Diese Entscheidung erfolgte auf Vorlage von Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD), der zuvor den Rat der Bürgermeister in den Prozess eingebunden hatte. Grundlage für das Vorgehen ist das Gesetz zur Ausführung des Baugesetzbuches, das eine solche Einstufung in besonderen Fällen ermöglicht.
Verlagerung der Zuständigkeit: Die Senatsverwaltung übernimmt die Planung vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg
Bereits im Sommer 2024 hatte der Senat einen Teil der Planung übernommen, nachdem der Bezirk Aufforderungen zur weiteren Bearbeitung nicht nachgekommen war. Die aktuelle Entscheidung bezieht sich nun auch auf die restlichen Flächen der Urbanen Mitte, insbesondere den nördlichen Abschnitt.
Der Bezirk hatte angekündigt, die Arbeit am Bebauungsplan frühestens ab 2027 wieder aufzunehmen. Als Begründung wurde auf offene Fragen zur künftigen S-Bahn-Trasse verwiesen. Der Senat sieht darin jedoch eine Verzögerung, die das Projekt insgesamt gefährdet.
Ziel der Quartiersentwicklung: Urbane Mitte soll ein innerstädtisches Zentrum für Arbeiten und Freizeit werden
Die Entwicklung der Urbanen Mitte geht auf einen Rahmenvertrag aus dem Jahr 2005 zurück. Damals legte Berlin die städtebaulichen Grundlagen für vier Baufelder fest, die rund um den Park am Gleisdreieck entstehen sollten. Drei davon wurden bereits bebaut. Die Urbane Mitte bildet das letzte und bisher unentwickelte Areal.
Der Senat verfolgt das Ziel, hier ein urbanes Quartier mit einer zukunftsfähigen Nutzungsmischung zu realisieren. Vorgesehen sind Büroflächen, Einzelhandel, soziale Einrichtungen und Angebote für Kultur, Sport und Freizeit. Wohnen wird geprüft, steht aber nicht im Vordergrund.
Rahmenbedingungen der Bebauung und verkehrliche Anbindung am Gleisdreieck: Das ist geplant
Geplant sind sieben Gebäude mit Höhen zwischen 25 und 90 Metern. Sie sollen sich nördlich um die U-Bahnstation Gleisdreieck gruppieren und sich südlich entlang der S-Bahntrasse erstrecken. Das gesamte Baugebiet umfasst rund 34.000 Quadratmeter, auf denen etwa 119.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche entstehen sollen. Teil des Konzepts ist auch die Umnutzung von rund 8.000 Quadratmetern in historischen U-Bahn-Viadukten, die als Markthalle oder sogenannte Marketplace genutzt werden könnten. Etwa 3.000 Menschen sollen hier in Zukunft arbeiten.
Der U-Bahnhof Gleisdreieck ist bereits heute ein wichtiger Umsteigepunkt mit mehreren Linien. Zusätzlich soll die geplante S-Bahnlinie S 21 in Zukunft durch das Gebiet führen und dort einen neuen Halt erhalten. Die Verbindung würde das Quartier an Westhafen, Hauptbahnhof, Potsdamer Platz und Yorckstraße anbinden. Diese überregionale Anbindung ist ein zentraler Bestandteil des Stadtentwicklungsplans Mobilität und Verkehr. Sie soll dazu beitragen, das Quartier langfristig als Knotenpunkt im Berliner Verkehrsnetz zu stärken.
Rückblick auf den Planungsprozess: Bürgerbeteiligung und öffentliche Kritik begleiten das Projekt seit Jahren
Bereits ab 2015 hatte es ein Beteiligungsverfahren mit Bürger- und Fachwerkstätten gegeben. Dennoch äußerten sich über die Jahre viele Initiativen kritisch. Insgesamt vierzehn Gruppen lehnen das Projekt in der aktuellen Form ab. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Dimension des Bauvorhabens und die Versiegelung wertvoller Freiflächen. Gegner befürchten eine Übernutzung des Parks sowie stadtklimatische Probleme angesichts zunehmender Sommerhitze.
Zwischen der Senatsverwaltung und dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten. Besonders strittig war die Frage, ob der Bezirk die Planungen aktiv weiterverfolgt oder ausbremst. Senator Gaebler kritisierte öffentlich, dass das Land Berlin als Vertragspartner zunehmend an Glaubwürdigkeit verliere, wenn vertraglich vereinbarte Prozesse nicht eingehalten würden. Die Übernahme der Planungsverantwortung sei aus seiner Sicht notwendig geworden.
Kritik aus der Stadtgesellschaft: Initiativen warnen vor Übernutzung des Parks und fehlender Klimaanpassung
Die Initiativen kritisieren, dass auf einer der letzten großen Innenstadtflächen keine vorrangige Wohnnutzung vorgesehen ist. Außerdem halten sie das geplante Hochhausensemble in Zeiten von Homeoffice und Klimaanpassung für aus der Zeit gefallen.
Auf öffentlichen Veranstaltungen und in Anwohnerdialogen wurde regelmäßig auf die Herausforderungen des Mikroklimas, den Rückgang von Grünflächen und die mangelnde Regenwasserspeicherung hingewiesen. Auch die Wirkung auf das Stadtbild wird hinterfragt.
Zentralisierung der Projektsteuerung: Der Senat will Planungssicherheit und zügige Umsetzung ermöglichen
Mit der offiziellen Einstufung als Gebiet mit stadtpolitischer Bedeutung möchte der Senat alle Planungen in einer Hand bündeln. Damit sollen Abstimmungen beschleunigt und das Quartier im Zusammenhang entwickelt werden. Ob dies gelingt, hängt nun auch davon ab, wie stark der neue Planungsprozess auf bestehende Kritik eingeht und wie die Umsetzung künftig kommuniziert wird. Der politische Konflikt mit dem Bezirk dürfte damit jedoch nicht endgültig gelöst sein.

Protest gegen das Bauvorhaben: Auch unter Anwohnerinnen und Anwohnern regt sich Widerstand gegen die geplanten Bürotürme am Park am Gleisdreieck, wie hier mit einem handgemachten Schild am Fahrrad deutlich wird. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Senatskanzlei, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Berliner Morgenpost, O&O Baukunst, Realace GmbH
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5 Kommentare
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Noch besser wäre, dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die gesamte Verwaltung zu entziehen.
Altbacken Spießig bitte Wohnungen bauen Büros raus aus der Stadt ,es wird immer heißer und haesslicher
Diese bis zu 90 m hohen Bürohochhäuser mitten im Gleisdreieckpark würden den Park verschatten und wären durch Versiegelung und Beton lokal und global maximal klimaschädlich. Berlin braucht Grünflächen und bezahlbare Wohnungen, aber keine Büros und keine fragwürdigen Spekulationsobjekte Luxemburger Fonds.
Das Abgeordnetenhaus darf den gigantomatischen Plänen des SPD-Bausenators nicht zustimmen! Stattdessen sind dort Grünflächen und normalhohe Wohnhäuser vorsehen!
Der Park soll ohnehin durch die geplante S 21 und ggf. die Stammbahn verkleinert werden.
An Dirk und all die „Besserwisser“: Das ist das klassische engstirnige Denken, welches Berlin weit zurück geworfen hat. Gäbe es Euch nicht, hätte wir tausende von Wohnungen am Tempelhofer Feld, mutige Investoren aus allen Erdteilen, einen Hauptstadtflughafen mit Direktverbindungen in die ganze Welt und viele, viele genehmigte Bauprojekte mehr … ich erinnere nur an das alte Postscheck-Amt, das imposante Hoachhaus-Gebäude an der Möckernbrücke, hier wurde durch die Politik Wohnungsbau verhindert und jetzt enstehen dort auf Wunsch des Kreuzberger Bezirks 10.000ende qm von Büroflächen. Am Gleisdreieck wird endlich Infrastruktur für die Zukunft geschaffen …. Und für alle, die sich nicht mal die Mühe machen, die Unterlagen „anzulesen“: Wohnungsbau ist um den U-Bahnhof Gleisdreieck auf Grund der Nähe zur U-Bahn VERBOTEN! Sonst hätte man es doch längst erwogen … Armes Berlin, was ist aus Dir geworden ….
Endlich, endlich, endlich. Kreuzberg- Friedrichshain hat schon viel zu lange destruktiv wirken dürfen… Nichts in Kreuzberg-Friedrichshain hat sich in den letzten Jahren zum Positiven hin verändert, aber im destruktiven Verhindern ist dieser Bezirk ganz großartig. Wurde auch Zeit, daß der Berliner Senat diesen unfähigen Bezirk entmachtet- wenigstens da, wo es möglich ist.