Industrie, Start-ups, Handwerk oder neue Gewerbestandorte: Der Berlin-Wahl-Check vergleicht die Konzepte von SPD, CDU, Grünen, Linken und AfD für Berlins künftige Arbeitsorte.

Das Bild zeigt eine Baustelle im CleanTech Business Park Marzahn mit Baukran und entstehendem Gewerbegebäude. Der Standort wird zu einem Zukunftsquartier für Unternehmen aus den Bereichen Produktion, Technologie und nachhaltige Industrie entwickelt.

Im CleanTech Business Park Marzahn entstehen neue Gewerbe- und Industrieflächen für technologieorientierte Unternehmen. Der Standort zählt zu den wichtigsten Entwicklungsflächen für Produktion und Innovation in Berlin. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Berlin wächst nicht nur als Wohnstadt. Auch Gewerbeflächen und Wirtschaftsstandorte in Berlin werden knapper. Unternehmen benötigen Flächen für Produktion, Forschung, Handwerk, Logistik und Dienstleistungen. Gleichzeitig geraten viele Gewerbestandorte unter Druck, weil Wohnungsbau und steigende Grundstückspreise den Wettbewerb um verfügbare Flächen verschärfen. Gerade innenstadtnahe Gewerbegebiete werden zunehmend für andere Nutzungen interessant. Zugleich verändern Digitalisierung, Energiewende und neue Technologien die Anforderungen an moderne Wirtschaftsstandorte.

Damit stellt sich eine grundlegende Frage der Stadtentwicklung: Wo sollen künftig Arbeitsplätze entstehen? Sollen bestehende Industrie- und Gewerbebetriebe dauerhaft gesichert werden, oder sollen gemischt genutzte Quartiere Wohnen und Arbeiten enger miteinander verbinden? Auch die Entwicklung großer Forschungs-, Industrie- und Mischstandorte wie die Urban Tech Republic in Tegel, CleanTech Marzahn oder Siemensstadt Square hängt von politischen Entscheidungen über Infrastruktur, Flächen und Investitionen ab.

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Die Parteien setzen dabei unterschiedliche Schwerpunkte. ENTWICKLUNGSSTADT vergleicht vor der Wahl die stadtentwicklungspolitischen Konzepte der fünf derzeit größten Parteien im Berliner Abgeordnetenhaus. Der achte Teil der Serie untersucht, wie CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und AfD Gewerbeflächen sichern, neue Wirtschaftsstandorte entwickeln und Berlin als Arbeits- und Wirtschaftsstandort stärken wollen.

SPD: So will die Partei Gewerbe und Zukunftsorte in Berlin stärken

Die SPD sieht eine starke Industrie, das Handwerk und innovative Unternehmen als Grundlage für Berlins wirtschaftliche Entwicklung. Das Wahlprogramm setzt auf Zukunftsbranchen wie Gesundheitswirtschaft, künstliche Intelligenz, DeepTech, Bahntechnik, autonome Mobilität sowie Umwelt- und Energietechnologien. Gleichzeitig soll die gemeinsame Innovationsstrategie mit Brandenburg weiterentwickelt werden. Als zentrale Zukunftsorte nennt die SPD die Urban Tech Republic in Tegel, Siemensstadt Square und den CleanTech Business Park Marzahn. Auch der ehemalige Flughafen Tempelhof und das Internationale Congress Centrum (ICC) sollen stärker für Wirtschaft, Forschung und Innovation genutzt werden. Zusätzliche Innovations-Hubs, mehr Ausgründungen aus Hochschulen und ein intensiverer Technologietransfer sollen die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Unternehmen stärken.

Zugleich will die SPD bestehende Betriebe vor Verdrängung schützen und bezahlbare Gewerbeflächen sichern. Dafür setzt sie auf gesetzliche Instrumente für bezahlbare Gewerbemieten sowie auf städtisch kontrollierte Grundstücke und Gebäude, auf denen neue Gewerberäume entstehen sollen. Bis zum Ende der kommenden Legislaturperiode kündigt die Partei außerdem drei weitere kommunale Gewerbehöfe an. Davon sollen insbesondere Handwerksbetriebe, urbane Produktion und junge Unternehmen profitieren.

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Während auf der einen Seite Hochhäuser wachsen, wird auf der anderen Seite die Infrastruktur für die neue S-Bahn-Verbindung komplett neu aufgebaut.

Wo einst Industriegeschichte geschrieben wurde, entsteht in „Siemensstadt Square“ derzeit ein milliardenschweres Zukunftsquartier. / © Siemens AG

CDU: Industrie, Gewerbeflächen und Start-ups fördern

Die CDU will Berlin als Wirtschafts- und Industriestandort gezielt weiterentwickeln. Bestehende Industrie- und Gewerbegebiete sollen dauerhaft gesichert und durch neue Gewerbestandorte ergänzt werden. Dafür will die Partei brachliegende Flächen stärker aktivieren, Bestandsgebäude für gewerbliche Nutzungen erschließen und ein Leerstandsmonitoring für Büro- und Gewerbeflächen einführen. Nicht genutzte landeseigene Immobilien sollen insbesondere Start-ups, Kreativunternehmen und kleinen Betrieben als Arbeitsorte zur Verfügung stehen. Gleichzeitig setzt die CDU auf schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, um Unternehmensansiedlungen und Betriebserweiterungen zu erleichtern.

Besondere Entwicklungschancen sieht die CDU in Zukunftsbranchen wie Pharma- und Medizintechnik, Umwelt- und Energietechnologien sowie Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft (DefTech). Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft soll ausgebaut, Ausgründungen aus Hochschulen erleichtert und der Zugang zu Wagniskapital verbessert werden. Handwerksbetriebe und mittelständische Unternehmen will die Partei unter anderem durch den Erhalt bezahlbarer Gewerbeflächen, vereinfachte Genehmigungen und Unterstützung bei Unternehmensnachfolgen stärken. Damit setzt die CDU auf eine Kombination aus Flächensicherung, Innovationsförderung und wirtschaftsfreundlichen Rahmenbedingungen.

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Grüne: Klimaneutrale Gewerbestandorte und bezahlbare Arbeitsräume

Die Grünen wollen Gewerbe, Handwerk, Industrie, Start-ups, Wissenschaft und Kreativwirtschaft dauerhaft in Berlin halten. Wirtschaftliche Entwicklung soll mit Klimaneutralität, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft verbunden werden. Unternehmen sollen bei der Umstellung auf klimafreundliche Technologien und erneuerbare Energien unterstützt werden. Als Zukunftsfelder nennt das Wahlprogramm unter anderem Digitalisierung, Forschung, Gesundheitswirtschaft, Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft.

Ein Schwerpunkt liegt auf bezahlbaren Gewerberäumen und wohnortnahen Standorten für Handwerks- und Reparaturbetriebe. Die Grünen wollen landeseigene Wohnungsunternehmen stärker in die Bereitstellung von Gewerberäumen einbinden, das Baulandmodell auf Gewerbeflächen ausweiten und verdrängungsgefährdete Betriebe besser schützen. Gleichzeitig sollen bessere Bedingungen für Betriebsgründungen, Unternehmensnachfolgen und die Meisterausbildung entstehen. Neue Quartiere sollen Wohnen, Arbeiten und klimafreundliche Mobilität verbinden, während Liefer- und Ladezonen, Mikrodepots sowie der stärkere Einsatz von Schiene und Wasserstraße den Wirtschaftsverkehr modernisieren sollen.

Architekturvisualisierung eines Campusplatzes mit roten Fluggastbrücken über einem gepflasterten Vorplatz. Mehrere Personen gehen zu Fuß oder mit dem Fahrrad über den Platz, im Hintergrund stehen moderne Glasgebäude, links ragt ein Baum ins Bild.

Der Umbau des Terminal A ist ein zentraler Baustein der Entwicklung von Berlin TXL, wo auf dem gesamten Flughafengelände ein Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien entsteht. / © Visualisierung: agn Niederberghaus & Partner GmbH

Die Linke: Gewerbeflächen öffentlich sichern und bezahlbar halten

Die Linke sieht bezahlbare Gewerbeflächen als zentrale Voraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung Berlins. Kleine und mittlere Unternehmen, Handwerksbetriebe und gemeinwohlorientierte Betriebe sollen vor Verdrängung geschützt werden. Dafür will die Partei weitere landeseigene und genossenschaftliche Gewerbehöfe schaffen. Die WISTA soll zusätzliches Kapital erhalten, um nach dem Pilotprojekt in Lichtenberg weitere „Gewerbehöfe 2.0“ zu entwickeln. Zudem will die Linke die öffentliche Bodenpolitik ausbauen und strategisch wichtige Grundstücke sichern, um Gewerbeflächen langfristig zu bezahlbaren Konditionen bereitzustellen.

Darüber hinaus fordert die Partei eine gesetzliche Begrenzung von Gewerbemieten, ein mehrjähriges Mietenmoratorium und Maßnahmen gegen spekulativen Leerstand von Gewerbeimmobilien. Das Handwerk soll durch bessere Bedingungen im Wirtschaftsverkehr, Unterstützung bei Unternehmensnachfolgen und Ausbildungsverbünde gestärkt werden. Gleichzeitig setzt die Linke auf einen sozial und ökologisch ausgerichteten Umbau der Berliner Industrie. Als Zukunftsbranchen nennt sie unter anderem die Informations- und Kommunikationstechnik, die Digital- und Kreativwirtschaft, die Gesundheitswirtschaft sowie die Energie- und Verkehrsindustrie.

AfD: Gewerbeflächen priorisieren und Hochtechnologie fördern

Die AfD will Berlin stärker als Industrie- und Hochtechnologiestandort profilieren. Das Programm nennt unter anderem Luft- und Raumfahrt, Gesundheitswirtschaft, Halbleitertechnik, künstliche Intelligenz, Robotik, 3D-Druck, Quantencomputing und IT-Sicherheit. Ein Gewerbeflächenkataster und ein aktiveres Standortmarketing sollen verfügbare Flächen sichtbar machen und Ansiedlungen erleichtern. Auf ausgewiesenen Gewerbeflächen soll die gewerbliche Nutzung Vorrang erhalten. Zugleich bekennt sich die Partei zur „Berliner Mischung“ aus Wohnen, Arbeiten und Leben, nennt dafür jedoch keine näheren städtebaulichen Instrumente.

Die Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner will die AfD zu einem digitalen One-Stop-Shop für Unternehmensgründungen und Investitionen ausbauen. Daneben fordert sie eine Senkung der Gewerbesteuer, den Abbau wirtschaftsbezogener Vorschriften und weitreichende Änderungen am Berliner Vergaberecht. Das Handwerk soll durch eine Meistergründungsprämie, erleichterte Betriebsübernahmen und eine stärkere berufliche Ausbildung unterstützt werden. Für Start-ups strebt die Partei eine engere Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Wirtschaft sowie einen zentralen Ort für das Berliner Start-up-Ökosystem an.

Wo Berlin künftig arbeitet, entscheidet auch über seine Stadtentwicklung

Die Sicherung von Gewerbe-, Industrie- und Handwerksflächen nimmt in allen Programmen einen unterschiedlichen, aber erkennbaren Stellenwert ein. Damit entscheidet die Berlin-Wahl 2026 auch darüber, wie sich die Hauptstadt als Wirtschaftsstandort weiterentwickelt.

Neben der Frage, wo Wohnungen gebaut werden, geht es darum, welche Flächen für Produktion, Handwerk, Forschung und Dienstleistungen erhalten bleiben. Entscheidend ist, ob Berlin bezahlbare Arbeitsorte in der gesamten Stadt sichern und zugleich neue Zukunftsstandorte entwickeln kann, ohne bestehende Betriebe durch steigende Bodenpreise und konkurrierende Nutzungen zu verdrängen.

 

Quellen: Wahlprogramme der SPD, CDU, Bündnis 90 / Die Grünen, Die Linken und AfD für die Berlin-Wahl 2026

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