Die TU Berlin muss ihr Hauptgebäude schließen, während auf dem Campus neue Forschungszentren entstehen. Der Fall zeigt den schwierigen Spagat zwischen Wachstum, Modernisierung und vernachlässigter Bestandssanierung.

An der TU Berlin ist das Hauptgebäude kurzfristig gesperrt worden, weil es über Jahre nicht saniert wurde. Gleichzeitig baut die TU Berlin neue Gebäude. / © Foto: TU Berlin / Christian Kielmann
© Titelbild: Wikimedia Commons, Gunnar Klack, CC BY-SA 4.0
Das Hauptgebäude der TU Berlin ist seit dem 9. Mai 2026 gesperrt. Die Universität reagierte damit auf erhebliche bauliche Mängel, die Behörden und Feuerwehr bei einer Begehung festgestellt hatten. Betroffen sind insbesondere Defizite beim Brandschutz, darunter beschädigte Brandschutztüren, Einschränkungen der Löschwasseranlage sowie Feuchtigkeitsschäden im Untergeschoss.
- Gebäude: Hauptgebäude der TU Berlin
- Adresse: Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Status: seit 9. Mai 2026 gesperrt
Die Sperrung legt zentrale Funktionen der Universität vorübergehend lahm, darunter Lehrbetrieb, Verwaltungsbereiche und zahlreiche Büroräume. Der Vorfall macht zugleich ein strukturelles Problem deutlich und wirft Fragen nach den Prioritäten in der Berliner Bildungspolitik auf: Während Milliarden in neue Schulen und moderne Hochschulbauten fließen, wurde die Sanierung des zentralen TU-Hauptgebäudes offenbar so lange verschoben, bis eine vollständige Sperrung notwendig wurde.
2,4 Milliarden Euro Sanierungsstau: TU Berlin sucht weiter nach Notlösungen
Seit der Sperrung organisiert die Universität Notlösungen für Prüfungen und interne Abläufe. Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra verwies auf jahrelang unzureichende Investitionen in die Instandhaltung; die TU Berlin beziffert ihren Sanierungsstau inzwischen auf rund 2,4 Milliarden Euro.
Auf dem Campus ist das Hauptgebäude nicht der einzige Problemstandort. Das Mathematikgebäude am Ernst-Reuter-Platz steht bereits seit 2023 weitgehend leer und gilt ebenfalls als sanierungsbedürftig. Teile des Gebäudes werden inzwischen nur noch temporär genutzt.
Warum der Zustand der TU Berlin komplexer ist als nur „marode“
Der Fall wirkt deshalb größer als eine einzelne Gebäudeschließung. Das gesperrte TU-Gebäude zählt zu den zentralen Gebäuden der Universität. Zugleich zeigt der Campus aber auch, dass das Bild einer grundsätzlich verfallenden Universität zu einfach wäre.
Denn während inzwischen fast ausschließlich über den Sanierungsstau diskutiert wird, investiert die TU Berlin parallel weiterhin in neue Forschungs- und Lehrgebäude. Die aktuelle Situation macht damit vor allem den schwierigen Spagat zwischen teurer Bestandssanierung und milliardenschweren Neubauprojekten sichtbar.
Neubauten auf dem TU-Campus zeichnen ein anderes Bild
Direkt an der Fasanenstraße hat die TU Berlin neue Gebäude für Mathematik sowie für das Interdisziplinäre Zentrum für Modellierung und Simulation gebaut. Das Projekt umfasst rund 21.000 Quadratmeter Nutzfläche. Die Baukosten für die 2024 fertiggestellten Projekte lagen bei etwa 142 Millionen Euro.
Auch in die Forschung investiert die Universität weiter. Etwa mit dem geplanten Neubau „CIPHOR“ soll an der Müller-Breslau-Straße ein modernes Zentrum für Photonik und Quantenphysik entstehen. Das Gebäude soll Forschung zu Halbleitern, Lasertechnik und Quantensystemen bündeln. Der geplante Kostenrahmen liegt bei knapp 94 Millionen Euro. Die TU Berlin bezeichnet den Neubau als wichtigen Schritt für internationale Spitzenforschung.

Der geplante „CIPHOR“-Neubau entsteht auf dem Ost-Campus der TU Berlin. / © Visualisierung: Telluride Architektur
Bis 2027: „Chemical Invention Factory“ entsteht an der Marchstraße
Mit der „Chemical Invention Factory“ entsteht auf dem Campus der TU Berlin ein weiteres modernes Gebäude an der Marchstraße in Charlottenburg. Es handelt sich um ein europaweit einzigartiges Innovationszentrum für Technologietransfer mit der europaweit größten Laborinfrastruktur. Die CIF wurde zielgerichtet als Ökosystem-Enabler konzipiert, welches für die Zusammenarbeit von Transferteams (Vor-Gründungsteams), Mentoren, Investoren und Industriepartnern ideale Arbeitsbedingungen bietet. Das Gebäude soll Ende 2027 fertig werden und den Technologietransfer im Bereich nachhaltiger Chemie vorantreiben.
Der Eindruck eines vollständig maroden Campus greift damit nur bedingt. Sichtbar wird jedoch ein strukturelles Problem: Neue Forschungszentren werden gezielt gefördert, während die aufwendige Sanierung älterer Bestandsgebäude oft über Jahre verschoben wird. So lange, bis es offenbar zu spät ist.

Die Visualisierung zeigt die „Chemical Invention Factory“ der Technischen Universität Berlin an der Marchstraße in Charlottenburg. / © Visualisierung: thirdimages
Ein bundesweites Phänomen – Gesperrtes TU-Gebäude ist kein Einzelfall
Dabei sind die Probleme der TU Berlin kein Einzelfall. Vielmehr handelt es sich um ein bundesweites Phänomen. Die Universität Hamburg kämpft seit Jahren mit maroden Gebäuden und hohen Sanierungskosten. Besonders ältere Bauten aus den 1960er- und 1970er-Jahren gelten als technisch überholt. Immer wieder geht es dort um Brandschutz, Schadstoffe und verschobene Modernisierungen.
Und auch an Hochschulen in Bayern gibt es ähnliche Probleme. Der Tagesspiegel verweist auf Gebäude, deren Sanierungskosten inzwischen Milliardenhöhen erreichen. Viele Universitäten arbeiten dort weiterhin in Gebäuden, die seit Jahrzehnten nur notdürftig modernisiert wurden.
Bildungsbau in Berlin: Nicht alle Mittel fließen in denselben Topf
Die Diskussion um das nun gesperrte TU-Hauptgebäude berührt damit die Frage nach politischen Prioritäten. In Berlin laufen derzeit große Programme für den Schulbau – die sogenannte Berliner Schulbauoffensive. In den letzten 10 Jahren wurden dabei 41 neue Schulgebäude gebaut und sogar 119 modulare Ergänzungsbauten für bestehende Schulen. 62.000 Schulplätze wurden damit neu geschaffen. Gleichzeitig verschärft sich der Sanierungsstau an Hochschulen weiter.
Allerdings stammen die Mittel nicht automatisch aus demselben Finanzierungssystem. Schulbau, Hochschulbau und Forschungsbauten werden über unterschiedliche Programme, Zuständigkeiten und Haushalte finanziert. Forschungsneubauten erhalten teilweise Fördermittel von Bund und Ländern gemeinsam. Sanierungen im Bestand konkurrieren dagegen oft mit anderen Investitionen im laufenden Haushalt.
Berliner Hochschulbaugesellschaft soll Sanierungsstau abbauen
Der Berliner Senat reagiert deshalb auch strukturell auf den Sanierungsstau im Hochschulbau. Im April 2026 beschloss der Senat ein Gesetz zur Gründung einer Berliner Hochschulbaugesellschaft. Die neue Gesellschaft soll Planung, Bau, Finanzierung und Instandhaltung künftig zentral bündeln. Nach Angaben des Senats betrifft das rund 450 landeseigene Gebäude der staatlichen Hochschulen. Die neue Struktur soll Bauprojekte beschleunigen und den Sanierungsstau langfristig abbauen.
Die Sperrung markiert deshalb nicht nur eine kurzfristige Sicherheitsmaßnahme. Sie zeigt auch, wie kritisch der Sanierungsstau an deutschen Hochschulen inzwischen geworden ist. Gleichzeitig verdeutlichen die Neubauten auf dem Campus, dass die TU Berlin trotz der aktuellen Krise weiter auf Forschung und Wachstum setzt.
Hauptgebäude der TU Berlin
Quellen: TU Berlin, Tagesspiegel, Welt, Berliner Schulbauoffensive
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2 Kommentare
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Eine Frage scheint mir im Bericht nicht angesprochen: Sind die Hochschulen vielleicht mit ihrem Portfolio und den damit einhergehenden Instandhaltungsaufgaben überfordert, so dass diese Aufgabe samt Portfolio vielleicht besser in professionelle landeseigene Hände gehören sollte? Und inwiefern bilden die Hochschulen Rücklagen für den Sanierungsstau? Oder ist das Abgeordnetenhaus „schuld“, weil es zu wenig Mittel für laufende Instandhaltung im Hausgalt bereit stellt? Was wäre die effizienteste Konstruktion? Oder warum wären diese Fragen irrelevant? Wichtig ist doch wohl gerade in diesen Zeiten, dass sich die MINT-Hochschulen auf die Ausbildung und Qualifizierung des nötigen Nachwuchses konzentrieren, um die nötigen Fachkräfte zu haben oder aus innovativen Forschungsergebnissen auch gür die Wirtschaft in Berlin tragfähige Cluster zu bilden. Oder?
Die Frage, die sich mir nun stellt ist: bei all dem Instandhaltungsrückstau… Wäre es denn nicht besser abzureißen und neu zu bebauen um die Kosten niedriger zu halten, und schneller zu sein. denn…
Sanierung ist immer mind. 4x so teurer und deutlich zeitaufwendiger als Neubau.
Ist das nicht ein Millardengrab? Für einen Neubau der Größe ca. 500 Mio. Da muss man nicht mal Wirtschaft studiert haben, um zu realisieren, dass die Sanierung in Höhe von gesch. 2,4 Mrd. eine Fehlinvestition wäre! Denkmalschutz auf 40% des Geländes… Hmmm, was bringt mir die Erhaltung an die Historie. Wir leben im hier und jetzt und brauchen ein funktionierende Uni. Was problemlos erhalten werden kann gern, aber ganz ehrlich… Bei meinem letzten Besuch dort fühlte es sich vor allem im Nachkriegsbau dunkel, komplett outdated und marode an! Der historische Teil ist toll, aber es ist und bleibt eine Uni und kein Mensch erinnert sich mehr daran, dass es davor ne Pferderennbahn war, bis der Kaiser es bebauen lies und dafür auch ein Stück Geschichte wegreißen lies! Das gehört zum hier und jetzt! Wir können es ja ähnlich wie beim Stadtschloss neu bauen und schick/alt aussehen lassen. Der Palast der Republik der dafür weggerissen wurde war auch Zeugnis besonderer Baukunst und Geschichte von Berlin… weg war er!
Fazit: manchmal muss man Altes gehen lassen, damit Neues Platz hat! I 😍 Berlin