Jahrelang stand das ehemalige Hotel Georghof in der Gürtelstraße in Berlin-Friedrichshain leer und verfiel zusehends. Nun lässt dBS Investment das Areal räumen und bereitet den Umbau vor. An seiner Stelle soll eine Wohnanlage mit 110 Wohnungen entstehen.

In der Gürtelstraße in Berlin-Friedrichshain wurden die Häuser des ehemaligen Hotels Georghof kürzlich geräumt. Nun soll das Areal zu einer Wohnanlage mit 110 Wohnungen entwickelt werden. Investor dBS Investment plant dafür eine siebengeschossige Bebauung mit Gewerbeflächen im Erdgeschoss. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Seit mehr als fünf Jahren verfällt der Gebäudekomplex in der Gürtelstraße 39 bis 41 in Berlin-Friedrichshain. Laut einem Bericht des Tagesspiegels lebten zuletzt mehrere Personen illegal in den beiden Häusern, während sich im Hinterhof große Müllberge ausbreiteten. Nun lässt die neue Eigentümerin der Gebäude, die dBS Investment GmbH, das Gelände räumen.
Ein Unternehmenssprecher erklärte, die Personen verließen das Gelände freiwillig und es handle sich nicht um eine militante Gruppierung. Die Polizei sei eingeschaltet. Sollten nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner ausziehen, plane das Unternehmen, Strom und Wasser abzustellen. Bisher verlaufe die Räumung friedlich.
Hotel in der Gürtelstraße: Bestandsgebäude verfallen seit Jahren

Bis 2017 betrieb das Gästehaus Georghof an dieser Adresse mehr als 200 Zimmer, seither verfällt das Gebäude zunehmend. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Bis 2017 betrieb das Gästehaus Georghof an dieser Adresse mehr als 200 Zimmer. Anschließend nutzten Träger die Räume über Jahre als Notunterkunft. Laut dem Tagesspiegel wurden 104 Plätze über den privaten Betreiber Sanctum Homes vermittelt. Diese Nutzung endete, nachdem das Bezirksamt die Bewohnerinnen und Bewohner 2022 nach und nach umsiedeln ließ.
Ein langwieriger Rechtsstreit zwischen den früheren Eigentümern verzögerte danach sowohl die Sanierung als auch den Verkauf des Areals. Erst nachdem sich die Erbengemeinschaft über den Kaufpreis geeinigt hatte, konnte dBS Investment das gesamte Grundstück erwerben. Die ungeklärten Eigentumsverhältnisse gelten laut Tagesspiegel als einer der Hauptgründe für den jahrelangen Leerstand.
Investor plant Umnutzung des Gebäudes: Neubauprojekt mit über 100 Wohnungen geplant
Auf dem Areal will dBS Investment nach eigenen Angaben eine siebengeschossige Wohnanlage mit drei Häusern und einer Tiefgarage errichten. Das Grundstück misst 1.652 Quadratmeter, die geplante Wohnfläche liegt bei 5.089 Quadratmetern. So sollen dabei 110 Wohnungen sowie Gewerbeflächen im Erdgeschoss entstehen.
Der Entwurf des geplanten Wohngebäudes stammt von Keintzel Architekten. Einen Bauantrag will das Unternehmen im Herbst 2026 einreichen. Der Abschluss des Projekts sei für Mitte 2028 vorgesehen. Zu den Gesamtbaukosten liegen bislang keine Angaben vor.
Bezirksübergreifende Probleme in Berlin: Wohnungslosigkeit und Vermüllung steigen

Der Hinterhof des Areals ist stark verwahrlost. Die neue Eigentümerin dBS Investment lässt den angesammelten Müll nun beseitigen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Der Fall Gürtelstraße steht beispielhaft für zwei Themen, die Berlin seit Jahren beschäftigen. Laut der Senatsverwaltung für Soziales lebten Ende Januar 2026 rund 57.575 Menschen in Berlin in Wohnheimen, Trägerwohnungen oder Notunterkünften.
Timothy Redfern vom Paritätischen Wohlfahrtsverband erklärte, diese Zahl habe sich seit 2012 fast verzehnfacht. Als Hauptursache nannte er den Wohnungsmangel in der Stadt. Die stetig steigenden Zahlen zeigen, dass das Berliner Unterbringungssystem längst an seine Grenzen stößt und die Stadt beim Thema Wohnungslosigkeit dringend gegensteuern muss.
Wohnungslosigkeit und Vermüllung: Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Neukölln am stärksten betroffen
Auch die Vermüllung öffentlicher Flächen nimmt zu. Laut einem Bericht der taz stieg die Zahl der Müllmeldungen zwischen 2019 und 2024 von rund 93.000 auf etwa 170.000.
Friedrichshain-Kreuzberg gehört demnach neben Neukölln und Mitte zu den am stärksten betroffenen Bezirken. Die Kosten für die Beseitigung illegaler Ablagerungen verdoppelten sich im selben Zeitraum auf rund 10 Millionen Euro pro Jahr.
Georghof in Friedrichshain-Kreuzberg: Ein Areal wandelt sich nach Jahren des Verfalls

Auf dem Areal plant dBS Investment einen Neubau sowie die Sanierung eines Bestandsgebäudes. Vorgesehen ist eine siebengeschossige Wohnanlage aus drei Häusern mit Tiefgarage. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Mit der aktuellen Räumung endet vorerst eine lange Phase des Stillstands an der Gürtelstraße. Über Jahre prägten verrammelte Fenster, Graffiti und Müll das Bild. Nun rückt stattdessen die Bauvorbereitung in den Vordergrund. Das Unternehmen erklärte, die Beräumung schaffe die Voraussetzung für anstehende Probenahmen und für die Abrissvorbereitung.
Nach eigenen Angaben von dBS Investment soll dabei allerdings nicht der gesamte Bestand weichen: Die Projektbeschreibung des Unternehmens sieht neben dem Neubau auch die Sanierung eines Bestandsgebäudes vor.
Bis zum geplanten Bauantrag im Herbst dürfte sich zeigen, wie konkret die Pläne inzwischen tatsächlich ausgearbeitet sind. Sollte das Projekt wie angekündigt umgesetzt werden, entstünde an einem seit Jahren größtenteils leerstehenden Standort neue Wohnungen.
Quellen: Tagesspiegel, dbs invest, taz, Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung , Statistisches Bundesamt, Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Berliner Zeitung, Berlin hilft
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