Die Trabrennbahn Karlshorst steht erneut im Zentrum einer Grundsatzfrage: Bleibt die 37-Hektar-Fläche Freiraum mit Pferdesport und Stadtnatur, oder setzt sich die Logik der Randbebauung durch? Ein Vorstoß der Initiative Karlshorst e.V. für eine „Domäne Karlshorst“ trifft nun auf ein laufendes Bebauungsplanverfahren mit anderem Schwerpunkt.

Die Initiative Karlshorst e.V. schlägt vor, das 37 Hektar große Areal nach dem Vorbild der „Domäne Dahlem“ in ein öffentlich getragenes Stadtgut zu transformieren, mit einem Zentrum für Pferdesport, Reittherapie, Bildung, Stadtnatur und Kultur sowie einem Gesellschaftshaus und neuen Verbindungen zur Wuhlheide. / © Foto: Wikimedia Commons, A.Savin, LAL-1.2
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, A.Savin, LAL-1.2
Die Trabrennbahn Karlshorst ist seit ihrer Eröffnung im Jahr 1884 ein fester Bestandteil der Berliner Stadtgeschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage unter sowjetischer Verwaltung umgebaut, in der DDR staatlich betrieben und nach der Wiedervereinigung vor dem Aus bewahrt. Doch in den vergangenen Jahren ist die Zahl der Renntage deutlich gesunken. Wirtschaftlich trägt sich der Betrieb nur noch eingeschränkt.
Der Betreiber, der Pferdesportpark (PSP), hat bereits vor rund zehn Jahren begonnen, Teilflächen des insgesamt 37 Hektar großen Areals zu veräußern, um Investitionen zu finanzieren. Mit diesen Einnahmen konnten Teile der Infrastruktur saniert werden. Eine langfristige Perspektive fehlt jedoch weiterhin. Vor diesem Hintergrund werden neue Konzepte überhaupt erst diskutiert, als Antwort auf wirtschaftliche Unsicherheit und planerischen Stillstand.
Trabrennbahn Karlshorst seit 1884: Historischer Rennbahnstandort unter wirtschaftlichem Druck
Seit 2021 verfolgen Bezirk und Eigentümer ein städtebauliches Konzept, das eine Bebauung der Randbereiche vorsieht. Etwa 500 Wohnungen sowie Gewerbeflächen sollen im Westen und Norden des Geländes entstehen. Das Bebauungsplanverfahren 11-178 zur „Sicherung und Weiterentwicklung“ der Trabrennbahn bildet hierfür den formalen Rahmen.
Der Betreiber hatte darin eine Chance gesehen, den Pferdesportstandort zu stabilisieren. Neue Wohnnutzungen könnten zusätzliche Einnahmen generieren und zugleich für mehr Belebung sorgen. Auch ergänzende Angebote wie Sport- oder Freizeitnutzungen wurden ins Spiel gebracht. Kritische Stimmen befürchten hingegen, dass durch eine Randbebauung wertvolle Grün- und Biotopflächen dauerhaft beeinträchtigt würden.
Bebauungsplan 11-178 mit 500 Wohnungen auf der Trabrennbahn Karlshorst trifft auf Domäne-Konzept der Initiative Karlshorst
In diese Situation hinein legt die Initiative Karlshorst e.V. nun ein alternatives Leitbild vor. Sie schlägt vor, die Trabrennbahn nach dem Vorbild der Domäne Dahlem in ein öffentlich getragenes „Stadtgut“ zu transformieren. Vorgesehen ist ein Zentrum für Pferdekultur, Therapie, Bildung und Stadtnatur, das Sport, soziale Angebote und ökologische Funktionen verbindet.
Kern des Konzepts ist eine gemeinwohlorientierte Trägerstruktur. Diskutiert wird eine Stiftungslösung unter Beteiligung von Land, Bezirk, Zivilgesellschaft und Fachakteuren. Eine gemeinnützige Betriebsgesellschaft könnte Veranstaltungen, Pferdesport, Bildungsangebote und Gastronomie organisieren. Bestehende Einrichtungen wie das inklusive Reittherapiezentrum sollen ausdrücklich eingebunden und strukturell gestärkt werden.
Zukunft der Trabrennbahn Karlshorst: Verdichtung durch Bebauungsplan oder Sicherung als öffentlicher Freiraum?
Damit stehen sich zwei Entwicklungslogiken gegenüber: Auf der einen Seite ein Bebauungsplan, der über Baurechte wirtschaftliche Stabilität schaffen will. Auf der anderen Seite ein Modell, das auf Rekommunalisierung und langfristige öffentliche Steuerung setzt. Die Initiative argumentiert, Berlin habe in anderen Bereichen gezeigt, dass Rückkäufe und öffentliche Sicherung strategisch möglich seien.
Wie es weitergeht, ist offen. Das Bebauungsplanverfahren läuft, zugleich sind weitere Beteiligungsschritte vorgesehen. Die politische Entscheidung wird darüber bestimmen, ob die Trabrennbahn künftig stärker verdichtet oder als zusammenhängender Freiraum mit neuer Funktion gesichert wird. Bis dahin bleibt die Diskussion um Karlshorst längst mehr als eine lokale Baufrage, sie steht exemplarisch für den Umgang Berlins mit großen Freiflächen im Spannungsfeld von Wohnraumbedarf, Naturschutz und Gemeinwohl.
Quellen: Bezirksamt Lichtenberg, Karlshorst e.V., Pferdesportpark, Visit Berlin, RBB
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