Seit Jahrzehnten steht die ehemalige Vertragsarbeitersiedlung an der Gehrenseestraße in Lichtenberg leer. Die verwahrlosten Plattenbauten gelten längst als „Lost Place“. Nun beginnen erste Abrissarbeiten und damit der Auftakt für ein neues Quartier mit Wohnungen und einer Schule.

Auf dem Areal an der Ecke Gehrenseestraße/Wollenberger Straße soll mit den „Gehrenseehöfen“ ein neues Wohnquartier entstehen. / © Foto: IMAGO
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© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Z thomas, CC BY-SA 4.0
In Lichtenberg kommt Bewegung auf ein Gelände, das lange als Symbol für gescheiterte Stadtentwicklung galt. Auf dem Areal der ehemaligen Vertragsarbeitersiedlung an der Gehrenseestraße haben erste Abrissarbeiten begonnen. Jahrzehntelang standen die Gebäude leer und verfielen zunehmend.
Zunächst werden Teile der bestehenden Gebäude im östlichen Bereich der Anlage entfernt. Die Arbeiten sollen Platz für einen Schulneubau schaffen, der als Voraussetzung für die spätere Entwicklung eines neuen Wohnquartiers gilt. Der Teilabriss ist damit ein erster Schritt in einem umfangreichen Planungsprozess, der das Areal langfristig neu ordnen soll.
Lichtenberg: „2-in-1-Schule“ auf ehemaligem Vertragsarbeitergelände geplant
Nach Angaben der Projektbeteiligten gegenüber der Berliner Morgenpost, soll auf der freigeräumten Fläche eine sogenannte „2-in-1-Schule“ entstehen. Geplant ist ein Schulgebäude mit einer Sporthalle auf dem Dach. Wenn alles planmäßig verläuft, könnte die Einrichtung im Jahr 2028 fertiggestellt werden und zum Schuljahr 2028/29 ihren Betrieb aufnehmen.
Erst danach kann die vollständige Neubebauung des Areals beginnen. Projektentwicklerin Lisa Eggebrecht erklärte, dass der aktuelle Teilabriss zusätzlichen Aufwand bedeute, jedoch notwendig sei, um möglichst schnell die Voraussetzungen für die Schule und das spätere Quartier zu schaffen. Die Projektentwicklung übernehmen die landeseigene HOWOGE und die BE Development GmbH, die als Eigentümervertreter für Teile des Geländes auftritt.
Neues Quartier mit mehr als 1.000 Wohnungen an Gehrenseestraße geplant
Parallel zu den Abrissarbeiten läuft weiterhin das Planungsverfahren für das neue Quartier. Das Projekt „Gehrenseehöfe“ ist Teil des Bebauungsplanverfahrens 11-165, das die baurechtlichen Voraussetzungen für die Entwicklung des Areals schaffen soll. Eine Schriftliche Anfrage des CDU-Abgeordneten Martin Pätzold im Berliner Abgeordnetenhaus zeigt, dass mehrere Planungsschritte noch ausstehen.
Erst danach kann der Bebauungsplan festgesetzt werden. Es folgen unter anderem die öffentliche Auslegung, städtebauliche Verträge sowie der abschließende Beschluss der zuständigen Gremien. Erst mit der Planfestsetzung können HOWOGE und BE Development in die konkrete Planung einsteigen und einen Bauantrag stellen. Nach Angaben des Senats wird allein dieser Planungsschritt mindestens ein Jahr dauern, weshalb der Baustart derzeit erst für Oktober 2028 vorgesehen ist.
DDR-Geschichte der Gehrenseestraße: Wohnheim für Vertragsarbeiter aus Vietnam
Das Gelände hat eine besondere historische Bedeutung. In der DDR befand sich hier eine große Unterkunft für sogenannte Vertragsarbeiter, vor allem aus Vietnam. Die Gebäude wurden Anfang der 1980er Jahre errichtet und boten Platz für mehrere tausend Menschen.
Die Wohnbedingungen waren einfach und auf möglichst effiziente Unterbringung ausgelegt. Die Bewohnerinnen und Bewohner lebten häufig in kleinen Mehrbettzimmern und teilten sich Gemeinschaftsküchen und Sanitäranlagen. Integration in die Stadtgesellschaft war kaum vorgesehen.
Lost Place in Lichtenberg: Gehrenseestraße soll nach Jahren des Stillstands neu entwickelt werden
Seit Anfang der 2000er Jahre steht die Anlage leer. Die Gebäude wurden entkernt und verfielen zunehmend. Dass die Entwicklung des Areals so lange dauerte, lag unter anderem an wechselnden Eigentümern und unterschiedlichen Interessen der Beteiligten. Mehrere Anläufe zur Neubebauung scheiterten in den vergangenen Jahrzehnten.
Neben Wohnraum sind auch weitere Nutzungen vorgesehen. Dazu zählen unter anderem Gewerbeflächen für Dienstleistungen, Angebote für Studierende und Seniorinnen sowie soziale und medizinische Einrichtungen. Auch Einzelhandel und weitere quartiersbezogene Nutzungen könnten Teil der Planung werden.
Bis jedoch tatsächlich neue Wohnungen entstehen, wird noch Zeit vergehen. Zunächst müssen weitere Planungen abgeschlossen und Genehmigungen erteilt werden. Der Abriss der ersten Gebäude markiert damit lediglich den Anfang eines langfristigen Stadtentwicklungsprojekts.
Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Newsletter CDU Hohenschönhausen, Berliner Morgenpost, rbb24
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Wenn man durch den Berliner Osten fährt fallen einem vermehrt große Flächen auf die für neue Wohnungen ideal Platz böten.
Leider ist in Berlin viel verscherbelt worden und die Eigentümer werden wohl oft weiter auf Rendite warten.
Zusätzlich ist die Berliner Politik zunehmend Vermieter feindlich so das es wohl nicht wirklich motivierend ist jetzt zu bauen.
Vom bürokratischen Affen Tanz mal abgesehen.
Schade das Berlin hier viele Möglichkeiten vorbei ziehen lässt.
Zumindest in Hohenschönhausen bewegt sich endlich mal was.