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In Pankow sorgt der geplante Bau einer Geflüchtetenunterkunft seit Jahren für Konflikte zwischen Bezirk, Anwohnenden, Umweltverbänden und der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU. Während sich die Umsetzung immer weiter verzögert, bleiben wichtige Fragen zu Artenschutz, Bebauungsplänen und Unterbringung offen.
Visualisierung des Areals und der eingezeichneten Bäume die zum Teil gefällt werden müssten.

Die GESOBAU möchte Wohnungen für Geflüchtete in ihrer Siedlung zwischen Ossietzkystraße und Kavalierstraße am Schlosspark Schönhausen in Pankow errichten. Anwohnende stellen sich gegen die Rodung von Bäumen und fordern eine kleinere Bebauung. / © Visualisierung: Bezirksamt Pankow

© Visualisierung: Bezirksamt Pankow
© Visualisierung Titelbild: Gesobau/Zoomarchitekten Berlin

 

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Zwischen Ossietzkystraße und Kavalierstraße in Pankow will die landeseigene GESOBAU zwei Wohngebäude mit 99 Wohnungen errichten. Die Häuser sollen bis zu 422 Menschen mit Fluchthintergrund ein Zuhause bieten. Die Flächen sind seit Oktober 2023 abgesperrt, um den Baubeginn vorzubereiten.

Geplant war ursprünglich eine konventionelle Wohnbebauung, die in enger Abstimmung mit den Senatsverwaltungen kurzfristig für eine Nutzung als Geflüchtetenunterkunft angepasst wurde. Die Gebäudekubaturen blieben unverändert, lediglich die Grundrisse wurden verändert.

Artenschutzauflagen und fehlende Datengrundlage bremsen Bauprojekt der GESOBAU in Pankow

Der Baustart verzögert sich vor allem durch fehlende Genehmigungen für Baumfällungen. Während der Schutzperiode bis Oktober dürfen keine Bäume gefällt werden, in denen Vögel brüten könnten. Umweltverbände wie der BUND Berlin, die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz und die NaturFreunde kritisieren, dass das Bezirksamt Pankow eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung ohne aktuelle Datengrundlage erteilt habe.

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Sie bemängeln fehlende Nachweise zu Ausweichquartieren für geschützte Arten sowie unzureichende Ausgleichsmaßnahmen. Mehrere Umweltorganisationen haben deshalb Widerspruch gegen die Ausnahmegenehmigung eingelegt.

Bürgerinitiative fordert angepasste Bebauung zum Erhalt von Grünflächen an der Kavalierstraße in Pankow

Nach Ansicht der Verbände seien die gesetzlichen Voraussetzungen nach § 45 Bundesnaturschutzgesetz nicht erfüllt, da es zumutbare Alternativen gebe. Die Bürgerinitiative „Grüner Kiez Pankow“ verweist auf einen neuen Bebauungsplan, der eine angepasste Bebauung vorsieht und mehr Bestandsbäume erhalten würde. Sie fordert, diesen Plan umzusetzen.

Auch die Anwohnerschaft äußert deutliche Kritik am Vorhaben. Sie befürchtet den Verlust wertvoller Grünflächen und fordert eine reduzierte Bebauung mit etwa 70 Wohnungen. Laut der GESOBAU sei diese Anpassung jedoch nicht mit den städtischen Zielen vereinbar.

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GESOBAU verweist auf abgestimmte Planung und dringenden Wohnraumbedarf

Bereits zwischen 2019 und 2020 fand ein Beteiligungsverfahren statt, in dem verschiedene Varianten geprüft und zugunsten des Baumerhalts angepasst wurden. Die nun geplante Version sieht eine dichte Bebauung bei Erhalt eines Teils der Grünflächen vor.

GESOBAU betont, dass die Nutzung als Geflüchtetenunterkunft in enger Abstimmung mit den Senatsverwaltungen erfolgte. Ziel sei es, dringend benötigten Wohnraum für Menschen mit Fluchthintergrund zu schaffen.

Zugang zu Spielplatz in abgeriegelten Innenhöfen zwischen Ossietzkystraße und Kavalierstraße wird erneut zum Streitpunkt

Ein zusätzlicher Konfliktpunkt ist die seit Oktober 2023 bestehende Absperrung der Innenhöfe. Diese Zäune blockieren auch den Zugang zu einem Kinderspielplatz. Das Bezirksamt Pankow sieht hierin einen „baurechtswidrigen Zustand“ und fordert eine Öffnung.

Da die Baumfällungen vorerst nicht erfolgen können, ruht auch das Baurecht und damit entfällt nach Einschätzung der Bauaufsicht die Grundlage für die Sperrung. Die GESOBAU kann gegen diese Anordnung Widerspruch einlegen, wie die Berliner Morgenpost berichtet.

Zukunft des Bauprojekts in Pankow bleibt zwischen Wohnraumbedarf und Naturschutz offen

Ob und wann die Bauarbeiten beginnen, ist derzeit offen. Das Bezirksamt prüft die Einwände der Umweltverbände und signalisiert, dass eine Sondergenehmigung für Rodungen während der Schonfrist unwahrscheinlich ist.

Die GESOBAU verweist weiterhin auf den Bedarf an zusätzlichem Wohnraum für Geflüchtete, während Anwohnende und Umweltverbände auf den Schutz der vorhandenen Grünflächen pochen. Bis zu einer Entscheidung bleibt der Innenhof ein Symbol für den ungelösten Konflikt zwischen Wohnungsbau, Naturschutz und Nachbarschaftsinteressen.

Quellen: GESOBAU, Berliner Morgenpost, Tagesspiegel

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