Um die Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche ist ein Zoff über fehlende Flächen und einen bis 2033 laufenden Mietvertrag entstanden. Der Bezirk weist zentrale Vorwürfe einer Petition zurück und verweist auf einen neuen Hauptmietvertrag.

Das ehemalige Amtsgerichtsgefängnis soll langfristig vollständig für die Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche und ihre Bildungsarbeit genutzt werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Mehr als 18.000 Menschen unterstützen eine Petition zur Zukunft der Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche. Die Initiatoren werfen Politik und Verwaltung jahrelange Versäumnisse vor. Der Bezirk widerspricht und erklärt, die langfristige Erweiterung des historischen Erinnerungsortes sei inzwischen vertraglich gesichert.
- Bezirk: Treptow-Köpenick
- Adresse: Puchanstraße 12, 12555 Berlin
- Nutzung: Gedenkstätte, Bildungsort
- Besonderheit: Gebäude war 1933 eine zentrale Haft- und Folterstätte während der Köpenicker Blutwoche
Der Zoff um die Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche reicht weit über die Frage hinaus, ob der Erinnerungsort geöffnet bleibt. Unstrittig ist, dass die bestehende Ausstellung weiterläuft. Umstritten ist jedoch, wann und in welchem Umfang sich die Gedenkstätte zu einem größeren Bildungsort entwickeln kann.
Erhalt und Ausbau der Gedenkstätte in Köpenick gefordert
Die Petition „Rettet die Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche“ mahnt nun jahrelange Verzögerungen und eine ungewisse Perspektive an. Mehr als 18.000 Menschen haben die Forderungen unterstützt.
Hinter der Petition stehen die Bildhauerin Stefka Ammon und der Historiker Yves Müller. Sie kritisieren, dass ein seit Jahren diskutiertes Erweiterungskonzept bisher nicht umgesetzt wurde. Bei einer Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick übergaben Unterstützer die Unterschriften an Kulturstadtrat Marco Brauchmann. Vor der Sitzung fand zudem eine Kundgebung statt, die den Erhalt und Ausbau der Gedenkstätte sowie ihre Bedeutung für die politische Bildungsarbeit hervorhob.

Die Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche befindet sich in einem Teil des ehemaligen Amtsgerichtsgefängnisses in der Puchanstraße in Berlin-Köpenick. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Gedenkstätte erinnert an frühen Terror der Nationalsozialisten
Die Köpenicker Blutwoche zählt zu den schwersten Terroraktionen der Nationalsozialisten in der frühen Phase ihrer Herrschaft. Ende Juni 1933 verschleppten und misshandelten mehrere Hundert SA-Männer bis zu 500 politische Gegner sowie Jüdinnen und Juden. Mindestens 23 Menschen starben. Das damalige Amtsgerichtsgefängnis diente als Koordinationsstelle für Verhaftungen und als Folterort.
Die heutige Ausstellung ordnet die Gewalt in die Machtübernahme der Nationalsozialisten ein. Sie zeigt auch, wie staatliche Stellen, nationalsozialistische Organisationen und Teile der Gesellschaft auf den Terror reagierten oder ihn ermöglichten. Die Gedenkstätte bietet Projekttage für Schulklassen und Jugendgruppen, Führungen, einen Audiowalk sowie eine interaktive Karte zu den Tat- und Erinnerungsorten an. Der Eintritt ist kostenlos.

Das Amtsgericht Köpenick liegt unmittelbar neben dem früheren Gefängnis, in dem heute die Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche untergebracht ist. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Mietvertrag mit KuKuK läuft bis 2033
Der entscheidende Konflikt betrifft die übrigen Flächen im Gebäude. Der Verein KuKuK nutzt einen großen Teil des ehemaligen Gefängnisses für Kunst und Kultur. Sein ursprünglicher Vertrag lief bis zum 30. Juni 2026. Die Berliner Immobilienmanagement GmbH verlängerte ihn jedoch bereits am 15. März 2023 vorzeitig.
Nach Angaben des Berliner Senats ging die Initiative vom Verein aus. KuKuK wollte öffentliche Fördermittel für die Herrichtung der Räume beantragen und benötigte dafür eine längere feste Mietdauer. Die BIM stimmte der Verlängerung nach Rücksprache mit dem Amtsgericht Köpenick zu. Das Amt für Weiterbildung und Kultur in Treptow-Köpenick war nach Darstellung der BIM nicht beteiligt. Der Immobiliengesellschaft hätten zu diesem Zeitpunkt weder schriftliche Angaben noch Absprachen über einen Flächenbedarf der Gedenkstätte vorgelegen.
Diese Darstellung steht im Zentrum der Auseinandersetzung. Die Initiatoren der Petition erklären, der Bezirk habe der BIM bereits 2021 ein Gedenkstättenkonzept zur Prüfung übermittelt. Das Bezirksamt räumt ein, von der Vertragsverlängerung zunächst nichts gewusst zu haben. Bekannt geworden sei sie erst später, als der Bezirk die künftige Nutzung des gesamten Gebäudes festschreiben wollte.
Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche: Bezirk sichert Immobilie langfristig
Kulturstadtrat Marco Brauchmann weist die Aussage zurück, die Zukunft der Gedenkstätte sei völlig unsicher. Die vorhandene Gedenkstätte bleibe geöffnet. Zudem hätten Bezirk und BIM Mitte Juni 2026 einen neuen Hauptmietvertrag für das gesamte ehemalige Amtsgerichtsgefängnis unterzeichnet. Damit sei die spätere Nutzung aller Flächen durch den Bezirk rechtlich vereinbart.
Vollständig übernehmen kann der Bezirk das Gebäude nach derzeitigem Stand jedoch erst zum 1. März 2033. Brauchmann begründet dies mit dem bestehenden Vertrag des Vereins KuKuK. Eine frühere Übernahme lasse sich nicht einseitig durchsetzen. Der Bezirk hält eine räumliche Erweiterung für moderne Bildungsarbeit dennoch für notwendig und sieht den neuen Hauptmietvertrag als langfristige Absicherung.
Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche
Quellen: Berliner Morgenpost, Bezirksamt Treptow-Köpenick, Petition „Rettet die Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche“
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