Mit der Benennung eines zentralen Platzes vor dem Abgeordnetenhaus schafft Berlin einen neuen Erinnerungsort. Der neue Margot‑Friedländer‑Platz soll das Engagement der Zeitzeugin im öffentlichen Raum sichtbar machen.
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Abghs, CC BY-SA 4.0
Mit dem Tod von Margot Friedländer am 9. Mai 2025 verlor Berlin eine der eindrücklichsten Stimmen der Erinnerungskultur. Die Holocaust‑Überlebende, Zeitzeugin und Berliner Ehrenbürgerin hinterließ nicht nur ein beeindruckendes Lebenswerk, sondern auch eine Debatte darüber, wie ihre Verdienste dauerhaft in der Stadt sichtbar gemacht werden können.
Nach ihrem Tod wurde intensiv diskutiert, auf welche Weise der Stadtraum ihr Gedenken tragen sollte. Vorschläge reichten von der Umbenennung einer Straße in Kreuzberg bis hin zur Widmung eines zentralen Platzes in Charlottenburg. Am 16. Dezember 2025 hat der Berliner Senat nun entschieden, den bisher namenlosen Platz vor dem Abgeordnetenhaus nach der Zeitzeugin zu benennen.
Margot-Friedländer-Platz: „Ein Ort des Erinnerns und Mahnens“
Kurz nach dem Tod Friedländers stand zunächst die Umbenennung der Skalitzer Straße in Kreuzberg zum Gedenken an die Berliner Ehrenbürgerin zur Debatte. Den Anstoß dazu gab die SPD. Friedländer lebte mit ihrer Familie in der Skalitzer Straße 32, bevor sie und ihre Angehörigen deportiert wurden. Kurz darauf sprach sich sich die Bezirksverordnetenversammlung auf Initiative von CDU und Grünen für die Benennung eines Platzes in der Nähe des Kurfürstendamms nach Friedländer aus.
Ein knappes halbes Jahr später nun der Beschluss: Der Platz vor dem Abgeordnetenhaus in Mitte soll künftig den Namen Friedländers tragen. Der zentrale Ort soll ein sichtbares Zeichen für demokratische Verantwortung und gegen Antisemitismus setzen. „Mit der Benennung des Margot-Friedländer-Platzes würdigen wir eine der letzten Zeitzeuginnen der nationalsozialistischen Verfolgung. Er wird künftig ein Ort des Erinnerns und Mahnens sein – ein Ort, der die Verpflichtung wachhält, die Lehren aus der Shoah niemals zu vergessen und unsere Demokratie zu verteidigen“, sagt der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU).
Umbenennung des Platzes soll bis zum ersten Todestag Friedländers erfolgen
Wie der Tagesspiegel berichtet, soll die Umbenennung spätestens zum ersten Todestag Friedländers erfolgen. Die neue Adresse des Landesparlaments wäre dann offiziell Margot-Friedländer-Platz 1.
Auf dem Weg zur Umbenennung müsse der Senat noch eine Ausnahme von der Regel beschließen, dass bei einer Straßenbenennung fünf Jahre nach dem Tod des Namensgebers oder der Namensgeberin abzuwarten sind. Daraufhin würden Stellungnahmen der Straßenverkehrsbehörde und anderer Bezirke eingeholt werden. Nach der Veröffentlichung im Amtsblatt wäre die Umbenennung drei Monate später wirksam. Bis Frühjahr 2026 könnte die Namensänderung also offiziell sein.
Margot Friedländer: Zeitzeugin setzte sich für Gedenken an Holocaust und Demokratie ein
Margot Friedländer wurde 1921 in Berlin geboren und überlebte den Holocaust im Konzentrationslager Theresienstadt. Im Alter von 88 Jahren kehrte sie nach Berlin zurück, um Menschen für Geschichte und Demokratie zu sensibilisieren. Ihr Wirken machte sie zu einer zentralen Figur im Kampf gegen Antisemitismus und Vergessen.
Quellen: Senatskanzlei, rbb, Tagesspiegel, Wikipedia
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