Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche am Breitscheidplatz steht vor einer mehrjährigen Sanierung. Die Arbeiten beginnen bereits 2026 an der historischen Turmruine und den Mosaiken, 2027 folgen Kirche und Glockenturm.

Baustelle am Breitscheidplatz in Berlin: Absperrungen und Fahrbahnverengungen prägen den Bereich an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Der Kurfürstendamm ist vielerorts bereits von Bauzäunen gesäumt, rund um die City West wird gebaut, umgebaut und saniert. Nun erreicht die Bautätigkeit auch den Breitscheidplatz selbst: Schon in wenigen Tagen sollen die ersten Arbeiten an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche beginnen.
In den kommenden Jahren stehen Arbeiten an mehreren Gebäuden und Bauteilen an: Die historische Turmruine soll neu erschlossen, die Mosaiken in der Gedenkhalle restauriert und die Nachkriegsbauten von Egon Eiermann umfassend instand gesetzt werden.
Zeitplan: Mit der Turmruine geht es los, 2027 folgen Glockenturm und Kirche
Den Auftakt bilden die Arbeiten am sogenannten „hohlen Zahn“. Für die Sanierung und Neugestaltung der historischen Turmruine ist ein Beginn im September beziehungsweise November 2026 vorgesehen. Gleichzeitig sollen die historischen Mosaiken in der Gedenkhalle restauriert werden. Die Arbeiten an beiden Bereichen sollen 2028/29 abgeschlossen sein.
Anfang 2027 soll anschließend die Sanierung des Glockenturms beginnen. Die markanten Betonwaben und die blauen Betongläser sind durch Alter und Korrosion beschädigt und müssen umfassend bearbeitet werden. Die Betonwaben sollen denkmalgerecht neu hergestellt werden, während die Glasfenster einzeln ausgebaut und restauriert werden. Die Wiedereröffnung des Glockenturms ist für 2029 vorgesehen.
Nur wenige Monate später soll auch die Kirche selbst zur Baustelle werden. Der Baubeginn ist für den Frühsommer 2027 geplant, die Arbeiten sollen bis 2029 dauern. Im Mittelpunkt stehen auch hier die Betonwaben und Glasfenster der markanten Fassade. Insgesamt müssen 10.232 Betondickglasfenster einzeln ausgebaut und restauriert werden. Bei einem Teil der stark beschädigten Elemente sind aufwendigere Restaurierungsarbeiten notwendig.

Der Eiermann-Komplex – also das achteckige Kirchenschiff, der sechseckige Glockenturm, Kapelle und Foyer – soll schrittweise technisch und baulich ertüchtigt werden. / © Foto: depositphotos.com
Technik, Heizung und Dach werden ebenfalls erneuert
Die Sanierung der Kirche beschränkt sich allerdings nicht auf die sichtbaren Bauteile. Nach mehr als 60 Jahren müssen auch technische und sanitäre Anlagen erneuert werden. Dazu gehören unter anderem Wasser- und Elektroleitungen sowie die Entwässerung.
Auch die alte Fußbodenheizung soll technisch überarbeitet werden. Sensoren und eine modernisierte Pumpentechnik sollen künftig eine bessere Regulierung der Raumtemperatur ermöglichen. Das Dach erhält eine neue Dämmschicht, zudem sind neue Anlagen für Lüftung und Raumklima vorgesehen. Während der Bauzeit soll außerdem die Schuke-Orgel von 1963 gereinigt, überholt und erweitert werden.
Baustelle am Breitscheidplatz: Turmruine wird neu erschlossen
Bei der historischen Turmruine geht es nicht nur um bauliche Instandsetzung. Auch die Ausstellung zur Geschichte des Ortes, die dort seit 1987 besteht, wird neu gestaltet. Künftig soll die Ruine selbst stärker zum Teil der Ausstellung werden.
Vorgesehen ist eine neue Erschließung bis in den Turmhelm. Ein Aufzug soll einen barrierefreien Zugang zu den oberen Ausstellungsebenen ermöglichen. Das nachträglich eingebaute Dach soll wieder geöffnet werden, sodass die Zerstörungsspuren des Gebäudes stärker erfahrbar werden. Neue Anlagen für Lüftung, Temperierung und Entwässerung sollen die technischen Voraussetzungen für die künftige Nutzung schaffen.

Neuplanung für den Alten Turm. / © Ralph Appelbaum Associates und heneghan peng architects Dublin / Berlin
Auch das Foyer-Haus steht auf der Sanierungsliste: Umsetzung noch nicht gesichert
Ein weiterer Baustein ist das Foyer-Gebäude von 1963. Dort sind unter anderem Arbeiten am Dach, an der Stahlstruktur sowie an Heizung, Lüftung und Sanitäranlagen vorgesehen. Das Gebäude soll künftig für verschiedene Kultur- und Veranstaltungsformate genutzt werden.
Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen. Anders als bei Kirche, Glockenturm und Turmruine ist die Umsetzung allerdings noch nicht gesichert. Die Planungen für die Sanierung sind bereits abgeschlossen, die Finanzierung beziehungsweise Realisierung steht jedoch noch aus.
Wiedereröffnung des Ensembles bis 2029 geplant
Die großen Bauarbeiten werden sich damit über mehrere Jahre erstrecken und zeitlich überschneiden. Während Turmruine und Mosaiken bereits ab Herbst 2026 bearbeitet werden, folgen Glockenturm und Kirche 2027. Für alle drei zentralen Bereiche ist eine Fertigstellung 2028/29 beziehungsweise 2029 vorgesehen.
Auch während der Bauzeit soll das Ensemble nicht vollständig aus dem öffentlichen Leben verschwinden. Die bereits sanierte Kapelle bleibt geöffnet. Gottesdienste zu besonderen Feiertagen und Orgelkonzerte werden angestrebt, außerdem sollen weiterhin Führungen angeboten werden. Die Kirche selbst wird voraussichtlich rund zwei Jahre unter Baumaßnahmen stehen.
Mit dem Abschluss der verschiedenen Projekte soll das denkmalgeschützte Ensemble am Breitscheidplatz baulich für die kommenden Jahrzehnte gesichert werden.
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
Quellen: Stiftung-Kaiser-Gedächtnis-Kirche
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