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Im westlichen Gutleutviertel formiert sich ein neues Kapitel der Stadtentwicklung. Auf rund 32 Hektar soll ein bunt gemischtes Quartier entstehen, das Wohnen, Arbeiten und urbane Produktion miteinander verknüpft.

Ein Foto des Gutleutviertels in Frankfurt

Das Gutleutviertel präsentiert sich aktuell industriell geprägt: Kopfsteinpflaster, parkende Autos und alte Industriegebäude prägen das Straßenbild. In den kommenden Jahren wird sich hier ein neues, vielfältiges Quartier entwickeln. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

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Im westlichen Teil des Frankfurter Gutleutviertels stehen in den kommenden Jahren grundlegende Veränderungen an. Die Stadt Frankfurt plant hier die Entwicklung des sogenannten Produktiven Quartiers Gutleut-West.

Auf rund 32 Hektar soll ein vielfältig genutztes Stadtquartier entstehen, das Arbeiten, Wohnen und urbane Produktion miteinander verbindet. Mit einer Entfernung von etwa zwei Kilometern Luftlinie zum Hauptbahnhof zählt das Gebiet zu den innenstadtnahen Entwicklungsflächen mit hohem städtebaulichem Potenzial.

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Neues, produktives Mischquartier im Gallus: Was ist konkret im Gebiet Gutleut-West geplant?

Ausgangspunkt der Planung sind die Ziele des integrierten Stadtentwicklungskonzepts Frankfurt 2030+, kurz iSTEK. Darin ist der Bereich rund um den Gutleuthafen als besonderer Schwerpunkt der städtischen Entwicklung festgelegt. Diese Einordnung bildet die Grundlage für die weiteren Planungen des Stadtplanungsamts.

Vorgesehen ist die Entwicklung eines gemeinwohlorientierten und nachhaltig ausgerichteten Stadtquartiers, das das westliche Gutleutviertel mit Teilen des Gutleuthafens verbindet. Wohnen und Gewerbe sollen dabei eng verzahnt werden. Städtische Grundstücke sollen über Konzeptverfahren vergeben werden. Zu den zentralen Zielen zählen ein durchgehender Mainuferweg, ein höherer Wohnanteil, eine verbesserte Nahversorgung, die Verlängerung der Straßenbahn auf der Gutleutstraße sowie ein nutzungsgemischtes Quartier, das den bestehenden Gewerbestandort mitdenkt.

Zwischen Main-Neckar-Brücke & Briefverteilzentrum: Städtebauliche Entwicklung auf 32 Hektar Fläche geplant

Das Entwicklungsgebiet liegt zwischen der Main-Neckar-Brücke im Osten und dem Briefverteilzentrum im Westen, begrenzt vom Mainufer im Süden und dem Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs im Norden. Der Bestand vor Ort ist bislang stark heterogen – nun möchte die Stadt Frankfurt etwas frischen Wind in das Gebiet bringen.

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Neben der denkmalgeschützten Wurzelsiedlung aus den 1920er Jahren und einer Seniorenwohnanlage am Sommerhoffpark finden sich gewerbliche Nutzungen, ein Rechenzentrum, mehrere Brachflächen sowie Bildungs- und Kultureinrichtungen. Dazu zählen die Werner-von-Siemens-Schule und die Milchsackfabrik mit Ateliers, Tanzhaus West und Theater Landungsbrücken. Ergänzt wird das Gebiet durch Flächen der Energieversorgung und zwei Hotels.

Wohnen, Arbeiten und Leben: Stadtplanungsamt definiert klare Planungsziele für das Gutleut-West

Ziel der Planung ist ein gemischt genutztes Stadtquartier, das Arbeiten, Wohnen sowie kulturelle und soziale Angebote zusammenführt. Vorgesehen sind Flächen für Handwerk und lokale Ökonomien, ergänzt um urbane Produktion. Darunter fallen stadtverträgliche, ressourcenschonende und emissionsarme Arbeitsformen, die Produktion, Dienstleistungen und kreative Tätigkeiten verbinden und zunehmend digital organisiert sind.

Ergänzend soll bezahlbarer Wohnraum mit unterschiedlichen Wohnformen entstehen. Geplant sind familiengerechte Wohnungen, kleinere Einheiten für Studierende und Auszubildende, gemeinschaftliche Wohnprojekte sowie Wohnangebote für Beschäftigte ansässiger Betriebe. Vor einigen Jahren war von rund 200 bis 300 neuen Wohnungen die Rede, ob diese Zahl weiterhin Bestand hat, ist offen.

Gutleutviertel im Wandel: Auch Grünflächen, Infrastruktur und Mobilität sollen mitgedacht werden

Neben der Nutzungsmischung fließen auch klimaangepasste Stadtentwicklung, Mobilität und Infrastruktur in die Planung ein. Grünflächen sollen ausgeweitet und besser miteinander vernetzt werden, das Mainufer stärker für die Öffentlichkeit nutzbar sein.

Im Bereich der Mobilität ist eine Verlängerung der Straßenbahn vom Hauptbahnhof über die Gutleutstraße bis zum Briefzentrum vorgesehen. Ergänzend sind eine Grundschule und eine Kindertagesstätte geplant, um das Quartier langfristig zu tragen.

Historisches Hafenquartier: Gebiet um den Gutleuthafen ist fast 60 Jahre alt

Die Geschichte des Gebiets reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Bereits 1876 gab es erste Überlegungen, die Frankfurter Hafenflächen in Richtung Gutleut zu erweitern. Konkretere Planungen entstanden in den 1920er und 1930er Jahren, wurden jedoch nicht umgesetzt. Erst in den 1960er Jahren entstand der Gutleuthafen. Zwischen 1962 und 1968 wurde die Hafenanlage realisiert, finanziert durch die Stadt Frankfurt, mit Baukosten von rund 4,75 Millionen D-Mark.

Einen neuen Impuls erhielt das Gebiet mit dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 11. Juli 2024. Noch im selben Jahr folgten ein Dialogverfahren sowie eine Bewerbung um Fördermittel. Den Auftakt bildet ein aktuelles Projekt am Sommerhoffpark, wo ein ehemaliges Kita-Gebäude künftig als vielseitig nutzbarer Quartiertreffpunkt dienen soll.

Drei Gravitationszentren oder Klima-Fuge? Dialogverfahren 2024 führt zu ersten Konzepten

Im Dialogverfahren entstanden erste städtebauliche Leitbilder. Das Büro allmannwappner setzt bei ihrem Konzept auf eine schrittweise Transformation des Bestands und die Ausbildung von drei sogenannten Gravitationszentren. Cityförster schlägt eine zentrale Klima-Fuge vor, die als Grün und Erholungsraum fungiert und neue Verbindungen zum Mainufer schafft. Neubauten sollen dabei unterschiedliche Nutzungen in gemeinsamen Gebäuden bündeln.

Als nächste Schritte sind für den südlichen Bereich kooperative Entwicklungsprozesse, Wettbewerbe, Bebauungspläne und Grundstücksvergaben vorgesehen. Im nördlichen Teil sollen ein Rahmenplan und ein Bebauungsplan erarbeitet werden. Wie schnell sich die Konzepte in konkrete Projekte übersetzen lassen, bleibt offen. Sicher ist jedoch, dass Gutleut-West vor einem langfristigen und anspruchsvollen Wandel steht.

Ein Foto des Gutleutviertels in Frankfurt

Der Blick über den Main auf den Gutleuthafen: Die Wasserlage bietet Potenzial für Grünflächen, Naherholung und attraktive öffentliche Räume im zukünftigen Mischquartier. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Ein Foto des Gutleutviertels in Frankfurt

Die Historische Wohnsiedlung aus den 1920er Jahren im Gutleutviertel: Die Denkmalgeschützte Bauten werden in die Quartiersentwicklung integriert und sollen dem neuen Stadtteil Identität verleihen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: Stadtplanungsamt Frankfurt, Management für Hafen und Markt Frankfurt, Frankfurter Rundschau, allmannwappner, Cityförster

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