Galeria stellt vier Filialen in Berlin und einen Standort in Potsdam auf den Prüfstand. Welche Kaufhäuser betroffen sind und wovon ihre Zukunft abhängt.
Galeria am Alexanderplatz
Galeria am Hermannplatz
Galeria am Kurfürstendamm
Galeria Spandau
Galeria Potsdam
© Titelbild: depositphotos.com
Galeria nimmt erneut einen Teil seines Filialnetzes unter die Lupe. Diesmal betrifft die Prüfung mehrere prominente Warenhäuser in Berlin und Brandenburg. Noch steht keine Schließung fest. Doch für fünf Standorte beginnen oder laufen Verhandlungen, deren Ausgang über die weitere Nutzung entscheiden könnte.
Bundesweit prüft das Unternehmen 33 seiner 83 Filialen. In der Hauptstadtregion stehen die Häuser am Alexanderplatz, am Hermannplatz, am Kurfürstendamm und in der Spandauer Altstadt auf der Liste. Hinzu kommt das Stadtpalais in Potsdam. Galeria nennt vor allem die Mietbelastung und die Ertragskraft als entscheidende Kriterien.
Galeria am Alexanderplatz: Vertrag läuft bis März 2027
- Bezirk: Berlin-Mitte
- Adresse: Alexanderplatz 9, 10178 Berlin
- Status: Wirtschaftlichkeit und Mietkonditionen werden geprüft
- Aktuelle Vereinbarung: Nutzung bis 31. März 2027 gesichert
Das Warenhaus am Alexanderplatz nimmt eine Sonderstellung ein. Galeria und die Eigentümerin Commerz Real verlängerten die Nutzungsvereinbarung im Februar 2026 bis zum 31. März 2027. Ursprünglich sollte sie bereits im August 2026 enden. Die Verlängerung verschaffte den Beteiligten zusätzliche Zeit, um über eine längerfristige Lösung für das Gebäude zu verhandeln.
Trotzdem steht nun auch dieser Standort auf der aktuellen Prüfliste. In den vergangenen Monaten hatte die Eigentümerin zudem über teilweise oder vollständig ausgebliebene Mietzahlungen berichtet. Galeria begründete Rückstände an mehreren Standorten mit vorübergehenden Liquiditätsschwankungen. Ob das Haus nach März 2027 weitergeführt wird, bleibt offen.

Auch die Galeria-Filiale am Hermannplatz gehört zu den Berliner Standorten, deren Zukunft im Zuge der aktuellen Schließungsprüfung offen ist. / © Foto: depositphotos.com
Galeria am Hermannplatz: Mietverhandlungen laufen bereits
- Bezirk: Neukölln
- Adresse: Hermannplatz 5–10, 10967 Berlin
- Status: Laufende Prüfung und Mietverhandlungen
- Mögliche Schließung: Nicht ausgeschlossen
Für das Galeria-Haus am Hermannplatz zeichnete sich die neue Unsicherheit bereits im März 2026 ab. Damals wurde bekannt, dass der Konzern an diesem Standort über veränderte Mietkonditionen verhandelt. Galeria stellte eine Schließung für den Fall in Aussicht, dass keine wirtschaftlich tragfähige Vereinbarung erreicht werde.
Nun gehört das Kaufhaus offiziell zu den 33 überprüften Filialen. Neben einer niedrigeren Miete können auch kleinere Verkaufsflächen Teil der Verhandlungen sein. Galeria betont, jeden Standort einzeln und ohne vorweggenommenes Ergebnis zu bewerten. Ein Zeitpunkt für die Entscheidung steht bislang nicht fest.
Galeria am Kurfürstendamm: Zukunft des City-West-Standorts offen
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Adresse: Kurfürstendamm 231, 10719 Berlin
- Status: Wirtschaftlichkeit wird geprüft
- Entscheidung: Offen
Auch die Galeria-Filiale am Kurfürstendamm befand sich schon vor der Veröffentlichung der vollständigen Liste in Mietverhandlungen. Gemeinsam mit dem Hermannplatz gehörte sie zu acht Standorten, an denen Galeria im Frühjahr 2026 auf günstigere Vertragsbedingungen drängte.
Die Filiale liegt unweit des Breitscheidplatzes und des Bahnhofs Zoologischer Garten. Trotz der stark frequentierten Lage entscheidet für Galeria nach eigenen Angaben nicht allein die Zahl der Kunden. Maßgeblich seien die Ertragskraft des Hauses und das Verhältnis zwischen Umsatz, Betriebskosten und Miete. Kommt keine Einigung mit dem Vermieter zustande, könnte der Betrieb enden. Eine endgültige Entscheidung gibt es jedoch nicht.

Auch die Galeria-Filiale am Kurfürstendamm steht auf der Liste der Berliner Warenhäuser, deren Zukunft der Konzern derzeit im Zuge möglicher Schließungen überprüft. / © Foto: depositphotos.com
Galeria Spandau: Zwei Jahre nach der Rettung erneut auf der Liste
- Bezirk: Spandau
- Adresse: Carl-Schurz-Straße 20, 13597 Berlin
- Status: Erneute Standortprüfung
- Letzte Rettung: Fortführung im Juni 2024 vereinbart
Besonders überraschend ist die erneute Prüfung in Spandau. Im April 2024 hatte Galeria die Schließung des Kaufhauses angekündigt. Nach weiteren Verhandlungen nahm das Unternehmen den Standort im Juni desselben Jahres jedoch von der Schließungsliste. Damals blieben nach Angaben aus den Verhandlungen rund 75 Arbeitsplätze erhalten.
Nur gut zwei Jahre später steht die Filiale wieder zur Disposition. Das Haus gehört zu den prägenden Handelsstandorten der Spandauer Altstadt. Welche konkreten Vertragsbedingungen Galeria dort verändern will, teilte das Unternehmen bislang nicht mit.
Galeria Potsdam: Das Stadtpalais muss erneut bangen
- Stadt: Potsdam
- Adresse: Brandenburger Straße 49/52, 14467 Potsdam
- Status: Standortprüfung angekündigt
- Besonderheit: einzige verbliebene Galeria-Filiale in Brandenburg
Das Galeria-Stadtpalais in der Potsdamer Innenstadt stand bereits während früherer Insolvenzverfahren mehrfach auf Schließungslisten. Zuletzt erreichten das Unternehmen und die Eigentümerseite im Juni 2024 neue Mietkonditionen. Dadurch blieb das Kaufhaus geöffnet. Rund 100 Beschäftigte waren damals von der Entscheidung betroffen.
Das Warenhaus eröffnete 2005 nach Leerstand, Brandschäden und einer umfangreichen Sanierung. Nun hängt die Zukunft erneut von der wirtschaftlichen Einzelprüfung und den Gesprächen mit dem Vermieter ab. Wann Galeria eine Entscheidung treffen will, ist auch für Potsdam offen.

Deutschlands Warenhauskette Galeria stellt erneut Standorte infrage, darunter mehrere Häuser in Berlin und Brandenburg. / © Foto: depositphotos.com
Neuer Kredit soll Galeria stabilisieren
Parallel zur Standortprüfung erhielt Galeria eine Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers. Das Geld soll unter anderem einen bestehenden Kredit ablösen, offene Mietzahlungen ausgleichen und die Warenfinanzierung sichern. Die Finanzierung ist an einen mehrjährigen Sanierungsplan gebunden, der weitere Schließungen vorsieht.
Galeria beschäftigt bundesweit rund 12.000 Menschen. Anfang 2024 meldete die Warenhauskette zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz an. Im Sommer 2024 schlossen neun Häuser. Neben Schließungen prüft Galeria nach eigenen Angaben auch Umzüge in geeignetere Immobilien und mögliche Neueröffnungen.
Quellen: rbb24, Galeria, Commerz Real
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2 Kommentare
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Ich verstehe nicht, was das Brimborium soll. Das Geschäftsmodell ist durch. Ein Kaufhaus im mittleren bis oberen Preissegment, dass ein reines Standardsortiment hat (von allem etwas, aber nichts wirklich gut), hat einfach keine Zielgruppe mehr. Standardzeug wird günstiger und bequemer bei Amazon und Co. gekauft. Stationärerhandel muss einen Mehrwert liefern; besonders spezialisiert, besonders gut Beratung, besonders exklusiv, besonderer Service, besonders angenehmes Ambiente, etc. Das liefert Galeria nicht. Und ehrlich gesagt, bei aller Nostalgie, so schlimm ist das auch nicht, dass Galeria verschwindet. Die großen Retailer haben ab mitte der 80er die ganzen kleinen Fachgeschäfte verdrängt. Jetzt werden sie vom Internet und Fachgeschäften verdrängt. Kein Grund für nationale Trauer. Für die Mitarbeiter ist das natürlich schwierig, dass verstehe ich. Aber es bringt ja nichts, ein dysfunktionales Geschäftsmodell aufrecht zu erhalten, damit die Mitarbeiter eine Beschäftigt haben. Da muss dann eben andere Lösungen finden.
Entweder die „Online“-Steuer kommt, oder man verabschiedet sich von der alten Welt (Kaufhäuser und Geschäfte in den Innenstädten). Immerhin ist das wieder einmal ein Markteingriiff des Staates, aber man muss sich endlich mal bekennen, was man möchte. Dem Kaufhaus an sich würde ich nicht nachtrauern, die Innenstädte mit Einzelhandel würde ich allerdings nicht so mir-nichts-dir-nichts aufgeben. Denn so viele Fressbuden, Cafes, Nagelstudios, Friseure und Versicherungsbüros kann es gar nicht geben. Wobei letztere noch nicht mal was zu einer belebten Innenstadt groß beitragen. Letztlich ist der Dorfplatz auch ein soziales Element.