Acht Architekturbüros, acht Visionen: Entlang der Rummelsburger Landstraße entsteht bis 2029 ein neues Ensemble, das Berliner Architekturgeschichte schreiben will. Der „Funkytown“-Campus soll künftig zeigen, wie kreative Vielfalt zur Leitlinie moderner Stadtentwicklung werden kann. Projektentwickler Trockland hat nun die geplante Gestaltung der acht Neubauten vorgestellt, die auf dem Gelände entstehen sollen.

Oberschöneweide: Entlang der Rummelsburger Landstraße soll bis 2029 der von Trockland konzipierte Gewerbe-Campus „Funkytown“ entstehen, mit acht sehr unterschiedlich gestalteten Neubauten. / © Visualisierung: Trockland Management GmbH
© Visualisierungen: Trockland Management GmbH
Zwischen der Rummelsburger Landstraße und dem heutigen Funkhaus Berlin entsteht eines der ambitioniertesten Kultur- und Gewerbeprojekte im Südosten Berlins. Das Projekt „Funkytown“ des Berliner Projektentwicklers Trockland soll ein über Jahrzehnte brachliegendes Gelände in Oberschöneweide zu neuem Leben erwecken – mit einem thematischen Bezug zur Funk- und Radiogeschichte des Areals.
Projekt „Funkytown“ in Oberschöneweide: Historische Radiogeschichte als Leitmotiv für neuen Campus
Auf dem Grundstück, das am Grenzverlauf der Bezirke Lichtenberg und Treptow-Köpenick liegt, befindet sich aktuell nur ein maroder DDR-Plattenbau aus den 1960er Jahren, bekannt als ehemaliger Sitz des DDR-Jugendsenders DT64.
Das benachbarte Funkhaus Nalepastraße, das von 1956 bis 1990 als Sitz des Rundfunks der DDR diente, bleibt von der Neuentwicklung unberührt. Doch das Projekt „Funkytown“ soll durch seine Ausrichtung auf kreative und kulturelle Nutzungen eine thematische Brücke schlagen.
BLOCK E bleibt erhalten: Sanierung des bestehenden DDR-Stahlbetonskelettbaus geplant
Herzstück des Areals ist der sogenannte BLOCK E. Anders als viele DDR-Bauten seiner Zeit wird dieser nicht abgerissen, sondern umfassend saniert und in das Nutzungskonzept integriert – obwohl kein Denkmalschutz besteht. Projektleiterin Barbara Sellwig erklärte kürzlich im ENTWICKLUNGSSTADT Podcast „Metropole im Wandel“ warum Trockland hier auf Erhalt statt auf Abriss setzt.
Die Betonsanierung im Bestandsgebäude läuft derzeit auf Hochtouren, um die Bausubstanz für die künftig geplante Nutzung zu ertüchtigen. In dem Gebäudeteil sollen nach dem Umbau flexibel nutzbare Flächen zwischen 250 und 10.500 Quadratmetern angeboten werden – geeignet für Studios, Ateliers, Büros oder andere kreative Nutzungen.

Links ist der Bestandsbau BLOCK E zu sehen, rechts die neuen Gebäude des „Funkytown“-Campus. / © Visualisierung: Trockland Management GmbH

So stellt sich das Büro Grüntuch Ernst Architekten die Gestaltung der STATION B vor. / © Visualisierung: Grüntuch Ernst Architekten
Bauprojekt „Funkytown“: Acht neue Gebäude entstehen entlang der Rummelsburger Landstraße
Neben der Sanierung des Bestandsbaus sind acht weitere Neubauten auf der bislang unbebauten Fläche zwischen BLOCK E und der Rummelsburger Landstraße vorgesehen. Diese STATIONS genannten Gebäude sollen bis Ende 2029 fertiggestellt werden und rund 38.500 Quadratmeter Nutzfläche umfassen.
Verantwortlich für die städtebauliche Gesamtplanung ist das Architekturbüro KSP Engel Berlin, das zudem den zentralen Baukörper gestaltet. Für die weiteren Planungen konnte Trockland namhafte Berliner Architekturbüros gewinnen, darunter Graft Architekten, Grüntuch Ernst Architekten, Tchoban Voss Architekten, Julian Breinersdorfer, Thomas Hillig Architekten, LAVA und LXSY.
Gewerbeflächen in Oberschöneweide: Erste Visualisierungen der acht neuen STATIONS veröffentlicht
Für den neuen Campus in Oberschöneweide haben die acht Architekturbüros jeweils eigene Entwürfe für die neuen STATIONS entwickelt und die Fassadengestaltung übernommen. Nun hat Trockland erste Visualisierungen dieser acht Gestaltungskonzepte veröffentlicht.
Im Zusammenspiel mit dem historischen Bestandsgebäude „Block-E“, dessen Transformation vom Büro AIP Leipzig geplant wird, soll ein Ensemble entstehen, welches den Anspruch erfüllen will, Vielfalt als Grundlage für die Stadtentwicklung von morgen zu nutzen. Daher sind die gestalterischen Ansätze der einzelnen Büros bewusst sehr unterschiedlich gewählt worden.
Die Kubatur der Gebäude wird sich nicht wesentlich voneinander unterscheiden, wohl aber ihre innere und äußere Gestaltung. Die Projektverantwortlichen sehen, wenig überraschend, viel Potenzial in dem raumgreifenden Bauvorhaben im Berliner Südosten: „Wer Berlin kennt und versteht und sich mit dem ‚geniusloci‘ auseinandersetzt, erkennt sofort das enorme Potenzial
dieses Projekts! Und das nicht nur städtebaulich und architektonisch, sondern vor allem kulturell und soziologisch. Funkytown ist eine tolle Möglichkeit, Berlin weiterzuleben„, betont Hannes Meisehen, Leiter des Berliner Büros von KSP Engel.

Julian Breinersdorfer Architekten haben die kompakte Fassade von STATION C geplant, künftig Sitz des Unternehmens Nena Hospitality. / © Visualisierung: Julian Breinersdorfer Architekten
Die Hälfte der neu entstehenden Flächen ist laut Trockland bereits vermietet
Projektentwickler Trockland sieht den Flächenbedarf durchaus gegeben. Für den gesamten „Funkytown“-Campus wurden demnach bereits zahlreiche Mietverträge abgeschlossen, rund die Hälfte der Flächen sei schon vergeben.
Nach Angaben des federführenden Projektentwicklers sei die Nachfrage besonders hoch, da das vielseitige Konzept und die Lage an der Spree vor allem für kreative Unternehmen attraktiv seien; angeboten würden Arbeitsräume, Ateliers, Produktionsflächen sowie Bereiche für Bildung und Forschung. Zu den langfristigen Mietern zählen etwa Nena Hospitality und The Base, die jeweils eine komplette STATION anmieten werden
Keramik, Glas und Aluminiumblech dominieren die Fassaden der neuen Bürogebäude in Oberschöneweide
STATION A, gestaltet von Graft Architekten, will mit einer bewegten Gebäudeecke und großformatigen Fenstern einen städtebaulichen Akzent setzen, während Grüntuch Ernst Architekten für STATION B eine Fassade entwickelt haben, deren perforiertes Aluminiumblech musikalische Bezüge zum Funkhaus aufnehmen soll.
STATION C, geplant vom Büro Julian Breinersdorfer Architekten, übersetzt Formen der DDR-Architektur in eine moderne Variante mit markanten Betonelementen – so bezeichnen es jedenfalls die Architekten selbst. STATION D von KSP Engel zeigt hingegen eher eine skulpturale, keramisch glänzende Fassadengestaltung – ein spannender Gegensatz.

KSP Engel haben STATION D konzipiert – hier soll künftig ein Hotel eingerichtet werden. / © Visualisierung: KSP Engel
Renommierte Büros gestalten die Neubauten: Graft, Tchoban Voss, Grüntuch Ernst und LAVA
Die Entwürfe setzen also ganz unterschiedliche Schwerpunkte: LXSY Architektur kombiniert bei STATION E wiederverwendeten Backstein mit einer gewellten Metallhülle, LAVA entwarf für STATION F einen Holzhybridbau mit smaragdgrüner, parametrisch entwickelter Fassade und begrünten Zonen.
Tchoban Voss Architekten entschieden sich bei STATION G für eine Fassade aus Cortenstahl, die plastisch gegliedert und nachhaltig konzipiert ist. STATION H (Thomas Hillig Architekten) soll mit seiner grünen Holzverschalung und Pergolen den Übergang zu einer benachbarten Kleingartenanlage bilden.
„Funkytown“-Campus in Treptow-Köpenick: Autark gestaltete Gebäude sollen vor allem vielfältig und nachhaltig werden
Der Campus an der Rummelsburger Landstraße, der in den kommenden Jahren emporwachsen soll, soll nach Wünschen der Projektbeteiligten mit seiner diversen Gestaltung der neuen Gebäude eine architektonische Vielfalt aus Materialien, Formen und Konzepten bieten, die sowohl auf den Standort als auch auf unterschiedliche Nutzungen reagiert.
Nach Jahren der Konzeption und Planung soll die Transformation des jahrzehntelang brachliegenden Areals an der Spree nun endlich beginnen. Auf die tatsächliche Umsetzung der acht sehr unterschiedlichen architektonischen Konzepte darf man in der Tat sehr gespannt sein.

Thomas Hillig Architekten gestalteten den grün gehaltenen Neubau mit dem Namen STATION H. / © Visualisierung: Thomas Hillig Architekten

Die acht neuen STATIONS unterscheiden sich in der Art ihrer Gestaltung und den gewählten Materialien sehr deutlich – ein bewusst gewählter Ansatz. / © Visualisierung: Trockland Management GmbH
Quellen: Trockland Funkytown GmbH, Der Tagesspiegel, Deutsches Architektur Forum, KSP Engel Berlin, Architektur Urbanistik Berlin, Graft Architekten, Grüntuch Ernst Architekten, Tchoban Voss Architekten, Julian Breinersdorfer, Thomas Hillig Architekten, LAVA, LXSY, AIP Leipzig
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Geht’s nur noch darum, Häuser zu bauen, die ohne Fahrstuhl auskommen? An Kleinlichkeit kaum zu über treffen. Warum nicht gleich nur noch Bungalows bauen. Mit Weltstadt hat das immer weniger zu tun.