Jahrelang stand das FÜRST am Kurfürstendamm vor allem für Verzögerungen und Stillstand. Inzwischen geht es auf dem riesigen Areal sichtbar voran. Und nach und nach zeigt sich, welche Nutzungen hinter den neuen Fassaden einziehen sollen.

Straßenperspektive auf mehrere helle Gebäude mit großen Fensterfronten und Ladengeschäften im Erdgeschoss, im Hintergrund ein schmaler Hochhausturm, davor Bäume und Autos.

Das Quartier FÜRST am Kurfürstendamm entsteht auf rund 106.000 Quadratmetern. Acht Etagen im Gebäudekomplex sind für das neue Apartment-Hotel „A by Adina“ mit 161 Studios und Apartments vorgesehen. / © Visualisierung: FÜRST Berlin

© Titelbild / Visualisierung: FÜRST Berlin

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Das frühere Ku’damm-Karree gehört seit Jahren zu den auffälligsten Baustellen der Berliner City West. Nun beginnt beim FÜRST eine neue Phase. Nicht mehr allein Rohbau, Finanzierung und Baufortschritt bestimmen die Nachrichten. Neue Mietverträge zeigen zunehmend, wie das Quartier nach seiner Fertigstellung funktionieren soll.

  • Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
  • Adresse: Kurfürstendamm 206–209, Lietzenburger Straße 78–80 und Uhlandstraße 30–32
  • Baubeginn des Umbaus: 2018
  • Fertigstellung: im ersten Halbjahr 2027

Die Vorgeschichte des heutigen FÜRST reicht deutlich weiter zurück. Seit 2018 wird das frühere Ku’damm-Karree grundlegend umgebaut. Dabei verschwand jedoch nicht der gesamte Bestand. Unter anderem blieben das markante Hochhaus sowie Gebäudeteile an der Uhlandstraße erhalten.

FÜRST teilweise schon seit Jahren vermietet

Während auf großen Teilen des Blocks noch abgerissen, neu gebaut und umgebaut wurde, konnten erste Flächen deshalb schon früher fertiggestellt werden. Der erste Bauabschnitt an der Uhlandstraße ist inzwischen vollständig vermietet. Dort befinden sich Büro-, Handels-, Gastronomie-, Event- und Lagerflächen. Zu den Mietern im bereits genutzten Teil des Quartiers gehören unter anderem REWE, RTL, Mindspace und die CELLS Group.

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Auf den übrigen Flächen entwickelte sich das Projekt dagegen deutlich schwieriger. Besonders 2022 waren die Fortschritte auf der Großbaustelle noch gut sichtbar. Im Frühjahr 2023 zeichnete sich jedoch ab, dass die Finanzierung unter Druck geraten war.

Der damalige Projektentwickler Aggregate Holdings hatte seine Anleihegläubiger um einen Zahlungsaufschub gebeten. Im Sommer 2023 kamen die Arbeiten schließlich weitgehend zum Erliegen. Damit stand zeitweise nicht nur die Fertigstellung des Quartiers infrage, sondern auch die geplante Rückkehr der Komödie an den Kurfürstendamm.

Blick von der Bühne in den noch im Ausbau befindlichen, geschwungenen Zuschauerraum der neuen Komödie am Kurfürstendamm.

Das Herzstück des Kulturangebots nimmt Gestalt an: Im geschwungenen Zuschauerraum der neuen Komödie am Kurfürstendamm sollen künftig rund 630 Besucherinnen und Besucher Platz finden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Finanzierungskrise beim FÜRST: Mehr als ein Jahr Stillstand am Ku’damm

Es folgte eine umfangreiche finanzielle Neuordnung des Projekts. Ein Restrukturierungsplan sah neues Kapital, veränderte Finanzierungsbedingungen und eine neue Eigentümerstruktur vor. Im März 2024 genehmigte der britische High Court die Restrukturierung abschließend. Nach Angaben der FÜRST-Gruppe standen damit zusammen mit vorhandenen Mitteln mehr als 290 Millionen Euro Liquidität zur Verfügung, um die noch ausstehenden Investitionen bis zur Fertigstellung zu finanzieren.

Auf der Baustelle dauerte es dennoch einige Monate, bis die Folgen sichtbar wurden. Seit Juli 2024 laufen die Arbeiten nach Angaben der Projektverantwortlichen wieder mit hoher Intensität. Damit erklärt sich auch das auf den ersten Blick ungewöhnliche Bild am Kurfürstendamm: Während ein Teil des FÜRST längst vermietet und in Betrieb ist, befinden sich andere Bereiche noch im Ausbau.

Dazu gehören das Hochhaus, die neue Komödie am Kurfürstendamm sowie weitere Flächen für Hotel, Gastronomie, Fitness und Handel. Ein Baustellenbesuch in der neuen Komödie am Kurfürstendamm zeigte zuletzt, wie weit die Arbeiten dort inzwischen vorangekommen sind.

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FÜRST Berlin: Mehr als 40 Prozent der Flächen sind inzwischen vermietet

Entscheidend wird nun, womit sich das FÜRST nach Abschluss der Arbeiten tatsächlich füllt. Nach aktuellen Angaben sind mehr als 40 Prozent der Flächen vermietet. Das Pharmaunternehmen Takeda will seine Berliner Vertriebszentrale Ende 2027 in das Quartier verlegen.

Auch beim Einzelhandel gibt es Bewegung. Im August 2026 wurde die niederländische Kosmetik- und Parfümeriekette Skins als Mieter angekündigt. Im September folgte die Greco Group. Sie hat rund 1.700 Quadratmeter angemietet. Geplant ist auch ein italienisch-amerikanisches Steakhouse mit Bar; die Eröffnung ist für Herbst 2027 vorgesehen.

Visualisierung des geplanten Rooftop-Restaurants im FÜRST am Kurfürstendamm. In den oberen Etagen soll ein Steakhouse mit Bar und großer Dachterrasse entstehen.

So könnte das neue Rooftop-Restaurant im FÜRST am Kurfürstendamm aussehen. Geplant sind ein Steakhouse mit Bar und eine rund 500 Quadratmeter große Dachterrasse. / © KI-Visualisierung: Greco Group

Hotel und Fitness: Neue Angebote sollen 2027 am Ku’damm öffnen

Ein weiterer großer Baustein ist das Apartmenthotel A by Adina im FÜRST. Die australische Hotelgruppe TFE Hotels plant dort den ersten deutschen Standort ihrer Premium-Marke. Vorgesehen sind 161 Studios und Apartments auf acht Etagen sowie Restaurant, Bar und Wellnessangebote. TFE Hotels nennt Herbst 2027 als geplanten Eröffnungstermin.

Auch David Lloyd will 2027 einen Club am Kurfürstendamm eröffnen. Die Projektgesellschaft weist dafür rund 7.500 Quadratmeter Fitness- und Spa-Fläche aus. Vorgesehen sind unter anderem Fitnessbereiche, Pools, Spa- und Saunaangebote. Hinzu kommen im gesamten FÜRST rund 8.500 Quadratmeter Terrassenflächen für Büro- und Gastronomiemieter.

Komödie am Kurfürstendamm kehrt an ihren alten Standort zurück

Kulturelles Zentrum bleibt die Komödie am Kurfürstendamm. Der neue Saal entsteht unterirdisch. Die Projektgesellschaft nennt derzeit 630 Plätze. Insgesamt sind nach Angaben des FÜRST rund 6.700 Quadratmeter für Kultur und Unterhaltung vorgesehen. Neben dem Theater nennt die Projektwebsite auch ein Kino.

Interessant ist dabei der offizielle Zeitrahmen. Im Mai 2026 teilte der Bezirk dem Abgeordnetenhaus mit, dass die Fertigstellungsfrist für den zweiten Bauabschnitt bis zum 16. Dezember 2027 verlängert wurde. Nach damaliger Planung sollte der letzte Bauabschnitt im vierten Quartal 2027 fertig werden. Die Projektverantwortlichen nannten bei einem Baustellenbesuch im August dagegen das erste Halbjahr 2027 für wesentliche abschließende Ausbauarbeiten.

Nach Jahren mit Finanzierungsproblemen, Baustillstand und wechselnden Zeitplänen ist das Projekt damit auf der Zielgeraden. Doch die entscheidende Frage verschiebt sich: Nicht mehr nur, ob das FÜRST fertig wird, sondern wann die einzelnen Bereiche öffnen und wie stark Theater, Hotel, Gastronomie, Handel und der neue Stadtplatz den Kurfürstendamm tatsächlich beleben werden.

FÜRST am Kurfürstendamm
Auf dem Gelände des früheren Ku’damm-Karrees entsteht das Stadtquartier FÜRST mit Büros, Hotel, Theater, Gastronomie, Einzelhandel und Fitnessangeboten.

Quellen: FÜRST Berlin, Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, Abgeordnetenhaus Berlin, Schriftliche Anfrage 19/25911, Kleihues + Kleihues, Tagesspiegel

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One Comment

  1. Löwe 25. September 2026 at 22:57 - Reply

    Zitate:“Kulturelles Zentrum bleibt die Komödie am Kurfürstendamm. Der neue Saal entsteht unterirdisch. Die Projektgesellschaft nennt derzeit 630 Plätze.“

    Jürgen Wölffer: Vorher hatten wir mehr, weil wir ein Theater mit 600 Plätzen und eins mit 800 hatten. https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/2024/10/jubilaeum-100-jahre-komoedie-am-kurfuerstendamm-berlin-interview-martin-juergen-woelffer.html

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