Für die laufende Modernisierung des Kraftwerks Charlottenburg sollen zehn gesunde Rosskastanien am Spreeufer gefällt werden. Umweltinitiative und Bezirksamt äußern deutliche Kritik, während die Berliner Energie und Wärme GmbH an den Plänen festhält.

Am Spreeboard in Charlottenburg laufen derzeit Bauarbeiten am Heizkraftwerk. Nun könnten für weitere Baucontainer zehn gesunde Bäume gefällt werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Mitten in einer Phase steigender Temperaturen und zunehmender Diskussionen über die Anpassung Berlins an den Klimawandel sorgt ein Bauvorhaben in Charlottenburg für Kontroversen. Am Spreebord, unmittelbar neben dem Heizkraftwerk Charlottenburg, sollen nach aktuellen Planungen zehn gesunde Rosskastanien gefällt werden. Die Fläche wird nach Angaben der Berliner Energie und Wärme GmbH (BEW) für Baustellencontainer benötigt, die im Zuge der umfassenden Modernisierung des Kraftwerksstandorts aufgestellt werden sollen.
Gegen die Pläne regt sich Widerstand. Der Verein BaumEntscheid hat eine Petition gestartet und einen Offenen Brief veröffentlicht. Auch aus dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf kommt Kritik. Die Frage, ob für eine zeitlich begrenzte Baustellennutzung ausgewachsene Stadtbäume weichen müssen, entwickelt sich damit zu einem Streitfall zwischen Klimaanpassung und Infrastrukturumbau.
Am Spreeufer Charlottenburg: Fällungen für Baustellenlogistik geplant
Das Heizkraftwerk Charlottenburg zählt zu den wichtigsten Fernwärmestandorten Berlins. Die BEW investiert rund 750 Millionen Euro in die Modernisierung der Anlage am Spreeufer. Geplant sind unter anderem drei neue Gasturbinenanlagen, vier Elektro-Heißwassererzeuger sowie weitere technische Einrichtungen. Die Inbetriebnahme der neuen Anlagen ist für 2028 vorgesehen. Das Projekt gilt als wichtiger Baustein für den Kohleausstieg und die langfristige Dekarbonisierung der Berliner Fernwärmeversorgung.
Nach Angaben der BEW wird die Fläche am Spreebord während der Bauphase als Baustelleneinrichtungsfläche benötigt. Dort sollen unter anderem Büro-, Aufenthalts- und Sanitärcontainer für Beschäftigte untergebracht werden. Das Unternehmen verweist darauf, verschiedene Alternativen geprüft zu haben. Aufgrund der räumlichen Situation auf dem historischen Kraftwerksgelände habe sich jedoch keine praktikable Lösung ergeben.
BaumEntscheid kritisiert Verlust gesunder Altbäume
Der BaumEntscheid hält die geplanten Fällungen für nicht nachvollziehbar. „Wie kann man im Jahr 2026, mitten in der Klimakrise und unmittelbar vor einer Extremhitzewelle, ernsthaft auf die Idee kommen, gesunde und ausgewachsene Stadtbäume für eine temporäre Baustelleneinrichtung zu opfern?“ fragt Vereinsinitiator Heinrich Strößenreuther. Ferner warnt er:
„Die größten Opfer dieser Entscheidung sind nicht die zehn Bäume. Die größten
Opfer sind die Berlinerinnen und Berliner, denen aufgrund solcher Entscheidungen über Jahrzehnte hinweg Schatten und Kühlung fehlen werden.“
Besonders kritisch sieht die Initiative, dass es sich nach eigener Darstellung um vitale Rosskastanien handelt. Gesunde Exemplare dieser Baumart seien in Berlin inzwischen vergleichsweise selten, da viele Bestände unter Krankheiten und Schädlingsbefall leiden. Zudem argumentiert der Verein, dass Ersatzpflanzungen die ökologischen Funktionen ausgewachsener Bäume auf absehbare Zeit nicht ersetzen könnten. Die von der BEW angekündigten Ersatzpflanzungen – nach bisherigen Angaben voraussichtlich 19 neue Bäume – werden daher als unzureichender Ausgleich bewertet.

Am Spreeufer befinden sich derzeit bereits Baustellencontainer. An einem Zaun hängt ein Schild, das über „Baumschutz auf Baumstellen“ informiert. Nun könnten zehn gesunde Rosskastanien gefällt werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Bezirksamt fordert erneute Prüfung von Alternativen
Auch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf stellt die geplanten Fällungen infrage. Nach Medienberichten hat sich die Verwaltung mehrfach gegen den Eingriff ausgesprochen und fordert eine vertiefte Prüfung alternativer Standorte für die Baustellencontainer. Aus Sicht des Bezirks sei nicht ausreichend nachgewiesen worden, dass andere Flächen oder bestehende Gebäude in der Umgebung nicht genutzt werden können.
Die BEW betont dagegen die Notwendigkeit der Maßnahmen für die Umsetzung des Kraftwerksumbaus. Eine Unternehmenssprecherin erklärte der Berliner Morgenpost, man sei sich der Bedeutung jedes gesunden Baumes bewusst, sehe nach Prüfung aller realistischen Möglichkeiten jedoch keine praktikable Alternative. Ob die Fällungen tatsächlich umgesetzt werden, ist derzeit jedoch noch offen.
BEW Projektbüro zieht auf die Mierendorffinsel
Parallel zum Kraftwerksumbau richtet die BEW ein neues Projektbüro in unmittelbarer Nähe ein. Das Unternehmen hat rund 1.250 Quadratmeter Bürofläche im Neubau „AERA“ an der Darwinstraße angemietet. Von dort aus soll künftig die Modernisierung und Weiterentwicklung des Kraftwerksstandorts begleitet werden.

Das Büroprojekt „AERA“ in Berlin-Charlottenburg auf der Mierendorffinsel verfügt über einen großen Dachgarten und neue Büroflächen für die BEW. / © Foto: Real I.S. AG Gesellschaft für Immobilien Assetmanagement
HKW Charlottenburg
Quellen: BaumEntscheid Berlin, BEW Berliner Energie und Wärme GmbH, Landesamt Berlin, rbb24, Berliner Morgenpost
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3 Kommentare
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Wann endlich werden die Prioritäten angepasst?! Waren Sie mal draußen in den letzten Tagen…?
Wir wollen/müssen in dieser Stadt leben und brauchen mehr Grün, auf keinen Fall weniger, dieses Vorhaben ist unverantwortlich!
Bitte Stoppen sie es!!!
Da kann man doch nur annehmen, dass die Hitze zu Kopf gestiegen ist.
Hier geht es zu der Petition gegen die Baumfällungen: https://weact.campact.de/petitions/offener-brief-erhalt-der-zehn-gesunden-rosskastanien-am-spreebord-sichern-umplanen-statt-fallen