Im Berliner Bezirk Reinickendorf entstehen derzeit mehrere neue Wohnprojekte, vom studentischen Wohnen bis hin zu Eigentumswohnungen am Wasser. Die Entwicklungen zeigen, wie unterschiedlich Nachverdichtung und Neubau im Berliner Nordwesten gestaltet werden können.

© Foto Titelbild: depositphotos.com / laranik

 

Mit mehr als 260.000 Einwohnerinnen und Einwohnern zählt der Bezirk Reinickendorf zu den großen Verwaltungsbezirken der Hauptstadt. Charakteristisch sind die Kontraste zwischen urbanen Quartieren wie dem Märkischen Viertel und dörflich geprägten Ortsteilen wie Lübars.

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Historisch gewachsen, verändert sich Reinickendorf stetig, auch durch neue Bauprojekte, die Wohnraum für unterschiedliche Zielgruppen schaffen sollen. Fünf Beispiele zeigen, wie vielfältig sich dieser Wandel gestaltet.

1. „Alt-Wittenau“: Gefördertes Wohnen für junge Menschen an der Roedernallee

Baustelle Wohnquartier in Reinickendorf. Rohbau eingerüstet, umgeben von Bauzäunen

Eine Photovoltaikanlage, Gemeinschaftsräume und eine integrierte Altbauschmiede ergänzen das Wohnquartier für Studierende und Auszubildende. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

An der Roedernallee in Wittenau entsteht ein neues Wohnquartier für Studierende und Auszubildende. Nur neun Monate nach der Grundsteinlegung konnte die landeseigene GESOBAU bereits das Richtfest feiern. Bis zum Sommer 2026 sollen 105 Wohnungen mit 242 Wohnplätzen bezugsfertig sein. Die Mieten liegen bei rund 320 Euro pro Platz, zuzüglich Pauschalen für Nebenkosten.

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Die Wohnformen reichen von Einzelapartments bis hin zu WGs für vier Personen. Alle Einheiten verfügen über Küche, Bad und Balkon oder Terrasse. Neben den Wohnungen entstehen auch Gewerbeflächen, unter anderem für einen REWE-Markt.

2. Eigentum am Schäfersee: Klassisch wohnen mit Seeblick

Eigentumswohnungen am Schäfersee: Der Neubau an der Brienzer Straße präsentiert sich mit einer hell verputzten Fassade und dezentem Stuck. Große Fenster, klare Linien und klassische Balkone prägen das Erscheinungsbild des sechsgeschossigen Gebäudes.

Der Neubau an der Brienzer Straße präsentiert sich mit einer hell verputzten Fassade und dezentem Stuck. Große Fenster, klare Linien und klassische Balkone prägen das Erscheinungsbild des sechsgeschossigen Gebäudes. Hier sind 28 Eigentumswohnungen entstanden, einige davon mit Blick auf den nahen Schäfersee. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

An der Brienzer Straße 59 in Reinickendorf wurden 28 Eigentumswohnungen fertiggestellt. Der Neubau mit klassisch inspirierter Fassade grenzt direkt an den Schäfersee, ein denkmalgeschütztes Gartendenkmal aus den 1920er Jahren. Die Einheiten sind zwischen 30 und 123 Quadratmeter groß und sprechen unterschiedliche Haushaltsgrößen an.

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Das Gebäude verfügt über ein Blockheizkraftwerk, barrierefreien Zugang und einen begrünten Innenhof. Einige Wohnungen bieten direkten Blick auf den See. Parallel zum Bau wurde auch die Parkanlage landschaftlich überarbeitet. Neue Wege, Sichtachsen und ein Aussichtsbalkon sollen die Aufenthaltsqualität weiter verbessern.

3. Cité Foch als Teil der Wohnraumoffensive im Berliner Nordwesten

Grauer Neubau in der Cité Foch, viele Fenster, keine Balkone, simple Gestaltung. Im Vordergrund ein Baustellenschild

Das Quartier in der früheren französischen Alliiertensiedlung soll durch behutsame Nachverdichtung neuen Wohnraum schaffen und die Umgebung aufwerten. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

In der Cité Foch in Berlin-Reinickendorf entstehen im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) rund 600 neue Wohnungen. Erste Gebäude sind bereits fertiggestellt, weitere sollen folgen. Geplant sind zusätzlich rund 300 Wohneinheiten, darunter auch bezahlbarer Wohnraum.

Doch derzeit stockt das Projekt, weil der ursprünglich vorgesehene Schulneubau kurzfristig gestrichen wurde. Ohne ausreichende Schulplätze für die künftigen Familien darf der Bebauungsplan nicht in Kraft treten, ein rechtlich bindendes Erfordernis. Eine verkleinerte Holzmodulschule durch die landeseigene HOWOGE ist nun als Zwischenlösung im Gespräch, reicht laut Bezirksamt aber nicht aus. Solange keine dauerhafte Lösung gefunden ist, liegt der nächste Bauabschnitt auf Eis.

4. Schumacher Quartier: GESOBAU und DEGEWO realisieren Mietwohnungen in Tegel

Visualisierung des Schumacher Quartiers - Blick von oben

Das Schumacher Quartier umfasst eine Fläche von rund 46 Hektar im Osten des ehemaligen Flughafengeländes. Es gilt als eines der ambitioniertesten Wohnungsbauprojekte Berlins und vereint ökologische, soziale und städtebauliche Aspekte. / © Visualisierung: Tegel Projekt GmbH

Das Schumacher Quartier in Berlin-Tegel ist eines der größten Wohnungsbauprojekte in Reinickendorf und Berlin. Auf dem ehemaligen Flughafengelände sollen insgesamt über 5.000 Wohnungen für rund 10.000 Menschen entstehen. Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften GESOBAU und DEGEWO beteiligen sich am Bau. GESOBAU plant rund 330 Wohnungen, DEGEWO baut 320 Wohnungen. Etwa die Hälfte der Wohnungen wird mietpreisgebunden, um soziale Durchmischung zu fördern.

Neben ressourcenschonender Holzbauweise sind eine nachhaltige Energieversorgung, Regenwassermanagement im Schwammstadt-Prinzip und ein autoarmes Mobilitätskonzept zentrale Bestandteile des Projekts. Der Baustart für die DEGEWO-Wohnungen ist für August 2026 vorgesehen, für die GESOBAU-Wohnungen Anfang 2027. Die ersten Wohnungen sollen ab Mitte 2028 bezugsfertig sein.

5. In Berlin-Heiligensee entsteht ein nachhaltiges Quartier mit seniorengerechtem Wohnraum

Baustelle mit Bagger bereiten den Baugrund vor. Das vorherige Produktionsgebäude wurde bereits vollständig abgetragen.

Nach jahrelangem Leerstand und Vandalismus wurden die alten Produktionsgebäude vollständig abgetragen. Neben einer Quartiersgarage mit bis zu 250 Stellplätzen sind Sharing-Angebote, Fahrradstellflächen und öffentlich zugängliche Spielplätze geplant. /© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Das ehemalige Tetra-Pak-Gelände an der Hennigsdorfer Straße in Berlin-Heiligensee soll ab 2026 in ein neues Wohnquartier mit rund 600 landeseigenen Mietwohnungen umgewandelt werden. Die Industriefläche liegt am nordwestlichen Stadtrand nahe der Grenze zu Brandenburg und war seit 2013 ungenutzt. Nun plant die GEWOBAG, hier ein nachhaltiges Quartier mit seniorengerechtem Wohnraum und Mobilitätskonzept zu realisieren.

Das geplante Quartier am nördlichen Stadtrand soll nicht nur Wohnraum schaffen, sondern auch mit einem durchdachten Mobilitäts- und Freiflächenkonzept punkten. Dennoch gibt es Kritik am Konzept, insbesondere wegen der ausbaufähigen ÖPNV-Anbindung und der zunächst knappen Stellplatzanzahl. Der Baustart ist für 2026 vorgesehen.

Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Gesobau, DEGEWO, Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Architektur Urbanistik Berlin, Berliner Morgenpost, Bezirksamt Reinickendorf, aim Architektur Management, Busse & Partner Partnergesellschaft mbH, Gewobag

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One Comment

  1. Eveline Behrendt 11. September 2025 at 00:39 - Reply

    Seit sechs Jahren suche ich in Heiligensee eine bezahlbare, seniorengerechte Wohnung, um der Einsamkeit im Alter zu entgehen, denn meine Kinder und Enkel wohnen dort. Der Bebauungsplan ist vielversprechend und die offene Bauweise bildet eine schöne Verbindung zur Natur.Für mich ein großer Hoffnungsschimmer, dort eine Wohnung zu bekommen.
    Viele Grüße E. Behrendt

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