Hitze belastet Städte immer stärker. Diese fünf Baumaßnahmen sorgen für kühlere Städte – von Lehm über mehr Grün bis zu hellen Oberflächen. Ein Überblick.

Das Bild zeigt ein mehrgeschossiges Wohnhaus mit einer Fassade aus Lehmputz sowie großzügigen Balkonen und Terrassen. Natürliche Baustoffe wie Lehm können das Raumklima verbessern und sind Teil nachhaltiger Baumaßnahmen für kühlere Städte bei zunehmender Hitze.

Das Wohngebäude in Berlin-Weißensee setzt auf natürliche Baustoffe wie Lehm und zeigt, wie klimaangepasste Baumaßnahmen dazu beitragen können, Gebäude und Städte besser vor Hitze zu schützen.

© Titelbild: Drees & Sommer SE

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Hitze setzt Städten besonders zu. Asphalt, Beton und dichte Bebauung speichern Wärme und geben sie nachts wieder ab. Dadurch entstehen sogenannte Wärmeinseln. Fachleute setzen deshalb zunehmend auf Baumaßnahmen, die Gebäude und öffentliche Räume auf natürliche Weise kühlen.

1. Bäume pflanzen gegen Hitze: Mehr Schatten senkt die Temperaturen

Zu sehen ist die Burgemeisterstraße in Berlin-Tempelhof, gesäumt von Bäumen.

Die geplante Nachpflanzung von Straßenbäumen ist ein zentraler Baustein, um die Ziele des Berliner Klimaanpassungsgesetzes zu erreichen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Straßenbäume zählen zu den wirksamsten Instrumenten der klimaangepassten Stadtentwicklung. Sie reduzieren die Oberflächentemperaturen durch Verschattung und kühlen ihre Umgebung zusätzlich über die Verdunstung von Wasser aus Blättern und Boden.

Gerade in dicht bebauten Quartieren können begrünte Straßenräume dazu beitragen, sogenannte Hitzeinseln deutlich abzuschwächen und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu verbessern. Ergänzend gewinnen weitere Maßnahmen wie begrünte Pergolen, Sonnensegel oder überdachte Haltestellen an Bedeutung, insbesondere an stark frequentierten Orten.

Das Beratungsunternehmen Drees & Sommer empfiehlt deshalb, Verschattung bereits in der frühen Quartiersplanung systematisch mitzudenken. Besonders Schulhöfe, Spielplätze sowie Plätze mit hoher Aufenthaltsintensität profitieren von einer konsequenten Begrünung und einem ausreichend großen Anteil schattenspendender Bäume.

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2. Helle Materialien gegen Hitze: Sie heizen sich weniger auf

Die Visualisierung zeigt die beiden Wohngebäude des Neubauprojekts an der Allee der Kosmonauten 129 in Marzahn. Zwischen den Gebäuden entstehen Grünflächen, Wege und Aufenthaltsbereiche für die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner der 180 Wohnungen.

Die Visualisierung zeigt die beiden geplanten Wohngebäude an der Allee der Kosmonauten in Marzahn mit dem begrünten Innenbereich zwischen den Häusern. / © Visualisierung: Renderopus

Neben zusätzlichem Stadtgrün spielt auch die Wahl geeigneter Baumaterialien eine entscheidende Rolle bei der Anpassung an steigende Temperaturen. Dunkle Oberflächen wie Asphalt absorbieren einen Großteil der Sonneneinstrahlung und speichern die Wärme über viele Stunden hinweg, wodurch sich Straßen und Plätze auch nachts nur langsam abkühlen.

Helle Dächer, Fassaden und Pflasterflächen reflektieren dagegen einen größeren Anteil der Sonnenenergie und tragen dazu bei, die Oberflächentemperaturen deutlich zu reduzieren. Gleichzeitig setzen Stadtplaner zunehmend auf wasserdurchlässige Beläge, die Niederschläge im Boden versickern lassen und die natürliche Verdunstung fördern.

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Dadurch bleibt mehr Feuchtigkeit im Untergrund erhalten, was das Mikroklima verbessert und die Aufheizung stark versiegelter Stadträume wirksam begrenzen kann. Die Kombination aus reflektierenden Materialien und einer wassersensiblen Oberflächengestaltung gilt inzwischen als wichtiger Bestandteil klimaresilienter Stadtentwicklung.

3. Alter Baustoff gegen Hitze: Lehm erlebt als Baustoff ein Comeback

Das Bild zeigt Lehm, Hanf und Kalk als natürliche Baustoffe für Baumaßnahmen, die Hitze reduzieren und kühlere Städte ermöglichen.

Natürliche Baustoffe wie Lehm, Hanf und Kalk spielen beim klimaangepassten Bauen gegen Hitze wieder eine größere Rolle. / © Foto: janpaulsfotografie

Natürliche Baustoffe wie Lehm, Hanf und Kalk gewinnen beim klimaangepassten Bauen wieder an Bedeutung. Vor allem Lehm kann Temperaturspitzen im Gebäude abmildern. Das Material besitzt eine hohe Wärmespeicherfähigkeit und kann Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und später wieder abgeben. Dadurch bleibt das Raumklima über den Tag hinweg ausgeglichener.

In traditionellen Lehmbauten, etwa in Westafrika oder im Südwesten der USA, tragen dicke Wände, natürliche Lüftung und die Materialeigenschaften gemeinsam dazu bei, Innenräume auch bei hohen Außentemperaturen angenehm zu halten. Lehm allein sorgt dabei nicht für Kühlung, kann aber Temperaturschwankungen deutlich reduzieren.

In Deutschland kommt Lehm vor allem als Innenputz, Wandbaustoff oder in Kombination mit natürlichen Materialien wie Hanf und Kalk zum Einsatz. Auch Berliner Unternehmen entwickeln inzwischen ökologische Baustoffe auf Basis von Hanf und Kalk, um klimafreundliches Dämmen und Bauen voranzubringen.

4. Hitze schon bei Planung bedenken: Gebäude können sich selbst kühlen

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Begrünte Fassaden können signifikant zur Kühlung von Gebäuden beitragen. / © Foto: Mobilane

Ein wirksamer Hitzeschutz beginnt bereits lange vor der Fertigstellung eines Gebäudes. Durch eine klimaangepasste Planung lassen sich Aufheizungseffekte deutlich reduzieren, ohne dass zusätzliche technische Kühlung erforderlich wird.

Entscheidend sind unter anderem die Ausrichtung der Gebäude, ihre gegenseitige Verschattung sowie die Anordnung von Straßen und Freiräumen, damit Frischluft auch in dicht bebaute Quartiere gelangen kann.

Gleichzeitig beeinflussen die Größe und Position der Fenster den Wärmeeintrag erheblich: Große Glasflächen erhöhen insbesondere an Süd- und Westfassaden die sommerliche Aufheizung, weshalb Planer häufig auf ausgewogene Fensteranteile, außenliegenden Sonnenschutz und gut gedämmte Gebäudehüllen setzen. Werden diese Faktoren frühzeitig berücksichtigt, sinkt nicht nur der Kühlenergiebedarf, sondern auch die Belastung der Bewohnerinnen und Bewohner während langanhaltender Hitzeperioden.

Auch begrünte Gebäude können eine große Rolle spielen. Begrünte Fassaden können beispielsweise dazu beitragen, Gebäude im Sommer zu kühlen und Temperaturschwankungen an der Gebäudeoberfläche zu reduzieren. Gleichzeitig können Pflanzen Feinstaub binden, die Luftqualität verbessern und zusätzliche Lebensräume für Insekten schaffen.

5. Grün und Wasser wirken gemeinsam

Visualisierung des Rathausforums.

Visualisierung der künftigen Ufergestaltung am Rathausforum in Berlin-Mitte mit Blick auf das Rote Rathaus und den Fernsehturm, die den Stadtraum als prägende Landmarken der historischen Mitte rahmen. / © Grün Berlin GmbH

27Visualisierung der künftigen Ufergestaltung am Rathausforum in Berlin-Mitte mit Blick auf das Rote Rathaus und den Fernsehturm, die den Stadtraum als prägende Landmarken der historischen Mitte rahmen. / © Grün Berlin GmbHEinzelne Maßnahmen entfalten ihre größte Wirkung erst dann, wenn sie zu einem vernetzten Gesamtsystem zusammengeführt werden. Parks, Straßenbäume, begrünte Dächer und Fassaden sowie Wasserflächen wie Teiche, Kanäle oder Regenwasserspeicher beeinflussen das Stadtklima auf unterschiedliche Weise und ergänzen sich gegenseitig.

Während Vegetation Schatten spendet und durch Verdunstung kühlt, tragen Wasserflächen und ein intelligentes Regenwassermanagement dazu bei, Feuchtigkeit länger im Stadtraum zu halten und die Umgebungstemperaturen zu senken.

Gleichzeitig verbessern begrünte Freiräume die Luftqualität, fördern die Biodiversität und erhöhen die Aufenthaltsqualität in dicht bebauten Quartieren. Fachleute sprechen deshalb zunehmend von einer blau-grünen Infrastruktur, die Grün- und Wasserflächen als zusammenhängendes System versteht und als wesentlichen Baustein einer klimaresilienten Stadtentwicklung gilt.

 

Quellen: Drees & Sommer, Deutschlandfunk, National Geographic, Deutsches Architektenblatt

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5 Kommentare

  1. M.Hillen 27. Juni 2026 at 11:49 - Reply

    Bäumepflanzen zur Verbesserung des Stadtklimas ist doch keine neue Erkenntnis … Im Berlin der Kaiserzeit war es in Neubaugebieten sogar gesetzlich vorgeschrieben, in den neu gebauten Straßen beidseitig alle 16 Meter einen Baum zu pflanzen…
    Und im heutigen Berlin? Beispiel Torstrasse in Mitte: da sollen im Zuge des autogerechten, komplett vierspurigen Umbaus der Straße deutlich mehr Bäume gefällt werden, als Neupflanzungen zum Ausgleich vorgesehen sind (Vorgesehene Baumfällungen 32 bis 40, vorgesehene Neupflanzungen nur 24 Bäume). Die schöne neue Welt mit mehr Grün und Lebensqualität ist in Berlin zum Großteil nur unseriöse Propaganda und hat mit der Realität, wie sie sich heute darstellt bzw wie sie in aktuellen Plänen vorgesehen ist nichts bzw nicht viel zu tun. Jüngstes Beispiel: der neue Otto-Weidt-Platz und Park in der Europa City: viel zu viel versiegelte Fläche, viel zu wenig Bäume… Ebenso der Promenaden- und Uferweg am Kanal auf der Seite der Europa City: Asphalt, nahezu komplett ohne Bäume.
    Reinstes städtebauliches Totalversagen, allerjüngst geplant und realisiert! Man glaubt es nicht, wenn man es nicht selbst gesehen hat. Das ist das reale neue Berlin jenseits der dusseligen und unglaubwürdigen Propaganda, die uns eine grünere und lebenswertere Stadt versprechen möchte.
    Zur Kaiserzeit war Berlin schöner. Die Plätze, die Strassen, die Parkanlagen. Die Häuser, die Architektur.
    Heute: Seelenlosigkeit wohin man schaut. Plätze sind Steinwüsten (WashingtonPlatz, Schlossplatz, Gendarmenmarkt), Parks bleiben hinter ihren Möglichkeiten meilenweit zurück (Spreebogenpark, TillaDurieuxPark), Neubaugebiete sind öde und langweilig (Europacity), moderne Architektur ist größtenteils öde und seelenlos (Neubauten westliches Unter den Linden).
    Auch aufwendige Fassadenbegrünungen hier und da werden die seelenlose Moderne nicht wesentlich erträglicher machen. Im übrigen gab es Fassadenbegrünungen selbstverständlich schon zur Kaiserzeit – weniger aufwendig allerdings.

    • M.Hillen 27. Juni 2026 at 16:05 - Reply

      Ganz vergessen zu erwähnen: Die hässlichste Hitzeinsel im heutigen Berlin ist die Spreeuferseite des Humboldtforums (die mit der modernen Rasterfassade). Zu Kaiser Wilhelms Zeiten war genau diese Fassade des damaligen Schlosses durch Rankgewächse idyllisch begrünt…
      Um Hässlichkeit und Betonlastigkeit dieses Teils des Humboldtforums etwas zu relativieren, sollte man über immergrüne Rankgewächse nachdenken (Efeu)… ganz simpel. Wie in den guten alten Zeiten. Und Bäume bitteschön. Ganz viele Bäume am Humboldtforum am Spreeuferweg. Man fragt sich eh, warum das nicht schon längst geschehen ist, um diese hässliche Steinwüste an der Spreeseite des Humboldtforums wenigstens etwas erträglicher zu machen..

    • Ewald Karl 28. Juni 2026 at 12:25 - Reply

      Ich bin richtig begeistert von ihrem Kommentar. Insbesondere finde auch ich, dass es richtig ist, die Spreeseite des Humboldt Forums mit Fassadenbegrünung zu versehen.

  2. Franz 27. Juni 2026 at 13:14 - Reply

    Stimmt. Mehr Grün muss her, mehr Bäume, mehr Grünflächen. Und mehr Brunnen. Und auch sm abgebildeten Rathausforum würde Mehr gehen: mehr Bäume, eine schmalere Spandauer Straße zugunsten von mehr Bäumen (wieso bleibt es eigentlich bei der alten Straßenbreite? Das ist doch irre.) und weniger versiegelte Fläche zwischen Fernsehturm und Spandauer Straße (sollte auch jetzt schon passieren; auch hier ist Berlin wieder ziemlich langsam). Danke gür den Beitrag, aber er sollte mehr Konsequenzen haben.

  3. Mitte-Mitte-Anwohnerin 27. Juni 2026 at 20:32 - Reply

    In der Mitte von Berlin ist extremer Nachholbedarf für Hitzschutzmaßnahmen, insbesondere Bäume. Gerade jetzt bei den Extremtemperaturen ist es in der Innenstadt deutlich heißer als am Stadtrand, wegen zu viel Beton und zu wenig grün/blau.

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