An der Friedrichstraße 245 verfällt seit Jahren ein stillgelegtes Parkhaus. Der frühere Supermarkt ist geschlossen, das Areal wirkt wie eine Brache mitten in der südlichen Friedrichstadt. Nun soll dort ein neues Wohn- und Geschäftshaus mit Hochhausanteil entstehen, begleitet von Kritik und offenen Fragen.

Die ehemalige Parkgarage steht seit Jahren leer und befindet sich unmittelbar gegenüber von Wohnhäusern. Auch der angrenzende Supermarkt ist inzwischen ausgezogen. Das Grundstück wirkt dadurch verwaist und zeigt zunehmend sichtbare Verfallserscheinungen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Zwischen Friedrichstraße, Wilhelmstraße und Franz-Klühs-Straße liegt ein Grundstück, das seit Jahren kaum Impulse setzt. Die Parkgarage ist außer Betrieb. Der EDEKA-Lebensmittelmarkt im Erdgeschoss wurde im Sommer 2023 geschlossen. Zurück blieb ein langgestreckter, niedrig wirkender Baukörper aus Beton. Das Umfeld am Mehringplatz gilt seit Langem als städtebaulich problematisch.
Bereits 2021 kursierten Entwürfe für eine Neubebauung. Das bestehende Parkhaus soll vollständig abgerissen werden. Geplant ist ein Wohn- und Geschäftsgebäude mit Tiefgarage. In frühen Konzepten war zudem ein Beherbergungsbetrieb mit 35 bis 45 Zimmern vorgesehen. Das Projekt erstreckt sich über rund 170 Meter entlang der Franz-Klühs-Straße.
Hochhaus am Mehringplatz in der Kritik: Zwölf Geschosse, Verschattung und offene sanierungsrechtliche Genehmigung
Im Januar 2024 berichtete die Berliner Morgenpost über ein Hochhausvorhaben mit bis zu zwölf Geschossen. Der zuständige Sanierungsbeauftragte kam demnach zu dem Schluss, dass sich das Projekt nicht angemessen in das Umfeld einfüge. Er sehe die Gefahr zusätzlicher Verschattung und schluchtartiger Wege zwischen den Baukörpern. Rund 40 Wohnungen in benachbarten Bestandsgebäuden hätten betroffen sein können.
Vertreterinnen und Vertreter der Anwohnenden bezeichneten das Vorhaben als unzumutbar. Auch der Ausschuss für Stadtentwicklung und Wohnen sprach sich gegen eine sanierungsrechtliche Genehmigung in der vorgelegten Form aus. Zwar liegt eine Baugenehmigung vor, doch im Sanierungsgebiet südliche Friedrichstadt ist zusätzlich eine spezielle Zustimmung erforderlich. Eine Reduzierung der Geschossflächenzahl stand im Raum.
„THE CORE“ an der Friedrichstraße 245: 14-geschossiges Hochhaus mit Serviced Apartments
Inzwischen wird das Projekt unter dem Namen „THE CORE“ vermarktet. Geplant sind 14 Geschosse mit vollständig möblierten Serviced Apartments. Insgesamt sollen 52 Einheiten mit Wohnflächen zwischen 47 und 260 Quadratmetern entstehen. Das Konzept richtet sich an internationale Nutzerinnen und Nutzer, die dauerhaft oder temporär in Berlin wohnen möchten.
Der Verkaufsstart war bereits für den 1. Februar 2026 angekündigt. Die Fertigstellung soll 2028 erfolgen. Neben Wohnungen sind Concierge-Services, Fitness- und Gemeinschaftsbereiche vorgesehen. Damit verschiebt sich der Fokus offenbar von einem klassischen Wohn- und Geschäftshaus hin zu einem hochpreisigen Wohnkonzept mit hotelähnlichen Dienstleistungen.
Mehringplatz in Kreuzberg: Nachverdichtung, Leerstand und Debatte um Maßstab und Nutzung bis 2028
Der Mehringplatz ist seit Jahrzehnten ein Ort städtebaulicher Experimente. Die Nachverdichtung im Umfeld stößt regelmäßig auf Widerstand, zugleich besteht Handlungsbedarf. Das leerstehende Parkhaus gilt vielen als städtebauliches Defizit. Ein Neubau könnte die Situation ordnen und die Erdgeschosszone beleben.
Ob das nun geplante Hochhaus tatsächlich neue Impulse setzt oder die bestehenden Konflikte verschärft, bleibt offen. Bisher war der Status quo von Stillstand geprägt. Mit dem angekündigten Baubeginn und der geplanten Fertigstellung 2028 steht der südlichen Friedrichstadt eine weitere Debatte über Maßstab, Nutzung und soziale Balance bevor.

Das Gebäude befindet sich in direkter Nähe zum Mehringplatz am U-Bahnhof Hallesches Tor. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: The Core Berlin, Berliner Morgenpost, Architektur Urbanistik
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3 Kommentare
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Hoffentlich inkludieren die Service-Leistungen Personenschutz, der könnte in dieser Gegend notwendig sein.
Vielleicht ziehen ja Personen um, die die Wohnung freimachen, die derzeit den Verkehr vom Halleschen Tor kommend behindert und die südliche Friedrichstadt abschließt. Mehr Verkehr macht den Standort offener, sichtbarer und erhöht Sozialkontrolle. Das täte dem Kiez gut. Und in eines der nicht genutzten Geschäfte könnte eine Pilizeiwache einziehen, wie am Alex. Vielleicht wäre das ja ein Ansatz …
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