Der Friedrichstadt-Palast steht seit 2020 ganz offiziell unter Denkmalschutz. Ein neuer Film zeigt Architektur, DDR-Geschichte und überraschende Details des Berliner Theaters.

Die markante Fassade des Friedrichstadt-Palasts an der Friedrichstraße in Berlin-Mitte. Der 1984 eröffnete Theaterbau steht seit 2020 unter Denkmalschutz. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Der Berliner Friedrichstadt-Palast ist vor allem für große Shows, aufwendige Kostüme und seine Kickline bekannt. Doch hinter der Bühne steckt auch ein ungewöhnliches Stück Berliner Baugeschichte. Ein neuer Film des Landesdenkmalamtes zeigt, warum ausgerechnet dieser riesige Theaterbau aus den letzten Jahren der DDR heute als Denkmal geschützt ist.
- Bezirk: Mitte
- Adresse: Friedrichstraße 107, 10117 Berlin
- Status: Revuetheater in Betrieb, seit 2020 Baudenkmal
- Eröffnung: April 1984
Der heutige Friedrichstadt-Palast entstand nicht als langfristig vorbereitetes Prestigeprojekt. Sein Vorgängerbau am Schiffbauerdamm musste am 29. Februar 1980 wegen schwerer statischer Probleme schließen. Damit verlor die DDR kurzfristig eines ihrer wichtigsten Unterhaltungstheater. Doch schon wenig später begann an der Friedrichstraße 107 der Neubau.
Friedrichstadt-Palast entstand mitten in der DDR-Mangelwirtschaft
Der Neubau stellte die Planer vor ein ungewöhnliches Problem. Anfang der 1980er Jahre fehlten in der DDR Geld, Baustoffe und technische Kapazitäten. Der damalige Oberbauleiter Jürgen Ledderboge berichtet im neuen Denkmalfilm etwa, dass eine ursprünglich vorgesehene Glasfassade wegen fehlender materieller Voraussetzungen nicht umgesetzt werden konnte. Stattdessen erhielt das Gebäude seine markante Verkleidung aus Betonfertigteilen. Sichtbeton mit Travertinzusatz erzeugt dabei einen steinähnlichen Eindruck.
Auch im Inneren improvisierten die Beteiligten. Ein besonders ungewöhnliches Beispiel sind die Leuchten im Foyer. Für sie verwendeten die Bauleute Glasröhren, die ursprünglich aus milchverarbeitenden Betrieben stammten. Die Oberflächen wurden nachbearbeitet und geätzt. Viele dieser Leuchten gehören noch heute zur Ausstattung des Hauses. Der große Kronleuchter wurde später rekonstruiert.
Gleichzeitig sollte der Palast keineswegs wie ein gewöhnlicher DDR-Plattenbau aussehen. Bogenformen, farbige Glasbausteine und dekorative Fassadenelemente greifen Motive von Jugendstil und Art déco auf. Trotzdem blieb die industrielle Bauweise sichtbar. Das Landesdenkmalamt wertet genau diese Verbindung als besondere Qualität. Der Bau markiere zugleich Höhe- und Endpunkt der repräsentativen DDR-Paläste.

Der Friedrichstadt-Palast bei einsetzender Dunkelheit: Die beleuchteten Fassadenelemente und farbigen Glasflächen prägen das Erscheinungsbild des denkmalgeschützten Revuetheaters. / © Foto: Landesdenkmalamt Berlin / Anne Herdin
Vom Großen Schauspielhaus zum neuen Friedrichstadt-Palast
Die Geschichte des Theaters reicht jedoch deutlich weiter zurück. 1919 eröffnete Max Reinhardt das von Hans Poelzig umgestaltete Große Schauspielhaus. Wegen seiner expressionistischen Innenarchitektur bekam es den Beinamen „Tropfsteinhöhle“. Ab 1924 prägte Erik Charell mit seinen Revuen die weitere Entwicklung. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten musste Reinhardt Deutschland verlassen; 1934 eröffneten die Nationalsozialisten das Haus als „Theater des Volkes“. Seit 1947 trägt die Institution den Namen Friedrichstadt-Palast.
Beim Abriss des alten Hauses 1985 fanden Arbeiter Teile der gusseisernen Konstruktion der früheren Markthalle. Einige Relikte stehen heute vor dem neuen Palast. Im Gebäude selbst erinnert die Gestaltung ebenfalls bewusst an den Vorgänger. So führt der Weg vom Foyer zunächst nach oben und anschließend wieder hinunter in den großen Saal – ähnlich wie einst im Großen Schauspielhaus.

Seitliche Ansicht des denkmalgeschützten Friedrichstadt-Palasts in Berlin-Mitte an der Friedrichstraße. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Seit 2020 ist der gesamte Friedrichstadt-Palast ein Denkmal
Nach der Wiedervereinigung war die Zukunft des riesigen Revuetheaters keineswegs sicher. In den 1990er Jahren geriet das Haus in eine schwere Krise, selbst ein Abriss stand zeitweise zur Diskussion. Heute präsentiert sich die Situation völlig anders: Der Friedrichstadt-Palast nennt jährlich rund 700.000 Gäste. Die knapp 3.000 Quadratmeter große Spielfläche ermöglicht weiterhin aufwendige Produktionen mit Wasser, Eis und beweglichen Bühnenelementen.
Am 31. August 2020 stellte das Landesdenkmalamt den Friedrichstadt-Palast aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen unter Schutz. Dabei geht es nicht allein um die Fassade. Auch Foyer, Zuschauersaal und Bühne gehören zum Denkmal.
Gerade der weitgehend erhaltene Zustand macht das Gebäude für die Denkmalpflege besonders wertvoll. Der neue Film zeigt damit einen Friedrichstadt-Palast, den das Publikum während einer normalen Vorstellung kaum zu Gesicht bekommt: als technische Großanlage, Zeugnis der späten DDR und bis heute intensiv genutztes Theater.
© Foto Titelbild: DDR-Museum
Friedrichstadt-Palast
Quellen: YouTube/ Landesdenkmalamt Berlin, Denkmaldatenbank Berlin, Friedrichstadt-Palast Berlin
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