Zwischen Baugerüsten und Bohrgeräuschen entsteht am Bahnhof Frankfurter Allee in Berlin-Friedrichshain ein völlig neues Ring-Center. Bis 2027 soll das in den 1990er Jahren errichtete Einkaufszentrum heller, grüner und vielseitiger nutzbar werden. Für die im Gebäude ansässigen Gewerbetreibenden ist der Umbau, der bei laufenden Betrieb umgesetzt wird, ein enormer Stresstest.

Der Umbau des Ring-Centers in Friedrichshain markiert das Ende des Gebäudes als klassisches Einkaufszentrum. Bis 2027 verwandelt sich der Bau aus den 1990er-Jahren in ein zeitgemäßes Hybrid-Gebäude. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

 

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Wer derzeit am Bahnhof Frankfurter Allee aus- oder umsteigt, sieht schnell das große, eingerüstete Gebäude, welches direkt in Bahnhofsnähe steht – und in dem derzeit ganz offensichtlich sehr umtriebig gebaut wird. Unter den Planen und Gerüsten befindet sich das Ring-Center, welches derzeit nach Plänen des Architekturbüros Graft aufwendig umgebaut und modernisiert wird.

Das gesamte Einkaufszentrum befindet sich westlich („Ring-Center I“) und östlich („Ring-Center II & III“) der Ringbahn, die zwischen den bestehenden Gebäuden verläuft. Das Ring-Center wurde im Oktober 1995 westlich der Ringbahn eröffnet. Architekten waren damals Hentrich-Petschnigg & Partner International aus Berlin sowie Jost Hernig und Manfred Stanek aus Hamburg. Nachträglich wurde diesem Gebäudeteil der Name „Ring Center I“ gegeben, denn 1997 und 2005 wurden auf der östlichen Seite der Ringbahn zwei Erweiterungen realisiert.

Einkaufszentrum Ring-Center in Friedrichshain: Viele Flächen standen schon lange leer

Längst hatte auch dieses Einkaufszentrum mit den üblichen Problemen zu kämpfen, mit denen alle Shopping Malls und klassischen Kaufhäuser seit mehreren Jahren konfrontiert sind: ausbleibende Kunden und damit einhergehend großflächiger Leerstand innerhalb des Gebäudes.

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Daher soll die Einzelhandelsfläche zwar nicht gänzlich aus dem Gebäude verschwinden, dafür aber deutlich reduziert werden. Im Zuge der nun laufenden Arbeiten soll das „Ring-Center I“ großflächig umgebaut werden. Der Umbau wird allerdings bei laufendem Betrieb durchgeführt, das Ring-Center ist für Kunden und Besucher weiterhin zugänglich – wenn auch unter erschwerten Bedingungen.

Das „Ring-Center I“ wird bei laufendem Betrieb umgebaut – Kunden haben weiterhin Zugang zum Gebäude

Denn das Einkaufszentrum an der Grenze zwischen Friedrichshain und Lichtenberg gleicht nicht nur außen, sondern auch im Inneren einer Großbaustelle. Gerüste ziehen sich bis in die Pettenkoferstraße, ein Kranarm ragt über das Gebäude, der Zugang zum Haupteingang ist abgesperrt. Der Bürgersteig ist vollständig überbaut, an den Fassaden prangen Graffiti und Spuren von herablaufender Flüssigkeit.

Innen zeigt sich ein ähnliches Bild: Decken sind freigelegt, Bohrgeräusche hallen durch die Hallen, zwischen Netzen und Rolltreppen arbeiten Handwerker. Viele Läden im Erdgeschoss sind geschlossen oder wurden innerhalb des Hauses verlagert. Lediglich einige Geschäfte im Unter- und Obergeschoss haben noch geöffnet.

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Frankfurter Allee: Der geplante Umbau soll bis zum Sommer 2027 abgeschlossen werden

Bis Sommer 2027 soll das Gebäude vollständig modernisiert worden sein. Geplant sind eine neue Sprinkleranlage, sanierte Stockwerke und ein helles, zeitgemäßes Erscheinungsbild. Die Investitionssumme liegt laut Berliner Morgenpost im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

Das künftige Raumprogramm sieht einen klaren Schwerpunktwechsel vor: Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen werden sich künftig auf die unteren Etagen konzentrieren, während die oberen Geschosse für Büros, Arztpraxen und ein Fitnessstudio vorgesehen sind. Der Flächenanteil für Einzelhandel sinken von bisher rund 50 Prozent auf etwa ein Drittel.

Mehr Fenster: Bauherr Kintyre will die Architektur der 1990er Jahre deutlich auffrischen

Der Umbau wird nach Vorstellungen des Bauherren Kintyre umgesetzt. Dabei soll auch die überholte Architektur der 1990er Jahre deutlich aufgefrischt werden. So werden im neuen Gebäude deutlich mehr Fenster untergebracht als bislang. Der Bestandsbau wird dafür nicht abgerissen, sondern umgebaut.

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Dafür mussten Graft Architects einige Kompromisse eingehen, denn die ursprünglich geplanten großen Fensterfronten und auch die Pflanzung von Bäumen auf dem Gebäudedach können nicht so umgesetzt werden, wie es in der Entwurfsphase noch vorgesehen war. Die Gebäudesubstanz gebe das schlichtweg nicht her.

Friedrichshain: Das neue Ring-Center soll deutlich heller und grüner werden – und mehr Eingänge erhalten

Dennoch soll das neue Ring-Center deutlich heller und auch grüner werden als der bisherige Bau. Im Erdgeschoss sollen neben einem Bio-Markt zusätzliche gastronomische Angebote einziehen. Und auch die Zugangssituation soll verbessert werden.

Vor allem die Erschließung zur und aus Richtung der S-Bahn soll baulich großzügig verbreitert werden und künftig ebenfalls auf die zentrale Erdgeschossebene führen, anstatt derzeit ausschließlich ins Obergeschoss.

„Ring-Center II und III“: Autobahnbau und Hochhauspläne kommen auf das Einkaufszentrum zu

Die bestehenden Gebäude östlich der Ringbahn, „Ring Center II“ und „Ring Center III“, sollen allerdings vorerst so bleiben, wie sie sind. Bevor eine Neuplanung dieser Gebäude sinnvoll angegangen werden kann, müsste wohl auch erst einmal geklärt werden, in welcher Form die geplante Verlängerung der A100 am oder über das Ring-Center verlaufen soll.

Zudem ist auf einem Teil des Grundstücks noch ein weiteres Hochhaus mit einer Höhe von 128 Metern geplant, für das ein Teil des Ring-Centers weichen soll. Von diesen Planungen ist der Umbau des „Ring Center I“ aber erst einmal nicht betroffen.

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© Visualisierung: GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH

Quellen: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Berliner Morgenpost, GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH, Der Tagesspiegel, Wikipedia, Hentrich-Petschnigg & Partner International, Jost Hernig und Manfred Stanek, Kintyre

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