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An der Rudolfstraße in Berlin-Friedrichshain ist ein weiteres Hochhausprojekt geplant. Der Berliner Senat hat dafür die Planungshoheit vom Bezirk übernommen, um ein 140 Meter hohes Gebäude mit Wohn- und Gewerbeflächen zu realisieren. Während die Senatsverwaltung darin eine Chance für zusätzlichen Wohnraum sieht, formiert sich Protest aus der Nachbarschaft und vom Bezirk.
Neben der Warschauer Brücke freiliegendes Grundstück auf dem ein Hochhaus gebaut werden soll.

Das Baugrundstück an der Rudolfstraße liegt unmittelbar an der Warschauer Brücke. Doch braucht es dort tatsächlich ein weiteres Hochhaus? Während der Senat darin eine Chance für zusätzlichen Wohnraum sieht, warnt der Bezirk vor übermäßiger Verdichtung und spekulativen Entwicklungen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Bernd Schwabe, CC BY-SA 4.0

 

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Der Berliner Senat will an der Rudolfstraße 17–18 in Friedrichshain ein Hochhaus mit einer Höhe von rund 140 Metern errichten lassen. Geplant ist ein gemischt genutztes Quartier mit bis zu 500 Wohnungen, Gewerbeflächen und zusätzlichen Blockrandbebauungen. Nach Angaben der Senatsverwaltung sollen rund 50.000 Quadratmeter für Wohnen und 25.000 Quadratmeter für sozialen Wohnungsbau vorgesehen sein. Der Rest entfällt auf Gewerbe. 

Um das Vorhaben zu beschleunigen, hat der Senat das Bebauungsplanverfahren V-67 an sich gezogen. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hatte zuvor eine deutlich niedrigere Bebauung mit Schwerpunkt auf Gewerbe vorgeschlagen. Ein Kompromissvorschlag des Bezirks reichte der Senatsverwaltung nicht aus.

Kritik aus Bezirk und Nachbarschaft: Sorge vor steigenden Mieten und fehlender Beteiligung in Friedrichshain

Baustadtrat Florian Schmidt äußerte Kritik an der Entscheidung. Aus seiner Sicht entstehe für vergleichsweise wenig bezahlbaren Wohnraum sehr viel Baumasse. Er wies darauf hin, dass nur die Hälfte der geplanten Wohnungen sozial gefördert sei, während der Rest hochpreisig vermarktet werden könne. Zudem bemängelte Schmidt, dass zentrale Vorgaben des Berliner Hochhausleitbilds nicht berücksichtigt worden seien und eine frühzeitige Bürgerbeteiligung fehle.

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Auch aus der Nachbarschaft gibt es Widerstand. Die Initiative Laserkiez sieht in dem Projekt ein Prestigevorhaben, das Mieten und Lebenshaltungskosten in der Umgebung steigen lasse. Sie fordert stattdessen die konsequente Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, die Anerkennung von Bezirksentscheidungen und den Verzicht auf die systematische Übernahme von Bauvorhaben durch den Senat.

Geplante Protestaktionen gegen Hochhaus- und Hotelprojekt in Friedrichshain-Kreuzberg

Die Initiative hat mehrere Aktionen angekündigt. Am Donnerstag den, 14. August soll eine Kundgebung vor der SPD-Landesgeschäftsstelle in Wedding stattfinden, um gegen den Entzug der Planungshoheit zu protestieren. Für den 11. Oktober ist zudem eine Demonstration in Friedrichshain geplant, vom Standort des geplanten Hochhauses bis zu einem weiteren umstrittenen Bauprojekt in der Laskerstraße, wo ein Hotel entstehen soll.

Nach Angaben der Initiative ist auch dieses Hotelprojekt bei Anwohnenden, Clubs und dem Bezirk umstritten. Dennoch habe der Senat das Vorhaben gebilligt. Beide Projekte stehen für die Kritiker sinnbildlich für eine Stadtentwicklungspolitik, die aus ihrer Sicht Investoreninteressen über die Bedürfnisse der Anwohnerinnen und Anwohner stellt.

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Verdichtung rund um die Warschauer Brücke sorgt für Debatte über Gentrifizierung und Stadtentwicklung

Das geplante Hochhaus an der Rudolfstraße wäre nicht das einzige neue Projekt im direkten Umfeld. Bereits realisiert ist der „EDGE East Side“ Tower, der Amazon als Hauptmieter beherbergen wird. Auf dem benachbarten RAW-Gelände plant die Kurth-Gruppe zudem ein rund 100 Meter hohes Gebäude mit einer Mischung aus Gewerbe und Kulturflächen.

Mit diesen Projekten verändert sich das Stadtbild rund um die Warschauer Brücke deutlich. Während die Befürworterinnen und Befürworter eine Verdichtung mit neuen Wohn- und Arbeitsplätzen sehen, warnen Kritikerinnen und Kritiker vor einer weiteren Aufwertung des Quartiers, die bestehende Strukturen und soziale Angebote verdrängen könnte.

Club am Ostkreuz "About Blank" mit Schild "No Heart for a Hotel"

In Berlin-Friedrichshain genehmigte der Senat trotz Widerstands aus dem Bezirk ein Hotelprojekt an der Laskerstraße neben dem Club ://about blank. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: Laserkiez, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Kurth Real Estate, Berliner Morgenpost, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Tagesspiegel

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4 Kommentare

  1. M.Hillen 13. August 2025 at 17:20 - Reply

    In der größten Metropole einer der größten Volkswirtschaften der Welt möchte irgendein Investor ein kleines Hochhäuschen von nur 140 m bauen … und die lautesten Dorfbewohner von Friedrichshain-Kreuzberg kriegen Schnappatmung..Herrlich.. Was für eine Provinzposse.. Wer in der Hauptstadt lebt, der sollte auch hauptstadttauglich sein.. Ansonsten: raus aufs Dorf (oder wieder zurück ins Dorf), würde ich sagen..

  2. Ken 13. August 2025 at 21:17 - Reply

    Upsi… wir brauchen dringend Wohnungen.
    Oje, da baut doch wirklich einer ’nen ganzes Bündel und dann auch noch zentral wo der ÖPNV & die Nahversorgung schon da ist.

    Neee, sowat dat geht aber nicht… pöse, pose,
    pöse…

  3. Cardiac 18. August 2025 at 17:53 - Reply

    Kann mal jemand ne Gegendemo organisieren? Ich würde kommen. Ich hab echt kein Bock mehr auf diese NIMBYs (nichts anderes sind die nämlich).

  4. Kyle 5. Oktober 2025 at 19:45 - Reply

    Ich finde es toll! Wenn so viele gegen Wohnungen auf dem Tempelhofer Feld stimmen – wo sollen sie denn sonst entstehen? Es reicht mit dieser „Hauptsache-dagegen“-Mentalität. Wir brauchen Wohnungen, und momentan nutzt sowieso niemand diesen Platz! Tolle Idee.

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