Friedrichshain-Kreuzberg will beim Wirtschaftsverkehr neue Wege gehen. Der Bezirk hat gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Urbanistik ein Konzept vorgelegt, das auf weniger Emissionen, gebündelte Lieferungen und eine effizientere Logistik setzt. Ziel ist es, die Versorgung zu sichern und zugleich die Lebensqualität im dicht besiedelten Bezirk zu erhöhen.
Im Bezirk Friedrichshain wurden schon viele Bereiche und Straßen verkehrsberuhigt.

An der Revaler Straße und an der Boxhagener Straße wurden bereits Kiezblocks eingerichtet, die den Durchgangsverkehr reduzieren und neue Lieferzonen schaffen. Die Maßnahmen zeigen, wie sich Verkehrsberuhigung und eine bessere Organisation des Wirtschaftsverkehrs miteinander verbinden lassen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Der Wirtschaftsverkehr macht rund ein Drittel des städtischen Verkehrs in Berlin aus. In verdichteten Quartieren wie Friedrichshain-Kreuzberg ist der Anteil noch höher. Der Bezirk nimmt zwar nur 2,76 Prozent der Berliner Fläche ein, verursacht aber etwa 7 Prozent des Wirtschaftsverkehrs der Hauptstadt.

Allein in Kreuzberg werden täglich 16.000 Pakete zugestellt, was rund 200 Lieferfahrten pro Tag bedeutet. Vor diesem Hintergrund hat das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) im Auftrag des Bezirks ein Konzept entwickelt, das Emissionen senken und die Effizienz erhöhen soll.

Lieferverkehr in Friedrichshain-Kreuzberg: Bündelung und Umschlagplätze als Schlüssel zur Entlastung

Ein zentrales Element des Konzepts ist die Bündelung von Lieferungen. Laut Analyse könnte die Zahl der Fahrten dadurch um 20 bis 40 Prozent sinken. Ergänzend dazu schlägt das Difu die Einrichtung eines Urban Consolidation Centers vor. Dort könnten Waren von großen Transportern auf kleinere, emissionsfreie Fahrzeuge umgeladen werden.

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Damit würde nicht nur die Verkehrsbelastung verringert, sondern auch die Versorgung auf der sogenannten „letzten Meile“ besser organisiert. Die Ansätze sollen dazu beitragen, das Logistiksystem nachhaltiger und zugleich lebensverträglicher zu gestalten.

Gesamtstrategie für Wirtschaftsverkehr: Zusammenarbeit von Bezirk, Senat und Unternehmen in Friedrichshain-Kreuzberg

Die Maßnahmen entfalten nach Ansicht der Fachleute nur Wirkung, wenn sie in eine Gesamtstrategie eingebettet werden. Dafür ist eine enge Zusammenarbeit mit Senatsverwaltungen, Unternehmen und Logistikdienstleistern erforderlich. Der Bezirk will hier eine Vorreiterrolle einnehmen und aktiv Partner einbinden.

Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann betonte, dass eine effizientere und klimafreundlichere Logistik allen Bewohnerinnen und Bewohnern zugutekomme. Sie kündigte an, auch auf Best-Practice-Beispiele anderer Städte zu schauen und langfristige Lösungen zu entwickeln.

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Kiezblocks und Lieferzonen: Erste Projekte für stadtverträglichen Wirtschaftsverkehr laufen bereits im Bezirk

Das Berliner Mobilitätsgesetz bildet den rechtlichen Rahmen für diese Ansätze. Es verlangt, dass Wirtschaftsverkehr stadtverträglich organisiert werden muss, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Bereits laufende Projekte im Bezirk, etwa die Einrichtung von Kiezblocks oder die Umgestaltung von Lieferflächen, greifen ähnliche Ziele auf.

Dazu gehört auch, Gewerbetreibende stärker in die Planungsprozesse einzubeziehen und die Infrastruktur an veränderte Bedürfnisse anzupassen. Die bezirkliche Wirtschaftsförderung spielt dabei eine zentrale Rolle.

Neue Ladezonen und E-Fahrzeuge: Bezirk plant Modellprojekte für nachhaltige Logistik

In den kommenden Jahren will der Bezirk konkrete Pilotprojekte umsetzen. Geplant sind unter anderem neue Lade- und Lieferzonen, die verstärkte Nutzung emissionsfreier Fahrzeuge und die Entwicklung von Logistiklösungen für wachsende Quartiere.

Ziel ist es, den Wirtschaftsverkehr nicht nur funktional zu halten, sondern zugleich die Lebensqualität im öffentlichen Raum zu verbessern. Damit könnte Friedrichshain-Kreuzberg zu einem Modellbezirk für nachhaltige Wirtschaftslogistik werden.

Schild auf dem steht: Verkehrsberuhigung Schritt fahren!

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Quellen: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg

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