Im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg verändert die Verkehrswende den Graefekiez spürbar. Neue Maßnahmen zeigen Wirkung, führen aber auch zu Konflikten im Alltag.

Vorfahrt für Radfahrende und Fußgänger, Autofahrerinnen und Autofahrer haben das Nachsehen: Am Lausitzer Platz in Berlin-Kreuzberg wurde eine umfassende Verkehrsberuhigung durchgesetzt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Der Graefekiez im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat Vorbildfunktion: Der dicht bebaute Bereich rund um die Graefestraße gilt seit Jahren als Modellraum für neue Mobilitätskonzepte. Mit dem Projekt „Xhain bewegt sich“ will das Bezirksamt den Autoverkehr reduzieren und den öffentlichen Raum neu verteilen. Eine neue Studie zeigt, dass das Projekt durchaus Wirkung zeigt – allerdings nicht uneingeschränkt positiv.

  • Projekt: „Xhain bewegt sich“
  • Ort: Graefekiez in Friedrichshain-Kreuzberg
  • Ziel: Reduktion des Autoverkehrs, Förderung von Rad- und Fußverkehr
  • Maßnahmen: Reduzierung von Parkplätzen, Verkehrsberuhigung, Fahrradstraßen
  • Studienergebnis: 9 Prozent der Haushalte haben ihr Auto abgeschafft

Konkret entstehen mehr verkehrsberuhigte Bereiche im Graefekiez, Fahrradstraßen und Maßnahmen zur Verkehrslenkung. Durch modale Filter und Einbahnstraßenregelungen soll der Durchgangsverkehr aus dem Kiez fernbleiben. Gleichzeitig stärkt der Bezirk den Fuß- und Radverkehr. Diese Maßnahmen greifen ineinander und verändern die Nutzung der Straßen sichtbar.

Eine repräsentative Studie des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung liefert erstmals belastbare Zahlen. Laut Verkehrsforscher Andreas Knie sind seit 2023 insgesamt 712 Parkplätze im Kiez umgewidmet worden.

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Damit handelt es sich nach seinen Angaben um die bislang größte Umwidmungsaktion dieser Art in Deutschland. Alle betroffenen Flächen gelten rechtlich als entwidmet, eine Rückkehr zum ursprünglichen Zustand ist ausgeschlossen.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg setzt im Graefekiez auf klimaresiliente Straßenräume – doch der Umbau der Blücherstraße sorgt zugleich für Kritik und Anpassungsdruck.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg setzt im Graefekiez auf klimaresiliente Straßenräume – doch der Umbau der Blücherstraße sorgt zugleich für Kritik und Anpassungsdruck. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Graefekiez-Studie zeigt Veränderungen im Mobilitätsverhalten

Die aktuelle Untersuchung zeigt, dass die Maßnahmen im Graefekiez Wirkung entfalten. Demnach haben rund neun Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner ihr Auto abgeschafft. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass viele Menschen bereit sind, ihr Mobilitätsverhalten anzupassen, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern.

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Die Bereitschaft zur Veränderung sei vorhanden, wenn Alternativen zuverlässig funktionieren. Viele Haushalte würden stärker auf Fahrrad, ÖPNV und Sharing-Angebote setzen. Doch die Untersuchung zeigt auch, dass solche Veränderungen Zeit brauchen und stark vom jeweiligen Wohnumfeld abhängen.

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Trotz messbarer Fortschritte führt die Verkehrswende im Graefekiez auch zu Spannungen. Gewerbetreibende berichten von erschwerten Lieferbedingungen. Einige Anwohner, vor allem Autobesitzer über 50 Jahre, kritisieren den Wegfall von Parkplätzen. Gleichzeitig begrüßen andere Bewohner die ruhigeren Straßen und die verbesserte Aufenthaltsqualität.

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Verkehrskonzept „Xhain bewegt sich“ als langfristige Strategie

Das Konzept „Xhain bewegt sich“ bildet die Grundlage für die Veränderungen in Friedrichshain-Kreuzberg. Es sieht vor, den motorisierten Individualverkehr schrittweise zu reduzieren und gleichzeitig nachhaltige Mobilität zu fördern. Dabei setzt der Bezirk auf eine Kombination aus Infrastrukturmaßnahmen und Beteiligungsverfahren.

Langfristig soll der öffentliche Raum neu organisiert werden. Straßenflächen, die bisher vom Autoverkehr dominiert werden, sollen stärker für Begegnung, Grünflächen und sichere Wege genutzt werden. Der Graefekiez dient dabei als Testgebiet und nimmt dabei auch eine Vorbildrolle ein. Gleichzeitig zeigt das Projekt, welche Probleme eine solche Anpassung der Verkehrsströme und öffentlichen Straßenräume mit sich bringt.

Graefekiez (Friedrichshain-Kreuzberg)

Quellen: Berliner Morgenpost, ADFC

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One Comment

  1. Mobilist 19. April 2026 at 10:42 - Reply

    Wenn man ohne Auto besser von A nach B kommen würde, dann würde ich es ernsthaft auch abschaffen. Aber in Berlin scheitert es ja schon daran ohne totgefahren zu werden von Schöneberg nach Wilmersdorf zu radeln (zum Beispiel auf der Grunewaldstr, wo der Radweg an der Ortsgrenze endet, obwohl quasi 300m dahinter eine stark frequentierte Fahrradstraße folgt). Busse stehen im Stau, S-Bahn fährt nicht, U-Bahn voll, heißt,laut, stinkt und voller Penner. Was soll man da machen…

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