Mit den ersten heißen Tagen dieses Sommers ist erneut deutlich geworden, wie stark versiegelte Flächen das Stadtklima belasten. Friedrichshain-Kreuzberg setzt deshalb seine Entsiegelungsoffensive fort und plant für 2026 mehrere neue Projekte im öffentlichen Raum. Sie sollen Regenwasser zurückhalten und die Aufenthaltsqualität im Bezirk verbessern.

Straßenkreuzung mit Pflasterbelag, Pollern und Straßenlaternen.

Die Enckestraße an der Ecke zur Besselstraße: Hier plant der Bezirk 2026 den Umbau und die Entsiegelung von rund 630 Quadratmetern. / © Foto: Wikimedia Commons, Lotse, CC BY-SA 3.0

© Titelbild: Wikimedia Commons, Assenmacher, CC BY-SA 3.0 

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Im vergangenen Jahr hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg bereits 4.130 Quadratmeter Fläche entsiegelt. Diesen Kurs führt er 2026 fort, denn versiegelte Böden lassen kein Regenwasser mehr versickern und heizen sich an heißen Tagen besonders stark auf. Deshalb rücken vor allem größere zusammenhängende Flächen in den Fokus der Planungen.

Das umfangreichste Vorhaben betrifft die Bödikerstraße. Dort wandelt der Bezirk rund 1.000 Quadratmeter ehemaliger Fahrbahnfläche um, sodass Regenwasser künftig wieder direkt im Boden versickern kann. Zusätzlich soll die Maßnahme im Umbau der Enckestraße mit etwa 630 Quadratmetern fortgesetzt werden.

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Schulzonen und Gehwege: Weitere Maßnahmen im Bezirk

Gleich mehrere Projekte konzentrieren sich auf Schulzonen, weil dort Kinder besonders häufig der Hitze ausgesetzt sind. In der Halleschen Straße entsiegelt der Bezirk rund 230 Quadratmeter, am Petersburger Platz etwa 80 Quadratmeter. In der Scharnweberstraße entstehen zudem grüne Gullys auf rund 60 Quadratmetern.

Daneben sanieren die Verantwortlichen Gehwege und vergrößern Baumscheiben, etwa in der Dolziger Straße auf rund 100 Quadratmetern. In der Liebigstraße kombiniert der Bezirk eine Gehwegsanierung ebenfalls mit Entsiegelung, hier auf rund 170 Quadratmetern. So sollen auch Stadtbäume künftig besser mit Wasser versorgt werden.

Zeil der Entsiegelung: Die Bezirksstadträtin äußert sich

Annika Gerold, Bezirksstadträtin für Verkehr, Grünflächen, Ordnung und Umwelt, erklärte, gerade an Tagen mit Temperaturen um die 40 Grad spüre man unmittelbar, welchen Unterschied entsiegelte Flächen machten. Wo Asphalt die Hitze speichere, entstünden Belastungsräume, während sich die Stadt dort spürbar abkühle, wo entsiegelt werde. Die Maßnahmen seien deshalb kein Detail, sondern zentral für Gesundheit, Aufenthaltsqualität und eine klimaresiliente Stadt.

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Das Bezirksamt ordnet die Projekte als Beitrag zur Berliner Klimaanpassungsstrategie ein. Zugleich sollen sie das sogenannte Schwammstadt-Prinzip stärken, nach dem Städte Regenwasser vor Ort speichern, statt es über die Kanalisation abzuleiten.

Hintergrund und Wirkung: Warum Entsiegelung wichtig ist

In Berlin sind bereits knapp 34 Prozent der Landesfläche versiegelt, weshalb Entsiegelung als wichtiger Baustein der Klimaanpassung gilt. Nicht jede Fläche eignet sich dafür allerdings gleichermaßen, denn befinden sich Altlasten wie Schwermetalle im Boden, muss dieser vor einer Entsiegelung ausgetauscht werden, damit das Grundwasser nicht verschmutzt.

Versickert Regenwasser hingegen ungehindert, bildet sich daraus neues Grundwasser, aus dem laut Angaben etwa ein Drittel des Berliner Trinkwassers stammt. Außerdem verdunstet das Wasser im Sommer und kühlt so die Umgebungsluft, was besonders Stadtbäumen zugutekommt, die unter Trockenstress leiden.

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Bödikerstraße
Dolziger Straße
Enckestraße
Hallesche Straße
Liebigstraße
Petersburger Platz
Scharnweberstraße

Quellen: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Berliner Regenwasseragentur, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

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5 Kommentare

  1. M.Hillen 14. Juli 2026 at 09:09 - Reply

    Toll, kann man nur begrüßen. Da gibt es bestimmt noch viel zu tun. Zum Beispiel auch zwischen Fernsehturm und Humboldtforum (inkl. der unnötig breiten Spandauer Strasse)…

  2. M.Pätsch 15. Juli 2026 at 03:54 - Reply

    Jawohl raus mit den scheiß Autos und alles entsiegeln!!!!!!!!!
    Weiter so.

  3. Eva 15. Juli 2026 at 08:07 - Reply

    Wir alle wissen um die „Aufenthaltsqualität“ in Kreuzberg. Dreck, Drogen ungepflegte Grünflächen. Das Bezirksamt bekämpft Bürger, die Auto fahren.

  4. Mario 15. Juli 2026 at 09:01 - Reply

    Interessant an all diesen Plänen ist ja, dass man heute schon kaum mit der Pflege der Grünflächen hinterherkommt. Man erinnere sich an die Auswirkungen des kleinen Sturms 2025, da musste die Bundeswehr helfen, damit die öffentlichen Grünflächen überhaupt wieder betreten werden konnten. Kreuzberg und seine Grünflächen sind zusätzlich ein weiteres trauriges Beispiel.

    Es ist wieder typisch Berlin: Man will rennen, ohne das Laufen gelernt zu haben. In vorauseilender Gutmenschen-Manier möchte man sich hier selbst beweisen, wie fortschrittlich man doch ist. All diese Projekte sind eigentlich immer in die Hose gegangen. Warum schafft man nicht erst mal die Voraussetzungen für die Bewirtschaftung einer klimaresilienten Stadt? Warum kümmert man sich nicht erst mal um das Vorhandene, denn da gibt es weiß Gott viel zu tun.

    • Fred 21. Juli 2026 at 20:48 - Reply

      Erst letzte Woche hat auf dem Nachbarportal „nebenan.de“ ein Anwohner bemängelt, dass die Bäume in Betonklötzen, die der Bezirk K’ber-F’hain vor wenigen Jahren im Rahmen des Umbaus der Dannecker zur „Klimastraße“ hat aufstellen lassen, allesamt vertrocknen! Mittlerweile hat der Bezirk bestätigt, die gesamte Straße nach dem gleichen Motte auszubauen. Mehr tote Bäume braucht das Land!

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