Rund um die Warschauer Straße in Berlin-Friedrichshain sind drei neue Hochhäuser geplant, doch der Bezirk stemmt sich gegen Schnellverfahren, fehlende Beteiligung und drohenden Flächenverlust für das Gewerbe. Am kommenden Montag berät nun das Berliner Baukollegium über die Entwicklung der Quartiere rund um die Warschauer Brücke.

Auf dem RAW-Gelände soll in den kommenden Jahren ein etwa 100 Meter hohes Gebäude entstehen – es ist eines von mehreren Hochhausprojekten, die an der Warschauer Straße entstehen könnten. / © Visualisierung: Kurth Real Estate / Holzer Kobler Architekturen, mit Atelier Loidl Landschaftsarchitekten
© Foto Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT (Collage: mit KI erstellt)
Wird der Bereich um die Warschauer Brücke in Berlin-Friedrichshain in den kommenden Jahren zu einem neuen Hochhaus-Hotspot in Berlin? Nach aktuellem Planungsstand könnten an der Warschauer Straße zwischen Uber Arena, Revaler Straße, Rudolfkiez und RAW-Gelände drei weitere Hochhäuser hinzukommen.
Mit dem schon fertiggestellten Hochhaus „EDGE East Side“ könnten damit vier Gebäude mit einer Höhe von mindestens 100 Metern auf vergleichsweise dichtem Terrain stehen. Dieses Szenario ist nicht so utopisch, wie es auf den ersten Blick erscheint – doch der Teufel steckt im Detail.
Warschauer Straße in Friedrichshain: Entstehen drei weitere Hochhäuser an der Bahntrasse?
Nach dem Entzug der Planungshoheit für das Grundstück Rudolfstraße 18/19 treibt der Berliner Senat derzeit den Bau eines 140 Meter hohen Turms eines privaten Investors voran. Begründet wird das Vorgehen vor allem mit dem Bedarf an neuem Wohnraum. Der Bezirk bemängelt jedoch, dass der Anteil an bezahlbaren Wohnungen zu gering sei und das Vorhaben vor allem den Interessen von Investoren diene. Neben dem Turm an der Rudolfstraße plant der Senat aber offenbar noch ein weiteres Projekt unter dem Namen „The HUB“.
Das über 120 Meter hohe Gebäude soll als Gegenstück zum bestehenden „EDGE East Side“ auf der Ostseite der Warschauer Brücke entstehen. Laut Bezirk würde das Vorhaben die städtebauliche Prägung des Areals auf Jahrzehnte hinaus bestimmen. Nach Informationen des Tagesspiegel steht hinter dem Projekt die Anschutz-Gruppe, die in den 2000er Jahren unter anderem verantwortlich für den Bau der heutigen Uber Arena war.
„Rudolfband“ in Friedrichshain: Bezirk verweist auf bestehendes Entwicklungskonzept
Die Verantwortlichen in Friedrichshain betonen, dass für das Gebiet ein städtebauliches Konzept erarbeitet wurde, das gemeinsam mit Senatsverwaltungen, der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer entstanden ist. Ziel sei es gewesen, wohnortnahes produzierendes Gewerbe zu sichern. Auf dieser Grundlage sei ein Entwicklungskonzept für das sogenannte „Rudolfband“ erstellt worden, an dem auch die Öffentlichkeit beteiligt war.
Aus Sicht des Bezirks unterlaufen die beiden Hochhausprojekte diese Planungsgrundlagen. Zudem handele es sich um ein Areal mit hoher denkmalpflegerischer Bedeutung, das ein historisches Ensemble darstellt. Die nun diskutierten Bauvorhaben würden die letzten größeren Gewerbeflächen im Kiez gefährden, die für die Produktion geeignet sind und den Stadtteil seit dem frühen 20. Jahrhundert geprägt haben.
Hochhäuser an der Warschauer Straße: Bezirksstadtrat äußert Kritik an Verfahren und fehlender Beteiligung
Bezirksstadtrat Florian Schmidt kritisiert, dass die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Projekte ohne ausreichende Abstimmung mit dem Bezirk vorantreibe. Er warf der Verwaltung vor, in nicht-öffentlichen Verfahren Bebauungspläne aufzustellen und Wettbewerbsverfahren zu starten, die aus seiner Sicht übereilt und intransparent seien.
Während Befürworter in den Hochhausprojekten eine dringend nötige Antwort auf den akuten Wohnungsmangel in Berlin sehen, betont Schmidt weiterhin, dass ein öffentlicher Diskurs zu sozialen und städtebaulichen Auswirkungen bislang nicht stattfinde, obwohl dies bei Projekten dieser Größenordnung üblich sei.
Er forderte den Senat auf, die Planungshoheit des Bezirks zu respektieren und das Abgeordnetenhaus in die Verantwortung zu nehmen. Nur so könnten die Interessen der Bevölkerung gewahrt und eine ausgewogene Entwicklung ermöglicht werden. Wie sich der Konflikt zwischen Senat und Bezirk weiterentwickelt, bleibt nun vorerst abzuwarten.
Friedrichshain: Anschutz-Gruppe plant 120-Meter-Hochhaus mit dem Namen „THE HUB“
Die Pläne für das oben bereits erwähnte Projekt „THE HUB“ sollen am Montag im Baukollegium vorgestellt werden. Noch liegt das Planungsrecht beim Bezirk, doch Baustadtrat Florian Schmidt (Die Grünen) sah die Einladung ins Gremium als Signal des Senats für das Projekt.
Er äußerte daher schon im Vorfeld mehrfach scharfe Kritik an dem Vorhaben und erklärte, es solle offenbar ein Bebauungsplan in einem intransparenten Schnellverfahren erstellt und ein Wettbewerbsverfahren überhastet eingeleitet werden, was er als unseriös einstufte. Ob das Baukollegium dieses Vorhaben unterstützt, ist derzeit noch nicht bekannt – am Montagabend wird es hier voraussichtlich schon mehr Gewissheit geben.
RAW-Gelände an der Revaler Straße: Der Bau des geplanten Hochhauses ist derzeit unsicher
Auch die Grundstücksentwicklung auf dem populären RAW-Areal entlang der Revaler Straße ist zwischenzeitlich deutlich ins Stocken geraten. 2019 wurde ein Aufstellungsbeschluss gefasst, der Büros, Gewerbe sowie soziokulturelle und gemeinwohlorientierte Nutzungen vorsah.
Bezirk und Investor, das Unternehmen Kurth Real Estate, arbeiteten zunächst eng zusammen, doch seit Juni 2024 ruht das Verfahren offensichtlich. Damals zog der Vorhabenträger seine Bereitschaft zur gemeinsamen Erarbeitung des Bebauungsplans zurück.
Laut Bezirksamt werde nun auch eine Wohnbebauung geprüft, eine Festsetzung des Plans bis 2026 sei jedoch kaum realistisch. Investor Lauritz Kurth wirft dem Bezirk laut Tagesspiegel mangelnde Kooperationsbereitschaft vor und kritisiert abgesagte Termine sowie schleppende Bearbeitung. Ob und wann das geplante Hochhaus realisiert wird, bleibt also weiterhin unklar.
Abwehrhaltung gegen Hochhauspläne: Spielt der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg auf Zeit?
So wird rund um die Warschauer Straße um den möglichen Bau von drei weiteren Hochhäusern gerungen. Die beteiligten Konfliktparteien – Berliner Senat und private Investoren auf der einen Seite, der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg auf der anderen Seite, stehen sich zunehmend unversöhnlich gegenüber. Im Bezirksamt dürfte die Gewissheit vorherrschen, dass der Berliner Senat letztendlich am längeren Hebel sitzt.
Aber vielleicht versucht der Bezirk so lang Zeit zu gewinnen, bis sich die Mehrheitsverhältnisse im Roten Rathaus wieder verändert haben, denn im kommenden Jahr ist immerhin schon wieder die Wahl des neuen Abgeordnetenhauses. Eine schnelle Umsetzung der kolportierten Pläne ist damit in jedem Fall nicht zu erwarten.

Ein weiteres Hochhaus auf dem RAS-Gelände: So könnte die Umgestaltung aussehen, doch Bezirk und Investor sind darüber mittlerweile uneins, das Verfahren ruht. / © Visualisierung: Kurth Real Estate / Holzer Kobler Architekturen, mit Atelier Loidl Landschaftsarchitekten

Bekommt das Hochhaus „EDGE East Side“ bald Gesellschaft? Drei weitere Hochhäuser könnten an der Warschauer Straße entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Kurth Real Estate, Holzer Kobler Architekturen, Atelier Loidl Landschaftsarchitekten, EDGE Technologies, Anschutz Entertainment Group, Der Tagesspiegel
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12 Kommentare
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Dann wollen mal hoffen, das diese drei Projekte auch ohne großartige zeitliche Verzögerungen durch den Bezirk realisiert werden können. Der Senat sollte sowieso automatisch bei solch Hochhausprojekten die Planungshoheit inehaben und nicht der jeweilige Bezirk.
Was für ein Unsinn. Bei den Bezirken ist die Planungshoheit viel besser aufgehoben, denn sie sind näher an den Menschen, die dort leben. Der Senat hat sich darum zu kümmern, dass die Infrastruktur funktioniert.
Gewerbe ist also schutzbedürftig?
Andere Städte sind froh wenn dreckige Logistiker und Schrottplätze 3 KM weiter raus aus der dichtbesiedelten Innenstadt zögen. Argument sirkt an den Haaren herbeigezogen. Völlig lächerlich wird es, wenn man bei einem Hochhaus von Flächenreduzierung spricht.
Ich bin ja leidenschaftlicher Anhänger von Hochhäusern und noch mehr von Wolkenkratzern, aber: Der rötliche Hochhausbau ist leider ebenso wie der auf dem mittleren Bild abgebildete rechte Bau ausgesucht hässlich! Was den rechten Bau angeht, erinnert das an die Hochhausarchitektur in Berlin aus den späten 60er Jahren, nur größer, massiver. Was den rötlichen linken Bau angeht, sieht er aus, als wolle er um jeden Preis originell sein. Gelingt ihm auch: Er ist originell hässlich!
Ansonsten gilt: Hoffentlich entzieht der Senat zeitnah dem Bezirk das gesamte Planungsrecht! Die dümmliche politische Verweigerungshaltung des Bezirks ist nicht mehr zu ertragen und nicht mehr hinzunehmen!
@Böhme
„Hoffentlich entzieht der Senat zeitnah dem Bezirk das gesamte Planungsrecht! Die dümmliche politische Verweigerungshaltung des Bezirks ist nicht mehr zu ertragen und nicht mehr hinzunehmen!“
Wofür? Diese Türme werden nicht zur nachhaltigen und sozialen Stadtentwicklung auf positivem und konstruktivem Wege beitragen. Im Gegenteil, sie erschaffen eine Stadtstruktur, die fremd und im wahrsten Sinne des Wortes abgehoben ist. Und das letzte, was Berlin braucht, ist die Amerikanisierung der eigenen Stadtentwicklung durch amerikanische Immobilieninvestoren wie der Anschutz Group. Schaut doch mal über den Ozean, wie dysfunktional die amerikanischen Downtowns sind. Nach Feierabend sind die tot, ausgestorben, völlig leblos. Monofunktionale Stadtentwicklung ist das, wobei man von Stadtentwicklung nicht sprechen kann, sondern von renditegetriebenem Immobilieninvestment.
Die Stadt bleibt auf der Strecke. Städtebauliche Konzepte wie das Rudolfband haben einen Sinn, denn das Bezirksamt hat ja einen Auftrag, nicht nur den Belangen potentieller Investoren gerecht zu werden, sondern in erster Linie vor allem der ansässigen Stadtgesellschaft und deren Bedürfnisse.
Hochhäuser sehen nett aus, wenn man sie von weit weg betrachtet. Und wenn man sich richtig integriert in gesamtheitliche städtebauliche Entwicklungskonzepte, kann das auch gut funktionieren, dafür gibt es ja genügend Beispiele. Aber die Hochhausplanung und generelle Stadtentwicklung rund um die Warschauer Straße ist bisher eine reine Katastrophe. Renditegetriebene Hochhäuser für die Elite, durchgedrückt durch einen in den 90er Jahren steckengebliebenen Senat, der 24/7 ausschließlich an Leuchtturmprojekte denkt anstatt an nachhaltige Stadtentwicklung, passt da natürlich gut ins Bild.
Es ist sehr gut, dass der berüchtigte Baustadtrat Schmidt aus Friedrichshain-Kreuzberg gegen diese investoren-ausgerichtete Stadtplanung mit den ihm zu Verfügung stehenden Mitteln dagegen hält. Beteiligung und iterative Reflexion sind elementar für eine qualitativ hochwertige Stadtplanung.
Berlin muss nicht alles ängstlich abnicken, was Projektentwickler wollen. Wie Berlin aussieht, sollten nicht Projektentwickler und Investoren entscheiden (was sie rund um die Warschauer Straße bisher getan haben mit Ausnahme RAW-Gelände), sondern die Stadt Berlin und die Berliner
Ich stimme Ihnen vollkommen zu
Wow, ich könnte kaum weniger zustimmen.
Aus genau den selben Gründen schaffen wir es übrigens auch kaum erneuerbare Energien oder Bahnstrecken auszubauen.
Sind Sie dann auch dafür dass die lokalen Kommunen alles blockieren können? Wieso soll jeder das Recht haben überall mitreinzureden? Das ist einfach nur komplett unnötige Lobbyarbeit der Anwohner. Nie darf sich was verändern, immer prinzipiell gegen alles sein und dann komisch aus der Wäsche schauen warum Deutschland keinen Fortschritt macht und die Mieten so teuer sind.
Die Vorstellung, dass ein Cluster aus Büro- und Luxus-Wohnhochhäusern die Mieten senken, ist schon reichlich naiv. Auch dass durch den Bau von möglichst vielen Büroflächen automatisch die Wirtschaft profitiert, ist absolut kurzsichtig.
Ich verstehe durchaus, dass Menschen Hochhäuser spannend finden, wer hat nicht als Kind gerne Bausteine aufgetürmt?
Aber einfach so aus Prinzip Türme hinzuklotzen ist ne gealterte KLeinejungsfantasie, sorry…
Au ja, die klassischen Downtowns sind ausgestorben!?! Also: Der Begriff „Downtown“ ist ja in New York begründet worden. Und ich weiß nicht, ob sie in New York waren und wann Sie gegebenenfalls dort unterwegs waren. Aber die New Yorker Downtown ist nicht nach Feierabend ausgestorben! Für Chicago gilt ähnliches.
Und die Hochhauswelt findet längst nicht mehr in den USA statt, sondern in China. Und dort ist auch nix ausgestorben. Im Übrigen wäre das „Ausgestorbensein“ nach Feierabend völlig irrelevant in einer flächengroßen Stadt wie Berlin. Da wird dann in „Downtown“ gearbeitet – und gefeiert im „flachen“ Teil der Stadt.
Man kann endlos darüber diskutieren, wieviel Zuzug diese Stadt verträgt. Aber offensichtlich bleibt zunächst der Druck auf diese Stadt. Boden ist knapp, je knapper er wird, desto unbezahlbarer wird er. Das ist übrigens der Grund, weshalb man irgendwann in den USA, allen voran in New York, anfing, in die Höhe zu bauen.
Und Berlin und vor allem seine Bewohner, insbesondere die aus dem linkswoken Lager, werden lernen müssen, dass das Bruttosozialprodukt eines Landes nicht durch die Bürgergeldempfänger erwirtschaftet wird. Berlin wird also für Wirtschaft attraktiver werden müssen. Und mit Wirtschaft ist nicht die Hinterhofklitsche, die Lastenfahrräder im Handwerk herstellt, gemeint, weil auch die das nötige Geld nicht erwirtschaftet.
Wichtig wäre, dass der Staat das vereinnahmte Geld dann für die Förderung von sozialem Wohnungsbau verwendet statt endlose Milliarden in das Bürgergeld zu stecken!
Der Spruch aus der linken Ecke dieser Gesellschaft, das Geld sei in dieser Gesellschaft falsch verteilt, stimmt – aber völlig anders, als es dieses Lager meint!
Ganz bei Ihnen…
Berlin sollte, wie viele Städte weltweit, ein dafür geeignetes Gebiet haben. Betrachtet man die Lage der Wolkenkratzer auf einer Karte, sieht sie wie ein mehrere Kilometer langer Bogen aus. Berlin ist nicht London, New York oder Frankfurt.
@Böhme: Kann Ihnen nur uneingeschränkt zustimmen.
@sergio: Berlin hat doch bereits ein geeignetes Gebiet für Hochhäuser, dies umschließt das Gebiet innerhalb des S-Bahnrings und am S-Bahnring. Zum Glück ist Berlin nicht London, New York oder Frankfurt, sondern hat ein eigenes unverwechselbares Stadtbild und Flair. Das fängt schon damit an, dass Berlin im Prinzip mit Ost und West zwei Citys und ansonsten bedingt durch die Deutsche Teilung alles mindestens doppelt hat. Es fängt halt mit ein paar Hochhäusern an, aus denen hoffentlich noch viel mehr werden. Durch die elend langen Planungszeiten in Berlin werden wir aber die meisten Bauten in dieser Hinsicht eh nicht mehr erleben.