Das Berliner Baukollegium unterstützt die Pläne für Berlins künftig zweithöchstes Hochhaus an der Warschauer Brücke in Friedrichshain, welches 167 Meter hoch werden soll. Doch Kritik von Bezirk und Anwohnenden zeigt, wie umstritten die Entwicklung bleibt. Für ein zweites Hochhausprojekt mit 120 Metern Höhe gab es hingegen keine Zustimmung vom Gremium.

Mehr Hochhäuser in Friedrichshain? Das Baukollegium segnete überraschend das 167 Meter hohe Wohnhochhaus an der Warschauer Brücke ab. Die Entscheidung entfacht eine hitzige Diskussion über Hochhausentwicklung in Berlin. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

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Erst kürzlich hatten ENTWICKLUNGSSTADT über den möglichen Bau weiterer Hochhäuser an der Warschauer Brücke in Berlin-Friedrichshain berichtet, gestern beschäftigte sich dann das Berliner Baukollegium mit der Thematik. In dieser Sitzung hat das Baukollegium zwei große Bauvorhaben am Standort Warschauer Brücke beraten.

Dabei ging es sowohl um ein 167 Meter hohes Wohnhochhaus als auch um ein 120 Meter hohes Gewerbehochhaus, das den Knotenpunkt an der Rudolfstraße und Warschauer Straße prägen könnte. Beide Projekte versprechen aus Sicht der Befürworter eine städtebauliche Aufwertung, stoßen jedoch auf erhebliche Kritik seitens des Bezirks und der Anwohnerinnen und Anwohner.

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Hochhauspläne an der Warschauer Brücke: Anwohner und Bezirk mit Skepsis

Im Fokus steht insbesondere das geplante Wohnhochhaus an der Rudolfstraße 19. Ursprünglich hatte das Baukollegium die Höhe des Gebäudes auf maximal 90 Meter begrenzen wollen, später wurde über eine Lösung mit 120 Metern diskutiert. Nun liegt jedoch eine Planung für einen 167 Meter hohen Turm vor, der mit 50 Etagen und begrünten Dachflächen Berlins zweithöchster Wolkenkratzer nach dem Estrel Tower werden könnte.

Diese Entwicklung sorgt für erhebliche Irritation. Baustadtrat Florian Schmidt (Die Grünen) sprach von einem „Skandal“ und warf dem Senat vor, die Empfehlungen des Baukollegiums bewusst zu übergehen. Kritikerinnen und Kritiker sehen in der immer weiter steigenden Gebäudehöhe eine „Verdopplung der Maßstäblichkeit“, die nicht mehr zum kleinteiligen Kiezcharakter passt. Hinter dem Projekt steht die Atrium Development Group.

167-Meter-Hochhaus in Friedrichshain? Initiative „Kiez ohne Klotz“ äußert große Bedenken

Auch die Initiative „Kiez ohne Klotz“ äußerte nach der Sitzung große Bedenken. Aus ihrer Sicht würden die Pläne nicht nur an den Interessen der Anwohnenden vorbeigehen, sondern auch die Fachmeinungen der Expertinnen und Experten ignorieren. Kritisiert wird zudem, dass die öffentliche Beteiligung kaum eine Rolle spielt, obwohl das Projekt die Lebensqualität im Quartier erheblich verändern könnte.

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Befürworter des Projekts verweisen auf den großen Bedarf an Wohnraum in Berlin. Von den rund 110.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche sind nach aktuellem Planungsstand rund 80 Prozent für Wohnungen vorgesehen, davon 30 Prozent als geförderter Wohnraum. Kritiker stellen jedoch infrage, ob die Mehrheit der entstehenden Wohnungen tatsächlich für breite Bevölkerungsschichten zugänglich sein wird.

Neues Hochhaus im Rudolfkiez: Ein schlüssiges Verkehrskonzept fehlt bislang

Neben sozialen Aspekten stehen auch Fragen der Mobilität und Infrastruktur im Raum. Zwar ist das Areal an den öffentlichen Nahverkehr hervorragend angebunden, doch eine überzeugende Lösung für den Autoverkehr fehlt bislang. Auch die endgültige Fassadengestaltung und die Platzgestaltung im Umfeld müssen noch ausgearbeitet werden.

Neben dem Wohnhochhaus stand auch das Projekt „The HUB“ der Anschutz Entertainment Group auf der Tagesordnung. Das 120 Meter hohe Hochhaus soll überwiegend gewerblich genutzt werden und versteht sich als Mobilitätshub an der Schnittstelle von S-Bahn, U-Bahn und Warschauer Brücke. Vorgesehen sind nach Vorstellungen der Projektverantwortlichen unter anderem eine Kita, eine Kiezküche und Flächen für Fahrräder.

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Baukollegium lehnt zweites 120-Meter-Hochhaus in Friedrichshain mehrheitlich ab

Das Baukollegium reagierte jedoch zurückhaltend auf dieses Projekt. Aus seiner Sicht lässt sich die besondere Komplexität des Ortes nicht durch ein einzelnes Hochhaus lösen. Vielmehr brauche es ein Gesamtkonzept, das die enormen Fußgängerströme und die enge Verzahnung von öffentlichem und privatem Raum berücksichtigt. Für den Standort seien daher flachere Strukturen denkbar, die stärker in den Kiez eingebunden sind.

Die beiden Vorhaben verdeutlichen die Spannungen zwischen Senat, Bezirk und Investoren. Während der Senat auf großformatige Bauprojekte setzt, um Wohnraum und Arbeitsplätze zu schaffen, fordert der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mehr Rücksicht auf den vorhandenen Stadtraum.

Hochhausprojekte an der Warschauer Brücke: Das Baukollegium ist sich uneins

Das Baukollegium selbst zeigt sich gespalten: Einerseits sieht es die Chance, einen neuen Hochhausstandort zu entwickeln, andererseits warnt es vor einer Überforderung des Quartiers. Ob die ambitionierten Pläne tatsächlich umgesetzt werden, ist derzeit offen, das Baukollegium ist nicht die entscheidende Instanz im Entwicklungsverfahren.

Klar ist jedoch: An der Warschauer Brücke könnten in den kommenden Jahren noch zwei weitere Hochhäuser entstehen, die nicht nur das Stadtbild, sondern auch die politische Diskussion um Berlins Hochhausentwicklung langfristig prägen würden. Ob es tatsächlich zur Umsetzung der Hochhauspläne kommt, hängt auch davon ab, ob es gelingt, Senat, Bezirk, Investoren und Anwohner an einen Tisch zu bringen.

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: Berliner Baukollegium, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Kurth Real Estate, Holzer Kobler Architekturen, Atelier Loidl Landschaftsarchitekten, EDGE Technologies, Anschutz Entertainment Group, Der Tagesspiegel, Anschutz Entertainment Group, Atrium Development Group

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12 Kommentare

  1. Benny 30. September 2025 at 12:49 - Reply

    Ein neues Wohnhochaus – endlich setzt sich Vernunft gegen den NIMBYismus durch! Eine gute Nachricht für alle Wohnungssuchenden in Berlin!

    • Baumbart 30. September 2025 at 17:33 - Reply

      Über 90% davon dürften allerdings jenseits der Mieten dort suchen. Das Ganze dürfte hier im Hochpreissegment liegen und sozusagen den Wohnungssuchenden wenig bis nichts bringen. Das nur als Feststellung, nicht als Wertung.

      • Benny 30. September 2025 at 17:55 - Reply

        @Baumbart es ist nicht ganz nachzuvollziehen, wie du auf die 90% kommst. Natürlich ist die genau Aufteilung noch unklar, aber 30% der Fläche sind ja mindestens preisgebundener Wohnraum. In einigen Artikeln ist sogar von bis zu 250 preisgebundenen Wohnungen die Rede (von insgesamt 500 Wohnungen). Und dazu kommt ja: selbst diejenigen, die im teureren, freifinanzierten Segment einziehen ziehen ja irgendwo anders aus, z.B. aus günstigeren Wohnungen, in die sie vor vielen Jahren mal als Student eingezogen sind (kenne da selber mehrere Beispiele).

  2. Tim 30. September 2025 at 16:14 - Reply

    Mehr Wohnungen sind immer besser als keine Wohnugen. Davon auch noch 30% Sozialwohnungen.

    Direkt neben dem Bahnhof ist hohe Dichte optimal und fördert die autofreie Stadt.

  3. Baumbart 30. September 2025 at 17:29 - Reply

    Übrigens interessant, das würde eine Verlängerung der U1 zum Ostkreuz oder über die Wahrschauer Straße komplett verhindern. Nicht, dass ich diesen Jux je für realistisch gehalten habe. Das Gleiche gilt für die Verlängerung zum Frankfurter Tor und Bersarinplatz.

  4. Jörg Barth 3. Oktober 2025 at 01:42 - Reply

    Interessant, dass das Baukollegium mal einen Wolkenkratzer ohne wenn und aber absegnet.

  5. Philipp 10. Oktober 2025 at 11:48 - Reply

    Die Höhe wirkt auf diverse „Kiez Initiativen“ so unpassend und bedrohlich. Aber scheinbar waren diese noch nie in anderen Großstädten wie Wien, Warschau oder Madrid? Von London oder Frankfurt will ich mal gar nicht reden…Wahnsinn dieser Konservatismus in machen linken Blasen.

  6. Löwe 11. Oktober 2025 at 16:45 - Reply

    Der Bauturbo wurde beschloßen, danach gibt es keine Auflage mehr für Wohnungen.

    Der Bundestagsabgeordnete Kassem Taher Saleh sprach von leeren Versprechen. „Es fehlen Quoten für sozialen und gemeinwohlorientierten Wohnraum sowie eine Bauverpflichtung, damit genehmigte Projekte auch wirklich umgesetzt werden.“ https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/beschluss-bauturbo-wohnungspolitik-100.html

  7. JCM 28. Oktober 2025 at 22:58 - Reply

    Keiner von denen, die hier schreiben lebt in diesem Kiez. Und, so wette ich, keiner in einem solchen Gebäude. Diese Hochhausprojekte werden das Leben im Kiez weiter verteuern und weniger lebenswert machen. Diese Einsicht eines Anwohners ist nicht ‚konservativ‘, sondern menschlich. Wie enorm wichtig ist, diese Menschlichkeit zu verteidigen, zeigt allein das deprimierende, dominierende, bedrückende Amazon-Hochhaus. Mit linker Blase hat das gar nichts zu tun, sondern mit Lebensqualität.

    • Taz 2. Januar 2026 at 16:19 - Reply

      Ich möchte hier wirklich niemandem auf die Füße treten, aber dieser Mindset ist vielleicht besser mit einem Leben auf dem Land zu vereinbaren. Städte sind dynamische Wohnorte. Heute wohnen Sie in einem Haus, welches damals irgendwem anders nicht gefallen hat.
      Man kann sich wahrscheinlich darauf einigen, dass ohne Neubau kein neuer Wohnraum für andere Menschen entstehen wird. Ein Hochhaus gibt besonders vielen Menschen die Möglichkeit „Ihren Kiez“ zu teilen. Das sollte erst ein Mal etwas positives sein.
      Es gibt x andere und wahrscheinlich bessere Argumente, gerade bzgl unserer Umwelt.
      Die Idee, dass ein Kiez bezahlbar bleibt, weil dort nicht gebaut wird, klingt wenig nachvollziehbar.
      Wer genau sollte den Kiez neu entdecken?

  8. marco 23. Januar 2026 at 22:40 - Reply

    Die geplante Skyline rund um die Warschauer strahlt null Harmonie aus, im Gegenteil, sie weckt schlechte Erinnerungen an Dissens und Verstümmelung.

  9. Zwiebel 29. Januar 2026 at 10:08 - Reply

    Ich bin auch etwas überrascht, wie dieser Plan mit dem Verkehrskonzept für die Warschauer Straße vereinbar sein soll. Wer zu jeder Tageszeit die Warschauer Straße nutzt, um die Freizeitangebote rund um die East Side Mall, den Uber Platz und das RAW zu besuchen, die umliegenden Büroflächen zu erreichen oder einfach nur zur Schule zu gelangen, wird schnell feststellen, dass die Infrastruktur dort an ihre Grenzen stößt. Die zusätzlichen Büro- und Wohnflächen, die in diesem bereits dicht besiedelten Gebiet vorgeschlagen werden, erscheinen mir unverhältnismäßig und nicht angemessen für die Anforderungen der Umgebung. Ich hoffe, dass die Pläne nicht weiter über das Ziel hinausschießen, ohne die Umgebungsbedingungen zu berücksichtigen.

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