Der Tierpark Berlin blickt auf fast 70 Jahre Geschichte zwischen DDR-Planung, Wiedervereinigung und Modernisierung. Er zeigt, wie sich ein traditionsreicher Zoo im Lauf der Jahrzehnte neu erfinden kann.

Das historische Alfred-Brehm-Haus, entworfen von Heinz Graffunder, wurde zwischen 2015 und 2017 zu einem Zentrum für bedrohte Tiere Südostasiens umgestaltet. / © Foto: Wikimedia Commons, Gode Nehler, CC BY-SA 4.0
© Foto Titelbild: Tierpark Berlin
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In den 1950er-Jahren schuf die DDR mit dem Tierpark Berlin ein Pendant zum Zoologischen Garten im Westen der Stadt. Unter der Leitung von Direktor Heinrich Dathe entstand in Friedrichsfelde ein weitläufiger Landschaftspark, der Tiere in naturnahen Anlagen zeigte und ein modernes, wissenschaftlich geprägtes Verständnis von Tierhaltung verkörperte.
Mit der Wiedervereinigung änderten sich die Strukturen grundlegend. Es folgte eine Phase intensiver Umgestaltung, in der zahlreiche Anlagen modernisiert und neu konzipiert wurden. Schließlich übernahm Andreas Knieriem die Leitung des Tierparks und leitete eine Neuausrichtung ein, die den Park zu einer zeitgemäßen, erlebnisorientierten Anlage machte. Bis heute, 70 Jahre nach der Eröffnung, wandelt sich der Landschaftszoo in Friedrichsfelde stetig und führt Dathes Vision fort, Natur, Bildung und Forschung miteinander zu vereinen.
Tierpark Berlin: Architektur als Leitidee in der DDR
Die Anfangsjahre des Tierparks waren geprägt von Experimentierfreude und gestalterischem Anspruch. Der Architekt Heinz Graffunder entwickelte gemeinsam mit Dathe ein System aus Sichtachsen und offenen Landschaften, das den Park zu einem Ort des Lernens und Staunens machte. Anlagen wie das Bärenschaufenster oder die Schlangenfarm unterstrichen den Anspruch, Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu präsentieren. Damit sollte sich der Tierpark bewusst von der dichten Bebauung des West-Berliner Zoos abheben.
Über Jahrzehnte wurde das Konzept weiterentwickelt. Unter Dathes Leitung wuchs der Tierpark zu einem der größten Landschaftstiergärten Europas. Auf über 160 Hektar fanden zahlreiche Tieren ein Zuhause, und Friedrichsfelde wurde zum Aushängeschild der DDR-Zootierpflege.
Tierpark Berlin-Lichtenberg: Wandel und Neuausrichtung nach der Wende
Während der Tierpark zu DDR-Zeiten am Tag Millionen von Besucherinnen und Besuchern zählte, verlor er nach dem Mauerfall seine Sonderstellung und musste sich im vereinten Berlin neu positionieren. Schließlich wurden Zoo und Tierpark 1994 unter dem Dach der Zoologischer Garten Berlin AG zusammengeführt, blieben aber eigenständige Einrichtungen. Die 1990er-Jahre waren von finanziellen Engpässen und sinkenden Besucherzahlen geprägt, dennoch begann bald eine umfassende Sanierungsphase.
In den 2000er-Jahren entstanden neue Themenwelten wie die Himalaya-Anlage. Zudem wurde die Bildungsarbeit weiter ausgebaut. Der Tod von Heinrich Dathe 1990 markierte das Ende einer Ära, zugleich aber auch den Beginn einer Modernisierung, die den Tierpark schrittweise in die Gegenwart führte.
Friedrichsfelde: Der Tierpark unter der Leitung von Andreas Knieriem
Im Jahr 2014 übernahm Andreas Knieriem die Leitung des Tierparks sowie des Zoos. Er setzt auf größere Gehege, weniger Tierarten und geografisch gegliederte Landschaften, etwa die Afrika-Savanne oder die Gebirgstieranlagen. Das Konzept wurde bereits beim Umbau des Alfred-Brehm-Hauses erfolgreich angewendet. Das Haus ist ein Zentrum für bedrohte Tiere Südostasiens und verfolgt die Idee eines Geo-Zoos, in dem Tiere ihrer Herkunft und Lebensräume zusammengehalten werden. Künftig sollen hier afrikanische Elefanten leben, gemeinsam mit Zebras, Giraffen und Antilopen.
Auch Artenschutz spielt eine zunehmende Rolle. 2015 beteiligte sich der Tierpark an der Wiederansiedlung von Bartgeiern, 2025 folgte die Auswilderung von Przewalski-Pferden in Kasachstan. In Friedrichsfelde wurden zudem seltene Arten wie Sumatra-Tiger erfolgreich gezüchtet. Während zu Beginn 400 exotische und heimische Tiere im Tierpark in Berlin-Lichtenberg lebten, sind es heute über 8.000 Tiere.
Der Tierpark Berlin 2030: Neue Themenwelten und moderne Infrastruktur
Der Ziel- und Entwicklungsplan des Tierparks sieht bis 2030 einige bauliche Veränderungen vor. Geplant sind neue Themenwelten wie das Amazonashaus und die größte Vogelvoliere Europas. Eine Erlebnisbahn soll Besucherinnen und Besucher durch die Afrikasavanne führen, eine Gondelbahn über die Himalaya-Anlage hinweg.
Auch infrastrukturell steht ein umfassender Wandel bevor. Ein neues Parkhaus am Bärenschaufenster und ein zusätzlicher Eingang an der Gensinger Straße sollen die Erreichbarkeit verbessern. Im historischen Direktorenhaus ist eine Kita geplant, während am Schlosseingang ein Artenschutzzentrum mit gläserner Tierklinik entsteht. Mit einem Investitionsvolumen von über 90 Millionen Euro wird der Tierpark Berlin zu einem modernen Bildungs- und Erholungsraum weiterentwickelt.
Quellen: Tierpark Berlin, rbb, Bezirksamt Lichtenberg, Dan Pearlman, Global Goals Berlin
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