In Mariendorf wächst der Widerstand gegen die geplante Bebauung des Dreifaltigkeitsfriedhofs. Umweltverbände fordern, den Grünraum zu erhalten und stattdessen versiegelte Alternativflächen für den Wohnungsbau zu nutzen. Am 21. Januar 2026 befasst sich die Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg erneut mit dem Projekt.

Der stillgelegte Friedhof in Mariendorf-Nord ist heute eine parkähnliche Grünfläche mit wertvollen Biotopen. Ein Investor plant, einen großen Teil des Areals in einen inklusiven Wohn- und Sozialcampus mit bis zu 350 Wohneinheiten umzuwandeln. Kritische Stimmen sehen in der Bebauung nicht nur einen Verlust an historischem Erbe, sondern auch eine Gefährdung stadtökologischer Strukturen./ © Foto: BUND Berlin
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Bodo Kubrak, CC BY-SA 4.0
In Mariendorf im Süden Berlins wächst der Widerstand gegen die geplante Bebauung eines großen Teils des Dreifaltigkeitsfriedhofs III. Auslöser der Debatte sind die Planungen des Projektentwicklers HAMBURG TEAM, der unter dem Projekttitel „Campus Schätzelberg“ bis zu 350 Mietwohnungen auf dem Areal errichten will.
Naturschutzverbände wie der BUND Berlin und lokale Initiativen wie die Bürgerinitiative Mariendorf-Nord fordern, die Friedhofsfläche aus ökologischen Gründen nicht zu bebauen. Stattdessen schlagen sie alternative, bereits versiegelte Flächen in der näheren Umgebung vor, die für den Wohnungsbau infrage kämen. Am Mittwoch, den 21. Januar 2026 beschäftigt sich das Plenum der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg nun erneut mit dem Thema.
Dreifaltigkeitsfriedhof III: Investor plant Umwandlung des Areals in Wohn- und Sozialcampus
Der Friedhof, dessen Nutzung bereits weitgehend eingestellt wurde, ist heute eine parkähnliche Grünfläche mit wichtigen Biotopen im dicht bebauten Mariendorf-Nord. Seit Jahren plant ein Investor die Umwandlung eines großen Teils des Areals an der Eisenacher Straße in einen inklusiven Wohn- und Sozialcampus.
Der Entwurf umfasst neun Baukörper mit insgesamt etwa 21.350 Quadratmeter Bruttogrundfläche, davon rund 30 Prozent geförderte Mietwohnungen nach dem Berliner Modell, sowie soziale Nutzungen einschließlich einer Kita und Gemeinschaftseinrichtungen.
350 Wohnungen auf Friedhof: 1.200 Anwohnerinnen und Anwohner sind gegen Bebauung
Erste Planungen sahen rund 190 Wohneinheiten vor, die sich um einen zentralen sozialen Baustein gruppieren sollten. Doch in den aktuellen Plänen hat der Investor – nach Angaben der Umweltverbände – eine deutliche Ausweitung des Programms angekündigt: Nun seien bis zu 350 Wohneinheiten auf dem Friedhofsgelände vorgesehen, was den Widerstand weiter verschärft hat.
Vor Ort liegen bereits rund 1.200 Unterschriften eines Einwohnerantrags vor, die die Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg nun zu einer Debatte über die Bebauungspläne zwingen.
Kritische Stimmen fordern Erhalt der Friedhofsfläche für Klima, Artenvielfalt und Lebensqualität
Kritikerinnen und Kritiker sehen in der Bebauung nicht nur einen Verlust an historischem Erbe, sondern auch eine Gefährdung stadtökologischer Strukturen. Laut dem Naturschutzbund (NABU), dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) würde großflächiger Wohnungsbau vor allem teure Wohnungen schaffen und zugleich einen wertvollen Stadtgrünraum zerstören. Der Dreifaltigkeitsfriedhof III diene vielen Tier- und Pflanzenarten als Rückzugsraum und leiste einen spürbaren Beitrag zum Stadtklima. Die Initiativen warnen vor einer mangelnden demokratischen Mitsprache bei der Planung und fordern eine grundlegende Überarbeitung des Bebauungsplans 7-85 VE oder seine vollständige Ablehnung.
Für die Bürgerinitiative Mariendorf-Nord ist der Erhalt dieses grünen Freiraums auch zentraler Bestandteil einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Die Initiative argumentiert, dass mit jeder weiteren Versiegelung von Grünflächen das Mikroklima leidet, Artenvielfalt verloren geht und die Lebensqualität im dicht bebauten Quartier abnimmt. Unterstützt werden die Bürgerinnen und Bürger von Umweltverbänden, die sich im Rahmen der Kampagne „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt“ für alternative Bauflächen einsetzen.
Mariendorf: Umweltverband präsentiert Alternativflächen für Wohnquartier
In einer aktuellen Pressemitteilung hat der BUND Berlin nun mehrere potenzielle Alternativflächen in der Umgebung des Dreifaltigkeitsfriedhofs identifiziert, die bereits versiegelt sind und für Wohnungsbau genutzt werden könnten. Dazu zählen unter anderem Flächen an der Ullsteinstraße, am Mariendorfer Damm und entlang des Tempelhofer Damms. Auf diesen Grundstücken könnten laut dem Verband sogar mehr Wohneinheiten entstehen als auf dem Friedhof, ohne dafür weitere Grünflächen versiegeln zu müssen.
Die Debatte um den Mariendorfer Friedhof ist symptomatisch für größere stadtentwicklungspolitische Konflikte in Berlin: Wie kann die Stadt dringend benötigten Wohnraum schaffen, ohne die ökologische Komponente außer Acht zu lassen? Und welche Rolle spielen Grünflächen und historische Orte in einer wachsenden Metropole? Die Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung am 21. Januar 2026 dürfte richtungsweisend dabei sein, ob der Bebauungsplan angepasst oder verworfen wird oder das Wohnquartier letztlich doch umgesetzt wird.
Quellen: BUND Berlin, NABU Landesverband Berlin, Bürgerinitiative Mariendorf-Nord, Tagesspiegel, HAMBURG TEAM Gesellschaft für Projektentwicklung
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3 Kommentare
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Wenn Protest – dann genau so… Stimme heben und ernstzunehmende Alternativen präsentieren.
Ich bin mmer wieder erstaunt, wenn man so sporadisch in den Maps über Berlins Stadtfläche streift, wieviel Nachverdichtung doch umgehend möglich wäre, ohne anderen auf die Füße zu treten bzw. den Raum widernatürlich zu verengen…
Richtig, ein Blick auf Google Maps zeigt, dass es dort in Mariendorf Nord eben nicht dicht bebaut ist. Man vergleiche mal mit den Vierteln im S-Bahn-Ring – und die sind gesucht wie nie.
Es ist das Typische Nimby-Syndrom: Wohnungen ja, aber nicht bei mir um die Ecke. Und dann den Umweltschützer rauskehren…
Was für ein flacher und egoistischer Gedanke! Über 1200 Menschen, die über Monate gültig unterschrieben haben, können doch nicht alle „um die Ecke“ wohnen! Unserer Stadtentwicklung fehlt die Motivation für effektive Bewirtschaftung von Leerständen, die bereits versiegelt sind. Die letzte Stadtnatur leicht platt machen – „ja“! Sich anstrengen und gemeinsam mit den Investoren eine verschrottete Fläche wieder beleben – „nein“!