Die Berliner Volksbühne startet mit einem ungewöhnlichen Projekt in die kommende Spielzeit. Das temporäre „Volksbad“ soll zugleich kulturelles Experiment und Kommentar zur angespannten Infrastruktur der Stadt sein.

Mit ihrer markanten Säulenfassade prägt die Volksbühne seit mehr als einem Jahrhundert das Stadtbild am Rosa-Luxemburg-Platz. Mit einem öffentlich zugänglichen Schwimmbecken vor dem denkmalgeschützten Gebäude soll für mehrere Wochen ein Ort der Begegnung und Freizeitnutzung entstehen. / © Foto: Thomas Aurin
© Titelbild: depositphotos.com
Wer im Spätsommer den Rosa-Luxemburg-Platz besucht, könnte statt Theaterbesuchern vor allem Schwimmerinnen und Schwimmer antreffen. Die Berliner Volksbühne plant für die ersten Monate der neuen Intendanz von Matthias Lilienthal einen ungewöhnlichen Auftakt: Von August bis Oktober soll direkt vor dem denkmalgeschützten Theatergebäude ein öffentlich zugängliches Schwimmbecken entstehen. Das „Volksbad“ wird kostenlos nutzbar sein und ohne Zugangsbeschränkungen auskommen.
- Bezirk: Mitte
- Standort: Vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
- Projekt: Temporäres „Volksbad“ mit 25-Meter-Schwimmbecken
- Zeitraum: August bis Oktober 2026
- Zugang: Kostenlos, ohne Ausweispflicht
Mit dem Projekt verabschiedet sich die Volksbühne vorübergehend von klassischen Formen der Theatereröffnung. Während im Gebäude technische Erneuerungen anstehen, soll der Platz vor dem Haus zum öffentlichen Begegnungsraum werden – inklusive 25-Meter-Bahn und Imbissangebot.
Volksbühne wird Volksbad: Ein Schwimmbecken als kulturelle Intervention
Lilienthal versteht das Vorhaben nicht allein als Freizeitangebot. Das temporäre Freibad soll auch eine Diskussion über die öffentliche Infrastruktur Berlins anstoßen. Der Mangel an Schwimmbadkapazitäten, aber auch Defizite bei Verkehr, Bildungseinrichtungen und anderen öffentlichen Angeboten seien in der Stadt vielerorts sichtbar. Das „Volksbad“ greift diese Debatte auf und verbindet sie mit einem offenen Kulturverständnis.
Die Idee knüpft zugleich an die traditionsreiche Geschichte der Volksbühne an. Seit ihrer Gründung steht das Haus für den Anspruch, Kultur einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Das Leitmotiv „Die Kunst dem Volke“, das einst die historische Fassade schmückte, erhält mit dem frei zugänglichen Badeangebot eine ungewöhnliche zeitgenössische Interpretation.
Volksbühne kündigt weitere Veränderungen an
Mit Matthias Lilienthal übernimmt ein Theatermacher die Leitung, der bereits in Berlin prägende Kulturinstitutionen verantwortet hat. Nach Stationen am Berliner HAU und den Münchner Kammerspielen kehrt er an die Volksbühne zurück. Er folgt auf René Pollesch, der das Haus bis zu seinem überraschenden Tod im Jahr 2024 leitete.
Parallel zum „Volksbad“ kündigte die Volksbühne weitere Veränderungen an. So wird der Prater im Prenzlauer Berg nach mehr als einem Jahrzehnt Schließung wieder als Spielstätte genutzt. Dort sollen künftig neue Produktionen in längeren Aufführungsserien gezeigt werden. Die technische Modernisierung des Standorts ist inzwischen abgeschlossen.
Damit beginnt die Volksbühne ihre neue Intendanz mit einem doppelten Signal aus Aufbruch und Öffnung.

Der Prater in Berlin-Prenzlauer Berg ist nach langer Schließung wieder als Spielstätte der Volksbühne geöffnet und wird künftig für längere Aufführungsserien und neue Theaterformate genutzt. / © Foto: Wikimedia Commons, Superbass, CC BY-SA 3.0
Prater
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
Quellen: rbb, Denkmaldatenbank Berlin, Berlin Geschichte, Volksbühne Berlin
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2 Kommentare
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Ich bin sehr für die kulturelle Szene mit ihrer Kreativität und den entsprechenden Angeboten. Aber ist das das richtige Zeichen bei knappen Kassen?!?
Hätte mich gefreut wenn im Artikel etwas über die Kosten gestanden hätte.
Jeder Cent dafür ist verbranntes Steuergeld.