Architektinnen leisten heute einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung Berlins, auch wenn die Branche weiterhin von Männern geprägt ist. Vera Hartmann, Partnerin bei Sauerbruch Hutton, verbindet in ihrer Arbeit Nachhaltigkeit, Materialbewusstsein und funktionale Lösungen. Ihre Berliner Projekte zeigen, wie sich ökologische Bauweisen und architektonische Qualität vereinen lassen.

© Titelbild: Jan Bitter / Sauerbruch Hutton

 

Vor über hundert Jahren konnten Frauen in Deutschland erstmals als diplomierte Architektinnen arbeiten. Sie brachten neue Ideen in die Baukultur ein und mussten sich dabei in einer von Männern dominierten Disziplin behaupten. Heute studieren an deutschen Architekturhochschulen mehr Frauen als Männer und der Anteil weiblicher Studierender liegt bei rund 53 Prozent. Dennoch sind im Beruf nur etwa 30,9 Prozent der Architektinnen tätig.

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Zwar gibt es mehr Frauen in Führungspositionen als früher, etwa als Partnerinnen in Büros oder als Leiterinnen von Architektenkammern, doch die Gründung eigener Büros und die Besetzung einflussreicher Stellen sind noch immer überwiegend von Männern geprägt. Eine erfolgreiche Architektin, die das Stadtbild Berlins mit ihren Projekten nachhaltig prägt, ist Vera Hartmann.

Ausbildung und beruflicher Werdegang: Vom Studium in Europa und den USA zur Partnerschaft bei Sauerbruch Hutton

Vera Hartmann studierte Architektur an der Technischen Universität Cottbus, an der Escuela Técnica Superior de Arquitectura in Barcelona bei Enric Miralles und an der Universität der Künste in Berlin. Während ihres Studiums sammelte sie Praxiserfahrung in Zürich bei Angélil Graham sowie in New York bei Asymptote Architecture. 1999 schloss sie ihr Studium mit dem Diplom ab und begann 2000 ihre Tätigkeit bei Sauerbruch Hutton. Dort verantwortet sie Projekte in allen Leistungsphasen mit Schwerpunkten im Wohnungsbau, im Bildungsbau, im Bauen im Bestand und im Holzbau. Im Jahr 2020 wurde sie Partnerin und 2023 Mitglied der Geschäftsführung.

Projektarbeit im Bildungsbau: Die Erweiterung der Berlin Metropolitan School in Mitte

Aufgestockter und erweiterter Schulbau in Berlin-Mitte mit sichtbarer Holzkonstruktion und Kupferfassade.

Erweiterung einer internationalen Schule durch Aufstockung und Umbau eines Bestandsgebäudes aus den 1980er Jahren. Die neue Holzkonstruktion fügt sich in das denkmalgeschützte Ensemble und schafft Lern- und Gemeinschaftsräume. / © Jan Bitter / Sauerbruch Hutton

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Die Berlin Metropolitan School, die 2004 gegründet wurde, benötigte zusätzliche Flächen, um die neu geplante dreizügige Oberstufe unterzubringen. Vera Hartmann und ihr Team plante die Aufstockung und Erweiterung von drei Gebäudeteilen eines Bestandsbaus aus den 1980er Jahren. Die aufgesetzte Holzkonstruktion wurde mit Kupfer verkleidet, wodurch sie sich farblich in den Bestand einfügt und gleichzeitig als eigenständige Ergänzung erkennbar bleibt.

Im Inneren sorgt die sichtbare Holzstruktur für eine angenehme Lernumgebung. Die Arbeiten wurden während des laufenden Schulbetriebs durchgeführt und durch den hohen Vorfertigungsgrad der Bauelemente abschnittsweise umgesetzt.

Flexible Wohn- und Arbeitsräume: Das Wohn- und Atelierhaus Haus 6 in Berlin Lichtenberg

Wohn- und Atelierhaus in Berlin-Lichtenberg mit spiegelndem Edelstahlblech und flexiblen Grundrissen.

Wohn- und Ateliergebäude für eine Baugruppe im Werkhof L57 mit stützenfreien Grundrissen und spiegelnder Fassade, die den Stadtraum reflektiert. / © Sauerbruch Hutton

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Im Werkhof L57 in Lichtenberg entstand nach Entwürfen des Teams von Sauerbruch Hutton ein viergeschossiges Wohn- und Ateliergebäude für eine Baugruppe mit zehn Parteien. Das Gebäude vermittelt zwischen historischen Kasernenbauten und einem zeitgenössischen Sichtbetonbau.

Die Fassade aus gewelltem Edelstahlblech reflektiert die Umgebung und verändert ihre Anmutung je nach Lichteinfall. Stützenfreie Grundrisse ermöglichen flexible Wohn- und Arbeitsformen. Über Erschließungsbalkone an der Südfassade sind alle Einheiten erreichbar, wodurch gemeinschaftliche und private Außenbereiche entstehen.

Büroerweiterung und Sanierung: Aufstockung L57 H2D in Berlin Mitte

Aufstockung und Sanierung einer ehemaligen Uniformschneiderei im historischen Kasernenensemble an der Lehrter Straße. Die Ergänzung mit grauer Putzfassade und Sheddach erweitert die Büroflächen von Sauerbruch Hutton. / © Jan Bitter / Sauerbruch Hutton

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Mit der Aufstockung und Sanierung einer ehemaligen Uniformschneiderei aus der Zeit der preußischen Armee erweiterten Hartmann und die Mitarbeitenden von Sauerbruch Hutton die eigenen Büroräume, um zeitgemäße und flexibel nutzbare Flächen zu schaffen. Das Gebäude, Teil eines um 1880 errichteten Kasernenensembles, erhielt nach der Sanierung des zweiten Obergeschosses ein zusätzliches Geschoss.

Die neue Fassade in blaugrauem Putz, das Sheddach und die außenbündigen Fenster setzen sich bewusst vom denkmalgeschützten Backsteinunterbau ab, führen jedoch dessen Gliederung fort. Im Inneren gliedern Glaswände und offene Galerien die Räume in Arbeits- und Besprechungsbereiche. Oberlichter, helle Wandfarben und Dielen aus Douglasie schaffen eine lichtdurchflutete Arbeitsumgebung, die den industriellen Charakter des Bestands bewahrt.

Auch wenn es Frauen im Bausektor nach wie vor deutlich schwerer haben, ist Vera Hartmann ein gutes Beispiel dafür, wie Kompetenz, Teamarbeit und Gestaltungsanspruch das Stadtbild prägen können. Ihre Arbeit verdeutlicht, dass Vielfalt in der Planungspraxis zu innovativen Lösungen führt, die den funktionalen, ästhetischen und ökologischen Anforderungen moderner Stadtentwicklung gerecht werden.

 

Quellen: Sauerbruch Hutton, Bauen+, DAT, Women in Architecture

 

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