Frankfurt zählt zu den dynamischsten Großstädten Deutschlands. Diese Schnelllebigkeit spiegelt sich auch in der lokalen Bauwelt wider. Geprägt von einem rasanten Wandel entsteht hier jährlich eine Vielzahl an neuen Hochhäusern, während Bestandshäuser weichen müssen.
OpernTurm
One Forty West
FOUR Towers

© Foto Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

 

Frankfurt wächst stetig und bleibt eine Stadt des Wandels, die sich immer wieder neu erfindet. Besonders sichtbar wird dieser Wandel an der Skyline: Immer mehr Hochhäuser prägen das Bild der Mainmetropole. Exemplarisch für diesen Bauboom stehen das Hafenparkquartier, die Four Towers und das Hochhausduo GA8, die sich im Bau befinden und schon jetzt neue architektonische Akzente setzen.

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Doch der Blick in die Höhe erzählt auch von Vergänglichkeit. Drei Beispiele zeigen, welche Hochhäuser in der Vergangenheit bereits weichen mussten, um Platz für Neues zu schaffen.

1. Hochhauswandel an der Oper: Aus Zürich Haus wird OpernTurm

Gegenüberstellung Vorher/Nachher, Hochhäuser Frankfurt

Während das 19-stöckige Zürich Haus durch eine zurückhaltende Form und eine orthogonale Fassade geprägt wurde, präsentiert sich der OpernTurm wesentlich moderner. Nichtsdestotrotz bleibt eine zeitlose Eleganz auch bei dem 2009 fertiggestellten Neubau erhalten. / © Foto links: Foto Paulsen, by nc sa 4.0, via Deutsche Digitale Bibliothek,  © Foto rechts: Tilman AB, CC0, via Wikimedia Commons

An der Bockenheimer Landstraße 2–4 stand einst das Zürich-Haus, ein eleganter Büroturm mit 19 Obergeschossen. Das 1960 fertiggestellte Gebäude erreichte eine Höhe von 68 Metern und wurde nach den Entwürfen der Architekten Udo von Schauroth und Werner Stücheli errichtet. Mit seiner klaren Fassadengliederung und den zurückhaltenden Proportionen galt es als ein gelungenes Beispiel der Nachkriegsmoderne und prägte das Umfeld der Alten Oper über Jahrzehnte. Trotz seiner architektonischen Qualität und der städtebaulichen Präsenz wurde das Zürich-Haus 2002 abgerissen, weil es nicht mehr den Anforderungen moderner Büroflächen entsprach.

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An seiner Stelle entstand der OpernTurm. Der 170 Meter hohe Neubau setzt heute einen imposanten Akzent an der Bockenheimer Anlage und bietet auf 42 Stockwerken repräsentative Büroflächen. In direkter Nähe zur Alten Oper sitzt hier beispielsweise die UBS Investment Holding. Doch mit seinem Bau ging auch ein Stück Frankfurter Architekturgeschichte verloren, das den Charme einer weniger spektakulären, aber dennoch bedeutenden Ära widerspiegelte.

2. AfE-Turm, Frankfurt-Bockenheim: Universitätsgebäude wurde 2014 gesprengt

Gegenüberstellung, Vorher/Nachher Hochhäuser Frankfurt

Der sogenannte AfE-Turm links war 116 Meter hoch und wurde im Februar 2014 gesprengt. An gleicher Stelle entsteht ein 24 Meter höherer Neubau. / © Foto links: Mylius, GFDL 1.2, via Wikimedia Commons, © Foto rechts: Silesia711, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

1972 wurde an der Robert-Mayer-Straße ein Hochhaus fertiggestellt, das mit 32 Obergeschossen und 116 Metern Höhe über Jahrzehnte den Campus Bockenheim prägte. Es beherbergte Büros und Seminarräume der Fachbereiche Gesellschaftswissenschaften, Erziehungswissenschaften und Psychologie und galt als Symbol für den Aufbruch der Nachkriegszeit. Wegen veralteter Technik und neuer Universitätsbauten verlor es jedoch seine Funktion und wurde nach kurzem Leerstand im Februar 2014 gesprengt.

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Heute steht hier das One Forty West, ein 140 Meter hoher Turm mit 41 Obergeschossen im neuen Senckenberg-Quartier. Wo früher geforscht und gelehrt wurde, befinden sich seit 2021 Wohnungen, Büros und ein Hotel. Damit erhielt der Standort eine vollständig neue Nutzung und wurde in die aktuelle städtebauliche Entwicklung eingebunden.

3. „FOUR“-Areal Frankfurt: Zuvor stand hier ein 110m hoher Wolkenkratzer

Gegenüberstellung Hochhäuser Vorher / Nachher Frankfurter Skyline

Aus dem sogenannten „IBCF“-Areal entstehen aktuell vier Hochhaus-Neubauten. Durch das Großprojekt „FOUR“ entsteht Mitten im Frankfurter Europaviertel ein neues, diverses Stadtquartier. / © Foto links: Melkom at German Wikipedia, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, © Foto rechts: ENTWICKLUNGSSTADT

An der Junghofstraße stand bis 2018 das Hochhaus Deutschen Bank IBCF (Investment Banking Center Frankfurt). Es wurde in den 1970er-Jahren errichtet und diente lange Zeit als Verwaltungsgebäude im Bankenviertel. Mit seiner schlichten Architektur und einer Höhe von rund 110 Metern war es über Jahrzehnte ein fester Bestandteil der Frankfurter Skyline. Doch die Anforderungen an moderne Büroflächen und die Pläne für eine umfassende städtebauliche Neuentwicklung führten schließlich zum Abriss des Gebäudes.

Heute entsteht auf dem Areal das Großprojekt FOUR Frankfurt. Vier unterschiedlich hohe Türme werden hier künftig Büros, Wohnungen, Gastronomie und öffentliche Flächen vereinen und das Bankenviertel neu prägen. Anstelle des funktionalen Bürohochhauses der Deutschen Bank soll so ein urbanes Quartier entstehen, das neue Nutzungen und eine zeitgemäßere Architektur verbindet.

Frankfurts Wolkenkratzer-Wandel: Bewahrung oder Erneuerung?

Frankfurt erneuert sich stetig und passt seine Skyline den Bedürfnissen einer wachsenden Stadt an. Historische Hochhäuser wie das Zürich-Haus, der AfE-Turm und das IBCF-Gebäude sind längst verschwunden und haben Platz für moderne, scheinbar zeitgemäßere Projekte geschaffen.

Doch mit jedem Neubau geht ein Stück Architekturgeschichte verloren. Wo früher markante Hochhäuser das Stadtbild prägten, entstehen heute Neubauten mit völlig neuen Nutzungen. Der Spagat zwischen Bewahrung und Erneuerung bleibt eine Herausforderung, wenn Frankfurt wachsen und sein historisches Erbe sichtbar halten will.

Quellen: Skyline Atlas, OpernTurm, FOUR Frankfurt, Wikipedia

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2 Kommentare

  1. Phil 5. August 2025 at 11:28 - Reply

    Henninger Turm wäre noch ein Beispiel

  2. M.Hillen 27. August 2025 at 22:41 - Reply

    War heute im Four und muss leider sagen, dass ich mehr erwartet hätte… Der zentrale Platz zwischen den vier neuen Hochhäusern bietet null komma null Aufenthaltsqualität… eine unangenehme, ja unerträgliche Steinwüste ist dieser neue, zentrale Platz, an dem sich die vier neuen Durchwegungen kreuzen, geworden.. und der Weg von diesem Platz zur Junghofstrasse ist ebenfalls sehr unattraktiv geworden.. Meine Güte, wie kann man bei so viel Potential nur so schrecklich versagen??? Ich hatte mich so auf die Fertigstellung dieses Projekts gefreut… Das Ergebnis ist eine unglaubliche Enttäuschung für jeden Frankfurt Fan… Wie gesagt: der zentrale Platz ist eine extrem unattraktive Stein- und Glaswüste… ohne jede Aufenthaltsqualität. Wirklich erschreckend, wie unfähig die heutige Architektur offensichtlich ist, wenn es darum geht, Plätze und Wege und Orte von hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen. Ich bin immer noch fassungslos und enttäuscht und erschüttert von dem, was ich da heute gesehen habe…So viel Potential.. und keinerlei Verstand, dieses Potential umzusetzen.. Erschreckend…nicht zu begreifen.

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