Wo einst Schwefelsäure und Kunstdünger produziert wurden, wächst am Frankfurter Mainufer ein Rechenzentrum in die Höhe. Der ehemalige Industriepark Griesheim soll bis 2035 zu einem der größten Gewerbequartiere der Stadt werden, Teile dieser Entwicklung sind bereits erkennbar.

Gebäudekomplex des Rechenzentrums CyrusOne, links ein Stahlrohbau mit sechs hohen Abluftrohren, rechts Gebäudeteil mit begrünter Fassade und Firmenschriftzug.

Das Rechenzentrum „FRA7“ von CyrusOne entsteht auf rund 63.000 Quadratmetern und soll am Ende zwei Gebäude mit einer Gesamtkapazität von 81 Megawatt umfassen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Auf dem Gelände des ehemaligen Industrieparks Griesheim entsteht seit einigen Jahren ein neues Gewerbe und Industriequartier. Die Projektgesellschaft Frankfurt Westside, ein Zusammenschluss aus BEOS und Swiss Life Asset Managers, plant dort auf rund 83 Hektar Raum für Handwerk, Forschung, Büros und Industrie. Bis zum Jahr 2035 sollen laut dieser Planung mehr als 70 neue Gebäude entstehen.

Im August 2026 zeigt sich das Areal in einem Übergangszustand. Der Rückbau der alten Industriegebäude ist nach Angaben der Projektgesellschaft weitgehend abgeschlossen, gleichzeitig laufen die Erschließungsarbeiten. Mit dem Rechenzentrum „FRA7“ des Betreibers CyrusOne wächst bereits der erste große Neubau in die Höhe.

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Baustelle in Frankfurt-Griesheim: Rückbau weit fortgeschritten, Hochbau erst am Anfang

Langgestrecktes, verwittertes Industriegebäude aus Backstein und Metall, davor liegt Bauschutt, im Hintergrund stehen mehrere Baukräne.

Während viele historische Industriegebäude bereits abgerissen wurden, sollen einzelne Bestandsbauten laut Stadt erhalten bleiben, um die Geschichte des Standorts sichtbar zu machen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Die Projektgesellschaft baute nach eigenen Angaben in den vergangenen vier Jahren mehr als 150 Gebäude auf dem Gelände zurück. Dazu gehörte auch ein rund 70 Meter hoher Schornstein, den ein Abbruchroboter Stück für Stück abtrug. Aus diesem einzelnen Abbruch konnte die Projektgesellschaft nach eigenen Angaben rund 1.000 Tonnen Beton wiederverwerten.

Parallel dazu läuft seit Juli 2024 der Aufbau der neuen Netzinfrastruktur. Die zentrale Ringstruktur soll bis Ende 2026 fertig sein, die gesamte Erschließung ist laut Planung bis 2028 vorgesehen. Der Hochbau des Gesamtquartiers steht allerdings noch am Anfang. BEOS spricht weiterhin davon, erste Bauprojekte für das übrige Areal zu planen.

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Rechenzentrum „FRA7“: CyrusOne baut den ersten großen Baustein

Auf einem rund 63.000 Quadratmeter großen Grundstück im Nordwesten des Areals errichtet CyrusOne mit dem „FRA7“ ein weiteres Rechenzentrum in der Umgebung. Der Baubeginn war 2024. Bereits Anfang 2026 feierte das Unternehmen Richtfest für den ersten Baukörper mit einer Kapazität von 54 Megawatt. Insgesamt sind zwei Gebäude mit einer Gesamtkapazität von 81 Megawatt geplant.

Ein zentraler Baustein des Konzepts ist die Abwärmenutzung: Bis zu 40 Megawatt sollen künftig in ein Wärmenetz für das Quartier fließen. Im Mai 2026 teilte CyrusOne allerdings mit, ein zunächst gemeinsam mit E.ON geplantes Konzept zur lokalen Stromerzeugung wieder aus der Entwicklung herausgenommen zu haben. Das Unternehmen setzt stattdessen zunächst auf eine netzgebundene Stromversorgung.

Blick von einer Baustellenstraße auf das mehrgeschossige CyrusOne Gebäude mit Schornsteinen.

Anfang 2026 feierte CyrusOne bereits Richtfest für den ersten Baukörper des Rechenzentrums mit einer Kapazität von 54 Megawatt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Nachhaltigkeit im Gewerbequartier: Ambitionierte Ziele des Entwicklers

Frankfurt Westside erhielt bereits 2022 ein DGNB Vorzertifikat in Platin für Gewerbequartiere. Der Entwickler kündigt zudem an, auf einem Großteil der geeigneten Dachflächen Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 12.000 bis 13.000 Kilowatt zu installieren. Gemeinsam mit der Abwärme der Rechenzentren soll so langfristig eine weitgehend fossilfreie Energieversorgung des Quartiers entstehen.

Diese Ziele stammen jedoch ausschließlich vom Entwickler und sind bislang nicht unabhängig überprüft. Auch die DGNB Auszeichnung ist zunächst nur ein Vorzertifikat für das Konzept, keine Bewertung des fertigen Quartiers. Wie sich der Wegfall der geplanten lokalen Stromerzeugung des „FRA7“ auf die Energiebilanz des gesamten Areals auswirkt, bleibt bislang offen.

Mainufer: Ein bislang abgeschottetes Areal öffnet sich schrittweise

Über Jahrzehnte war das Industrieareal für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. 2023 öffnete sich das Gelände erstmals seit rund 150 Jahren, im Rahmen des Kulturformats „Westside Summer“. Laut BEOS kamen an neun Veranstaltungstagen rund 6.000 Besucherinnen und Besucher, in den Folgejahren wurde das Programm fortgesetzt.

Ob aus dieser zeitlich begrenzten Zwischennutzung eine dauerhafte Öffnung des gesamten Areals wird, ist bislang nicht entschieden. Die Stadt Frankfurt verfolgt zwar das Ziel einer durchgängigen Fuß und Radachse entlang des nördlichen Mainufers, dieses Ziel ist jedoch weiterhin Teil der laufenden städtebaulichen Planung. Ob und in welchem Umfang das Quartier am Ende öffentlich zugänglich sein wird, hängt somit vom Ausgang des noch nicht abgeschlossenen Bebauungsplanverfahrens ab.

Ausblick für das Projekt: Fertigstellung für 2035 geplant

Nach der frühzeitigen Beteiligung von Öffentlichkeit und Behörden im Jahr 2025 wertet die Stadt derzeit die eingegangenen Stellungnahmen aus. Ein rechtskräftiger Bebauungsplan liegt bislang nicht vor. Erst danach lässt sich verbindlich festlegen, wie viele Gebäude, welche Höhen und welche öffentlichen Flächen am Ende tatsächlich entstehen.

Swiss Life plant, die Gesamtentwicklung bis 2035 abzuschließen. Offen bleibt bislang, welche Unternehmen sich über CyrusOne hinaus konkret ansiedeln werden und wie viel der Fläche am Ende tatsächlich öffentlich zugänglich sein wird.

Quellen: Stadtplanungsamt Frankfurt am Main, AS+P Albert Speer + Partner GmbH, BEOS AG, Swiss Life Asset Managers, CyrusOne, Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, Architektenkammer Hessen, Faber & Schnepp, Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), Frankfurt Westside

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