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Frankfurt baut die Förderung für gemeinwohlorientiertes Wohnen aus. Zwei neue Instrumente sollen gemeinschaftliche Wohnprojekte finanziell absichern und ihre professionelle Arbeit erleichtern.

Wohnprojekt Kolle, Besichtigung

Frankfurt will gemeinschaftliche Wohnprojekte künftig nicht mehr nur beim Bauen, sondern bereits in der frühen Organisations- und Planungsphase unterstützen. Das Projekt „Kollektiv Leben“ zeigt exemplarisch, wie wichtig diese Anschubhilfe für solidarische Wohnmodelle ist. / © Stadt Frankfurt am Main, Foto: Zino Peterek

© Visualisierung Titelbild: Hausprojekt Kolle

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Die Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt erweitert ihre wohnungspolitischen Instrumente: Künftig sollen gemeinwohlorientierte Wohnprojekte gezielter unterstützt werden. Mit einer neuen Bauförderung und einer bereits gestarteten Strukturförderung will die Stadt Genossenschaften, gemeinschaftliche Baugruppen und andere nicht profitorientierte Akteure stärken – und damit eine Wohnform, die bislang oft an finanziellen und organisatorischen Hürden scheitert.

Der Beschluss ist eine Reaktion auf den anhaltenden Druck auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt. Während klassische Investoren vor allem auf Rendite setzen, verfolgen gemeinschaftliche Projekte andere Ziele: langfristig stabile Mieten, soziale Durchmischung und häufig auch ökologische Bauweisen. Genau diese Vorhaben benötigen jedoch Planungssicherheit und verlässliche Unterstützung, insbesondere in frühen Projektphasen.

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Frankfurt: Bauförderung für Gemeinwohlimmobilien

Ein zentraler Baustein ist die geplante Bauförderung für sogenannte Gemeinwohlimmobilien. Der Magistrat wurde beauftragt, dafür eine eigene Förderrichtlinie auszuarbeiten. Vorgesehen sind zinsvergünstigte Darlehen und Zuschüsse, mit denen gemeinwohlorientierte Träger Wohnungen errichten können, ohne die Kosten später über hohe Mieten refinanzieren zu müssen.

Planungsdezernent Marcus Gwechenberger sieht darin eine konsequente Ergänzung der bisherigen Förderlandschaft. Akteure jenseits des klassischen Marktes leisteten einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Mieten und zur sozialen Balance in den Quartieren. Ihre gezielte Unterstützung sei daher nicht nur sozialpolitisch sinnvoll, sondern auch stadtentwicklungspolitisch geboten.

Hilfe, bevor es kritisch wird: Strukturförderung bereits in Kraft

Während die Bauförderung noch vorbereitet wird, ist die zweite Neuerung bereits in Kraft: die Strukturförderung für gemeinschaftliches Wohnen. Sie setzt deutlich früher an, nämlich dort, wo viele Projekte ins Stocken geraten, noch bevor der erste Bauantrag gestellt ist.

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Anträge können beim Amt für Wohnungswesen gestellt werden, das Verfahren sei bewusst niedrigschwellig gehalten. Bezuschusst werden unter anderem Gründungskosten, der Aufbau tragfähiger Organisationsstrukturen, externe Moderation bei Konflikten in Wohngruppen sowie fachliche Beratung in der Planungs- und Konzeptionsphase.

Die Stadt wolle damit auf eine zentrale Schwachstelle vieler Initiativen reagieren: Zwar seien Engagement und Ideen oft groß, doch fehlten nicht selten Zeit, Erfahrung oder finanzielle Mittel, um komplexe Projekte über Jahre hinweg durchzuhalten. Die neue Förderung soll verhindern, dass Vorhaben an internen Reibungen oder administrativen Hürden scheitern, noch bevor überhaupt Wohnraum entsteht.

Von der Idee zum Quartier: Gemeinschaftliche Bauprojekte in Frankfurt

Wie relevant dieser Ansatz ist, zeigen zahlreiche Projekte, die in Frankfurt bereits realisiert wurden oder derzeit entstehen. Sie stehen exemplarisch für eine Entwicklung, die in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen hat und nun stärker politisch flankiert werden soll.

So plant etwa die Initiative „Gemeinsam Suffizient Leben“ ein Mehrgenerationenhaus, das gemeinschaftliche Räume, reduzierte Wohnflächen und ökologische Bauweise miteinander verbindet. Im neuen Hilgenfeld-Quartier arbeitet die Gruppe „GoN-ARTgenossen“ an einem Projekt mit rund 55 Wohnungen und gemeinschaftlich nutzbaren Flächen für Kultur und Nachbarschaft.

Auch das inklusive Wohnprojekt „BeTrift“, das generationenübergreifendes Wohnen mit sozialen Angeboten kombiniert, sowie das solidarisch organisierte Projekt „Kollektiv Leben“, bei dem sich die Miethöhe am Einkommen orientiert, gehören zu dieser wachsenden Szene.

Stabile Nachbarschaften: Gemeinwohlorientiertes Wohnen soll kein Nischenmodell bleiben

Allen gemeinsam ist der Anspruch, mehr zu schaffen als nur Wohnraum: Es geht um stabile Nachbarschaften, gegenseitige Unterstützung und Wohnmodelle, die auch Menschen mit geringerem Einkommen oder besonderen Bedürfnissen einbeziehen.

Barbara Reuter vom Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen bewertet den Beschluss entsprechend positiv. Die neue Förderung stärke Initiativen, die seit Jahren bezahlbaren und sozial eingebundenen Wohnraum schaffen, und ermögliche eine professionellere und langfristig tragfähige Umsetzung ihrer Konzepte, oft auch mit Blick auf Klima- und Ressourcenschutz.

Mit Bauförderung und Strukturförderung setzt Frankfurt damit ein Signal: Gemeinwohlorientiertes Wohnen soll kein Nischenmodell bleiben, sondern ein fester Bestandteil der Stadtentwicklung werden. Ob sich dies spürbar auf den angespannten Wohnungsmarkt auswirkt, wird sich zwar erst in den kommenden Jahren zeigen – die politischen Weichen dafür sind nun jedoch gestellt.

Quellen: Stadt Frankfurt am Main, gemeinschaftliches Wohnen Frankfurt, Hausprojekt Kolle, Wohngeno eG, GoN ARTgenossen, ABG Holding, Wohnungsbaugenossenschaft Frankfurt am Main, Gemeinsam Suffizient Leben, DGJ Architektur GmbH

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