Frankfurts Innenstadt steht vor großen Veränderungen. Fünf Bauprojekte zeigen, wie sich die Stadt bis 2030 neu erfinden will. Ein Überblick über die spannendsten Vorhaben.
Projekt 1: Haus der Demokratie
Projekt 2: Peek& Cloppenburg Umbau
Projekt 3: Abriss Bethmannhof
Projekt 4: URBN CBD
Projekt 5: Neugestaltung Domumfeld
© Titelbild: Depositphotos, Hackmann
Frankfurt ist eine Stadt im ständigen Wandel. Vor allem die Innenstadt erlebt kontinuierliche Veränderungen, geprägt von Angebot und Nachfrage. In den vergangenen zwanzig Jahren haben bereits Großprojekte das historische Zentrum nachhaltig verändert. Beispiele dafür sind die Neue Altstadt, das Maintor-Projekt auf dem ehemaligen Degussa-Areal oder der Umbau des Bundesrechnungshofs.
Mit dem Innenstadtkonzept verfolgt die Stadt das Ziel, diese Einzelentwicklungen in ein übergeordnetes städtebauliches Leitbild einzubetten. Bis 2030 sollen nun fünf markante Bauprojekte zeigen, wie Frankfurt seine urbane Identität neu interpretiert und die Innenstadt für die kommenden Jahrzehnte positioniert.
1. Ein Nachbar für die Paulskirche: Das Haus der Demokratie nimmt Form an

Das Umfeld der historischen Paulskirche wird sich in den nächsten Jahren stark verändern: Mit dem Bau des sogenannten „Haus der Demokratie“ entsteht hier ein neuer, moderner Nachbar. / © Foto: Wikimedia Commons, Unknown source
Die Stadt Frankfurt beschloss 2019, die historische Paulskirche um ein „Haus der Demokratie“ zu ergänzen. Damit soll ein neuer Ort entstehen, der die deutsche Demokratiegeschichte würdigt und gleichzeitig aktuelle gesellschaftliche Debatten aufgreift. Ziel ist es, einen lebendigen Lern- und Diskussionsraum zu schaffen.
2021 setzte die Stadt eine Expertenkommission ein, die zwei Jahre später Empfehlungen für das Projekt vorlegte. Vorgesehen sind Ausstellungen, Workshops und Veranstaltungen für Menschen aller Altersgruppen und Hintergründe. In enger Zusammenarbeit mit Bund und Land soll ein Demokratieort entstehen, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbindet. Wo genau das „Haus der Demokratie“ seine Platz findet und wie es konkret aussieht, ist aktuell noch in Entscheidung.
2. Schule statt Shopping: Peek & Cloppenburg-Umbau

Mit einem neuen Nutzungskonzept soll das „P&C“-Gebäude unweit der Konstablerwache wiederbelebt werden. Für das Revitalisierungsprojekt wurde ein Architekten-Wettbewerb ausgeschrieben, gewonnen hat der Entwurf des italienischen Architekturbüros „Renzo Piano Building Workshop“. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Das Gebäude der Modekette Peek & Cloppenburg zählt zu den markantesten Bauten an der Frankfurter Zeil. Nach Jahren rückläufiger Umsätze soll es zu einer multifunktionalen Immobilie umgestaltet werden. Der Siegerentwurf des Architekturbüros Renzo Piano Building Workshop sieht ein flexibles Konzept mit vielfältigen Nutzungen vor.
Geplant sind Flächen für Handel, Gastronomie, Kultur, Freizeit und Arbeiten. Auch eine zweizügige Grundschule könnte im Gebäude Platz finden, was die Jury des Architekturwettbewerbs besonders hervorhob. Ob die Stadt Frankfurt tatsächlich Mieterin wird, ist allerdings noch offen. Das Projekt befindet sich derzeit in der Planungsphase.
3. Gastronomie, Einzelhandel und Kultur: Was wird aus dem alten Bethmannhof?

Ein Ort der Kreativität: aktuell findet man das Künstlerkollektiv „Massif Central“ im alten Bethmannhof. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Der „Bethmannhof“ in der Frankfurter Innenstadt soll nach dem Auszug der Traditionsbank Bethmann grundlegend umgebaut werden. Geplant ist ein Neubau mit modernen Büroflächen, der denkmalgeschützte Elemente integriert. Ergänzend dazu sieht ein Bauvorbescheid öffentliche Nutzungen wie Gastronomie, Einzelhandel und Kultur vor.
Das Bauprojekt sorgt jedoch für Diskussionen. Ein Architekturwettbewerb brachte keinen eindeutigen Sieger hervor, die CDU fordert eine Sanierung mit historischer Anmutung. Während die Planungen weiterlaufen, nutzt das Künstlerkollektiv Massif Central das Gebäude übergangsweise für kulturelle Formate und kreative Zwischennutzungen.
4. Projekt „URBN CBD“: Ein Bestandsgebäude im Wandel

Die Umbauarbeiten im Rahmen des Revitalisierungsprojekts „URBN CBD“ sind in vollem Gange. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Mit „URBN CBD“ entsteht in der Bethmannstraße 50–54 ein Projekt, das Sanierung und Neubau miteinander verbindet. Bis 2027 sollen auf rund 10.650 Quadratmetern moderne Büro- und Handelsflächen entstehen. Eine begrünte Fassade, Terrassen und Balkone sollen das Gebäude aufwerten und zugleich zum Stadtklima beitragen.
Die A. Steigenberger Immobilien GmbH entwickelt das Vorhaben gemeinsam mit Holger Meyer Architekten und Lang & Cie. Real Estate AG. Kritische Stimmen bemängeln eine zunehmende Verdichtung im Bankenviertel. Trotz dieser Debatten haben die Bauarbeiten bereits begonnen, die Fertigstellung ist für 2027 vorgesehen.
5. Für mehr Aufenthaltsqualität: Dom-Umfelds könnte autofrei und begrünt werden

Die Gegend rund um den Frankfurter Dom soll sich umfassend verändern. Zukünftig soll hier mehr Aufenthaltsqualität entstehen, dafür müssen voraussichtlich einige Bereiche autofrei werden. / © Foto: Wikimedia Commons, Kasa Fue
Der Domplatz im Herzen der Altstadt soll in den kommenden Jahren umfassend umgestaltet werden. Ziel ist es, den Platz zu einem autofreien und attraktiven Stadtraum zu entwickeln, der dem Kaiserdom St. Bartholomäus ein angemessenes Umfeld verleiht. Geplant sind neue Sitzgelegenheiten, Baumpflanzungen und großzügige Staudenbeete.
Das Planungsgebiet umfasst zwei Bauabschnitte mit zusammen mehr als 9.000 Quadratmetern. Neben dem Domplatz selbst zählen auch Domstraße, Kannengießergasse und Weckmarkt dazu. Durch die Neugestaltung soll die Aufenthaltsqualität deutlich verbessert und langfristig ein durchgängiges Raumkontinuum in der Frankfurter Altstadt geschaffen werden.
Eine neue Innenstadt: Was sich in Frankfurt bis 2030 verändert
Die fünf vorgestellten Projekte zeigen, wie vielfältig die Transformation der Frankfurter Innenstadt in den kommenden Jahren ausfallen könnte. Mit dem „Haus der Demokratie“ erhält die Gegend um die Paulskirche einen modernen Nachbarn von nationaler Bedeutung. Auf der Zeil signalisiert der Umbau des Peek & Cloppenburg-Gebäudes den Wandel von monofunktionalen Kaufhäusern hin zu flexiblen Multi-Use-Immobilien.
Der Bethmannhof wiederum steht exemplarisch für den Balanceakt zwischen Denkmalschutz, moderner Nutzung und öffentlicher Erwartung. Im Bankenviertel kombiniert das „URBN CBD“ Sanierung und Neubau und setzt dabei auf nachhaltige Technologien. Mit der Neugestaltung des Domumfelds wiederum könnte ein zentraler Platz in der Altstadt deutlich an Aufenthaltsqualität gewinnen.
Ob diese Vorhaben tatsächlich das gewünschte Zusammenspiel von Tradition, moderner Architektur und urbaner Lebensqualität erreichen, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Sicher ist jedoch: Die Projekte werden die Innenstadt prägen und das Bild Frankfurts im Spannungsfeld von Geschichte und Zukunft neu gestalten.
Quellen: Stadt Frankfurt, Haus der Demokratie, hessenschau, Frankfurter Rundschau, Massif Central, C.F. Møller Architects, BGF+ Architekten, FAZ, Dom Römer
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